Sorgsame Hände für zarte Pflanzen

Interview mit Werner Leidner, Geschäftsführer der Rudolf Schrader GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Leidner, die frühere Baumschule Rudolf Schrader ist heute eine Unternehmensgruppe. Wie ist diese aufgestellt?

Werner Leidner: Das Dach bildet die Schrader Umweltmanagement GmbH. Die drei Säulen sind: 
Dienstleistungen im Bereich Forst und Garten- und Landschaftsbau
sowie Forstbaumschulen. Beides decken wir mit der Rudolf Schrader GmbH ab. Sie hat vier Standorte mit rund 100 Mitarbeitern. Die dritte Säule ist unsere Forst-Baumschule im Landkreis Pinneberg. Dort ziehen wir auf rund 200 ha Forstpflanzen für die nächste Waldgeneration heran. Das sind jedes Jahr etwa 60 Millionen Pflanzen. Von ihnen werden 20 bis 25 Millionen verkauft. Einen Teil davon pflanzen wir für unsere Kunden an. Wir bedienen sowohl öffentliche als auch private Wälder. 

Wirtschaftsforum: Ihr Kerngeschäft ist also das Pflanzen von Bäumen?

Werner Leidner: Das ist ein Bereich. Wir machen aber im Prinzip alles was notwendig ist, damit eine braune oder graue Fläche grün wird. Dazu zählen Erdarbeiten, die klassischen Garten- und Landschaftsbauarbeiten und Habitatbau zum Beispiel für Insekten, Wildkatzen oder aktuell Uferschwalben. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Wir bauen auch Wild- und Krötenzäune sowie Parkanlagen. Mit Partnern, die uns das Material aus nachhaltiger Produktion liefern, bauen wir außerdem Spielplätze. 

Wirtschaftsforum: Das sind viele spezielle Kompetenzen unter einem Dach. Aber warum kommen die Kunden gerade zu Ihnen, um Bäume zu kaufen? 

Werner Leidner: Sie schätzen unsere Professionalität und Zuverlässigkeit, kombiniert mit traditionell hoher Qualität und der Leidenschaft unserer Mitarbeiter. Viele von ihnen hatten schon ihr 30- oder 35-jähriges Dienstjubiläum. Das spricht für unsere Qualität und die Firma als Arbeitgeber. Durch unsere Größe haben wir auch eine ganz andere Schlagkraft als kleinere Unternehmen. Wir können schnell und regional agieren, weil wir mit unseren verschiedenen Standorten gut vernetzt sind. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt bei Ihnen die Digitalisierung?

Werner Leidner: Sie ist schon ein Thema. Die Flächenermittlung haben wir weitgehend digitalisiert. Bei einer Parkanlage etwa müssen wir die Größe der Wiese bestimmen, ermitteln, wie viele m³ Erde wir transportiert haben oder wo ein einzelner Baum steht. Digitalisiert haben wir auch Zeit-erfassung und Warenwirtschaft. Spannend ist jetzt, welche Vorteile wir aus der KI ziehen können. Wachstumssimulationen zum Beispiel können einem sagen, wann man für welches Ergebnis wie mähen muss. Es gibt Bewässerungssysteme, die KI-gesteuert Wasser freigeben. KI ist auch im Hinblick auf Kostenanalyse und Angebotskalkulation interessant. Das Thema treibt die Branche an.

Wirtschaftsforum: Ihr Slogan lautet „Mehr Grün für die Natur“. Sie sind also nachhaltig ausgerichtet?

Werner Leidner: Nachhaltig sind wir schon per se. Es beginnt bei den Lieferanten. Unabhängig vom Lieferkettengesetz haben wir bei ihnen schon seit jeher die Nachhaltigkeitszertifikate überprüft. Bei Pflanzen, die wir kaufen, achten wir auf Herkunftszertifikate. In der Baumschule haben wir solarbetriebene Jätesegler. Sie sehen so ähnlich aus wie fahrende Bierzelte. Auf ihrem Dach befindet sich eine Solaranlage. Unter der PV-Anlage beziehungsweise im Inneren der Konstruktion befinden sich Liegeflächen, auf denen die Mitarbeiter auf dem Bauch liegen und Unkraut zupfen. Dadurch arbeiten unsere Mitarbeiter im Schatten und in einer angenehmen Haltung, während der Jätesegler völlig emissionsfrei über die Fläche fährt. Vielleicht werden das irgendwann Roboter übernehmen. Bisher gehen diese aber noch nicht sorgsam genug mit den jungen Forstpflanzen um. Nichts geht mit den nur wenige Zentimeter großen Sämlingen so sorgsam um wie die menschliche Hand. In unserer Baumschule geben wir jedes Jahr mehrere Zehntausend Euro für Bodenanalysen aus, um festzustellen, was an Düngemitteln wirklich notwendig ist und worauf wir verzichten können. Von den 200 ha Produktionsfläche bleibt immer ein Teil frei, damit sich der Boden erholen kann. Und die Motorsägen stellen wir peu à peu um auf akkubetriebene Geräte. 

Wirtschaftsforum: Was ist Ihnen im Hinblick auf die Zukunft wichtig?

Werner Leidner: Was uns, meinem Partner Felix Andreae und mir, unsere Vorgänger mitgegeben haben, ist die Mischung aus Tradition und Innovation. Die möchten wir fortführen – offene Augen für neue Märkte behalten und dabei die alten Werte nicht vergessen.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Erfolgsfaktor von Rudolf Schrader?

Werner Leidner: Am wichtigsten sind die Köpfe im Unternehmen, allen voran die Familie Schrader, jetzt vertreten durch den Vorstand Bernd Schrader, der ehemalige Geschäftsführer Harald Jeß und der ehemalige Prokurist Helmuth Häberle. Einen sehr großen Anteil am Erfolg haben auch unsere Filialleiter. Jeder von ihnen führt seine Filiale, als wäre sie seine eigene Firma. Das ist heutzutage eine Besonderheit. 

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