„Kunden bekommen, was zu den Kindern passt!“

Interview mit Julian Richter jun., Geschäftsführender Gesellschafter der Richter Spielgeräte GmbH

„Unsere Kunden bekommen, was zu den Kindern passt und woran sie möglichst lange Freude haben“, beschreibt der Geschäftsführende Gesellschafter Julian Richter jun. den Anspruch der Richter Spielgeräte GmbH. „Während der Wettbewerb oft vom Preisdruck getrieben wird, gehen wir keine Kompromisse ein.“

Seit der Gründung des Unternehmens 1966 ist die Geschichte vom Fokus auf die Kinder geprägt. Hilde Richter orientierte sich an warmen Werkstoffen und einer angenehmen Umgebung. Spielgeräte sollten Geborgenheit bieten und einen Ort des Wohlbefindens schaffen. Ihr Sohn Julian Richter setzte ihre Ideen mit einigen Freunden in einer ehemaligen Dorfschmiede um. Binnen weniger Jahre stieg die Nachfrage rapide an und das Unternehmen entwickelte sich stetig weiter.

Vor acht Jahren hat Julian Richter den Betrieb seinem Sohn übergeben und sich vor vier Jahren komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen. Heute beschäftigt die zu 100% in Familienbesitz befindliche Richter Spielgeräte GmbH 130 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 24 Millionen EUR. Gefertigt werden die Spielgeräte ausschließlich am Firmensitz Frasdorf. Kleinere Schreinereien, Sägewerke und ein metallverarbeitender Betrieb aus der Region liefern das Rohmaterial und einzelne Teile.

Immer mehr Projekte

Noch vor rund 25 Jahren war das gesamte Sortiment mit Häuschen, Türmen und Wippen in einem Katalog zusammengefasst. Anfang der 2000er-Jahre fand jedoch ein Wechsel statt und seitdem stehen individuelle Lösungen ebenfalls im Fokus. „Unsere Kunden wünschen sich immer mehr Sonderkonstruktionen“, beobachtet der Geschäftsführer. „Darauf gehen wir gerne ein, denn wir verfügen über großes handwerkliches Können und sind flexibel.“

Im Laufe der Zeit hat sich auch die Bandbreite der Auftraggeber erweitert. Waren es früher fast ausschließlich Kommunen, deren Anteil noch immer rund 80% ausmacht, so sind es heute oft auch Architekten, private Investoren und Hotels sowie Projekte von Großspendern. Mehr als die Hälfte aller Projekte realisiert Richter Spielgeräte in der DACH-Region, weitere 30% im übrigen Europa und den Rest in anderen Erdteilen wie den USA, Australien oder den arabischen Ländern.

Frasdorfer Fachgespräche

Um den Vertrieb in Deutschland kümmern sich Handelsvertretungen, im Ausland sind es Partnerfirmen, die exklusiv mit den bayerischen Spezialisten zusammenarbeiten. Beim Marketing setzt das Unternehmen mit der Schnecke als langsamem, aber beharrlichem ‘Wappentierʼ auf Kataloge, Fachmessen im In- und Ausland, soziale Medien, Inserate in Fachmagazinen sowie das Sponsoring von Branchenveranstaltungen.

„Von Beginn an wollten wir Holz für die Kinder erlebbar machen“, erläutert Julian Richter jun. „Dabei geht es auch darum, dass sich Kinder möglichst lange mit einem Spielgerät auseinandersetzen. Im Sinne einer möglichst kindgerechten Gestaltung von Spielgeräten sind wir Mitglied der International Play Association (IPA), einem Netzwerk, das sich seit 1961 für das Recht der Kinder auf Spiel einsetzt und dessen Veranstaltungen wir auch aktiv unterstützen.“ Außerdem veranstaltet der Betrieb regelmäßig die sogenannten Frasdorfer Fachgespräche, bei denen sich Spezialisten unterschiedlichster Disziplinen austauschen können und so zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess beitragen.

Umfassend nachhaltig

In punkto Nachhaltigkeit setzt Richter Spielgeräte nicht nur auf Holz als bevorzugten Werkstoff aus der Region, sondern legt auch Wert darauf, dass die Spielgeräte gut zu warten und auch zu reparieren sind. Strom wird ausschließlich mittels Wasserkraft erzeugt, geheizt wird mit Hackschnitzeln und die Installation einer Photovoltaikanlage ist beauftragt. Nachhaltig ist auch das Verhältnis zu den Mitarbeitern, deren Fluktuation gering ist und von denen oft gleich mehrere Familienmitglieder im Betrieb beschäftigt sind.

„Auch in den kommenden Jahren möchten wir unsere Werte und unsere Philosophie erhalten und die Anforderungen, die der internationale Projektemarkt an uns stellt, erfüllen“, sagt Julian Richter jun. „Für uns sind Spiel, Mut und Risiko auch künftig miteinander verbunden. Wir glauben, dass die zunehmende Digitalisierung Menschen von ihren Basiskompetenzen entfernt.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Tourismus & Freizeit

Mut zum Risiko: Wie Wachstum in einem engen Markt gelingt

Interview mit Stefan Gabriel, CEO der Fortimo AG

Mut zum Risiko: Wie Wachstum in einem engen Markt gelingt

Der Schweizer Immobilienmarkt steht unter Druck: steigende Regulierung, begrenztes Bauland, verschärfte Finanzierungsvorgaben und eine anhaltend hohe Nachfrage. In diesem Spannungsfeld hat sich die Fortimo AG aus St. Gallen zu einem…

„Ein Apartment auf Rädern“

Interview mit Franz Wieth, Geschäftsführer der PROTEC GmbH & Co. KG

„Ein Apartment auf Rädern“

Wer im Wohnmobil unterwegs ist, kennt das Dilemma: Entweder man fährt ein kompaktes, wendiges Fahrzeug und verzichtet auf Platz – oder man wählt den Luxusliner in Omnibusgröße, der in jeder…

Einzigartige Erlebnisse auf hoher See

Interview mit Christian Mühleck, Geschäftsführer der OceanEvent GmbH

Einzigartige Erlebnisse auf hoher See

Ob Konferenz, Incentive, Produktpräsentation oder private Feier: Die Suche nach außergewöhnlichen Eventformaten führt Unternehmen und anspruchsvolle Privatkunden immer häufiger aufs Wasser. Denn ein exklusiv gechartertes Schiff schafft eine besondere Mischung…

Spannendes aus der Region Landkreis Rosenheim

Wohin Verantwortung führt

Interview mit Eva-Marie Torhorst, Geschäftsführerin der ReAL gGmbH

Wohin Verantwortung führt

Die ReAL gGmbH begleitet seit Jahrzehnten Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen – getragen von einer familiären Tradition und weiterentwickelt durch klare Werte, Mut zu neuen Wegen und eine Unternehmenskultur, die…

Wenn Standard nicht hoch genug reicht

Interview mit Florian Kunze-Scheffler, CFO/CIO/CDO der Kunze GmbH

Wenn Standard nicht hoch genug reicht

Wer heute auf Baustellen entlang von Bahnstrecken arbeitet oder schwer zugängliche Industrieanlagen wartet, braucht mehr als Standardtechnik. Die Kunze GmbH aus Bruckmühl hat sich genau auf diese anspruchsvollen Einsatzbe­reiche spezialisiert.…

Nachhaltiger Holzbau neu definiert

Interview mit Klaus Gruber, Geschäftsführer der GRUBER.HAUS GMBH

Nachhaltiger Holzbau neu definiert

Holz ist ein wunderschöner, nachhaltiger und zunehmend beliebter Baustoff, der nicht nur ästhetische Qualitäten bietet, sondern auch umweltfreundlich ist. In einem Interview mit Wirtschaftsforum erzählt Klaus Gruber, Geschäftsführer der GRUBER.HAUS…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und zugleich einer, der heute aktueller denn je ist. Wer nachhaltig bauen, bestehende Gebäude sanieren oder historische Bausubstanz erhalten möchte, kommt an…

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Bau GmbH

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Vom regionalen Zimmereibetrieb zum innovativen Totalunternehmer: Die Handler Bau GmbH hat sich in mehr als 160 Jahren zu einem führenden Player im großvolumigen Wohn- und Hochbau entwickelt. Im Gespräch erläutert…

„Sport macht Spaß – und die Sportfläche noch mehr!“

Interview mit Tobias Owegeser, Geschäftsführer der SMG Sportplatzmaschinenbau GmbH

„Sport macht Spaß – und die Sportfläche noch mehr!“

Seit vielen Jahrzehnten ist SMG als starker Anlagenbauer in der Track-and-Turf-Nische bekannt: Weltweit entsteht kaum eine maschinell errichtete Sportfläche ohne die Produkte des Unternehmens aus dem süddeutschen Vöhringen. Wie SMG…

TOP