Für Nachhaltigkeit brennen

Interview mit Peter Jaksch, Geschäftsführer der Richard Wenzel GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Jaksch, im nächsten Jahr feiert die Richard Wenzel GmbH & Co. KG ihr 125-jähriges Firmenjubiläum – seit 1899 werden in Aschaffenburg Kerzen gefertigt. Gab es in dieser langen Zeit besondere Zäsuren, die das Unternehmen zu dem gemacht haben, was es heute ist?

Peter Jaksch: Wir sind ein alteingesessenes Familienunternehmen und zählen zu den fünf größten Kerzenherstellern in Deutschland. Meine Eltern Rosemarie und Rudolf Jaksch haben das Unternehmen maßgeblich nach vorn gebracht.

Damals haben sie einen Kerzenbetrieb, der lokal Kirchen belieferte, für die Industrie geöffnet und damit neue Perspektiven geschaffen. Sie waren innovativ, haben investiert, Fabriken aufgebaut und für diesen Schritt Risiken in Kauf genommen. Ihre unternehmerische Weitsicht ist ein wichtiger Grund für unsere heutige Marktposition.

Wirtschaftsforum: Heute beschäftigt Wenzel 200 Mitarbeiter und setzte zuletzt 40 Millionen EUR um. Welchen Einfluss hatten Corona und zuletzt der Krieg auf die Geschäfte?

Peter Jaksch: Wir sind vom Coronaverlierer zum Coronagewinner geworden. Als Geschäfte, Restaurants und Kirchen im Lockdown schließen mussten, wirkte sich das entsprechend negativ auf die Nachfrage nach Kerzen aus. Doch dann kam der Wandel. Der Homing-Effekt setzte ein, die Leute machten es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich – und kauften Kerzen. 2021 und 2022 liefen recht gut für uns, wobei auch wir mit Personalausfällen durch Corona zu kämpfen hatten und aufgrund unterbrochener Lieferketten in 2022 zum Teil unsere Lieferzeiten nicht einhalten konnten. Die Folgen des Krieges spüren wir erst jetzt, da die Großaufträge unserer Kunden bereits vor Kriegsausbruch erteilt wurden. Die Kaufkraft der Endverbraucher wurde jedoch durch den Krieg und die enorm gestiegenen Energie- und Lebenshaltungskosten geschwächt, sodass die Lagerbestände unserer Kunden Ende 2022 noch recht hoch waren. Die Entwicklung für 2023 ist schwer einzuschätzen, allerdings haben wir mit unseren Produkten einen Vorteil: Kerzen brennen ab, man muss sie neu kaufen.

Wirtschaftsforum: Wie sehen diese Kerzen aus und wie hat sich das Angebot in den vergangenen Jahren verändert?

Peter Jaksch: Das Portfolio wandelt sich laufend, Vielfalt ist eines unserer wichtigsten Kennzeichen. Kerzen verändern sich in Farbe und Design; wir folgen dabei den Trends der Modeindustrie. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist heute Nachhaltigkeit.

Wirtschaftsforum: Wie spiegelt sich dieser Aspekt im Portfolio wider?

Anja Strange: Wir haben mit der Pure-Serie Kerzen aus natürlichem Raps- oder Olivenwachs und verzichten gänzlich auf den Einsatz von Palmöl. Peter Jaksch: Die Pure-Kerzen stehen für einen reduzierten CO2-Ausstoß und sind ein wichtiger Türöffner. Großkunden sind sehr interessiert.

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Neuheiten im Angebot?

Peter Jaksch: Mit ‘Light One’ führen wir ein auf dem Markt einzigartiges Teelicht aus natürlichen Wachsen im Sortiment, das sechs Stunden brennt und eine feuerfeste, nachhaltige Hülle aus Papier hat, die in der Altpapiertonne entsorgt werden kann. Wir haben ‘Light One’ auf der Frankfurter Messe erstmals präsentiert und eine sehr positive Resonanz bekommen.

Anja Strange: Innovationen gibt es auch bei Dekokerzen, die mit einem Wachssprühsystem statt mit Folien dekoriert werden. So wird Plastik vermieden, zudem erlaubt die Technik eine sehr feine, detaillierte Gestaltung der Kerzen. Um auch bei den Verpackungen den Plastikanteil zu reduzieren, arbeiten wir zum Beispiel mit Bügeltrays ohne Folie.

Wirtschaftsforum: Wie sehen aktuell Trends und Herausforderungen in der Branche aus? Und was plant Wenzel für die Zukunft?

Peter Jaksch: Momentan ist die Auftragszeit für das Weihnachtsgeschäft. Die Menschen sehnen sich in diesen Zeiten nach Ruhe und positiven Nachrichten, deshalb geht der Trend zu ruhigen, schlichten Produkten. Mit unserem Hauptfokus auf ‘Light One’ wollen wir uns neuen Kundengruppen öffnen. Wir haben umfassend in neue Maschinen investiert und werden in Kürze eine neue Kommissionierhalle beziehen und damit Arbeitswege optimieren. Weil die schnelle Produktverfügbarkeit immer wichtiger wird, kooperieren wir mit einem Logistikdienstleister. Uns ist vor allem wichtig, die Kontinuität des Familienunternehmens sicherzustellen – das können wir, da mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn die nächste Generation schon bereitsteht.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Handel & Konsumgüter

Vom Raumfahrtprojekt zum  Haushaltshelden

Interview mit Daniel Kalisch, General Manager DACH der WD-40 Company Limited Zweigniederlassung Deutschland

Vom Raumfahrtprojekt zum Haushaltshelden

„Aller guten Dinge sind drei“ – doch bei der WD-40 Company Limited ist die magische Zahl die 40. In diesem Artikel tauchen wir in die faszinierende Geschichte des weltweit bekannten…

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Mit Rückenwind in die Zukunft

Interview mit Thomas Mouhlen, Geschäftsführer der Prophete In Moving GmbH

Mit Rückenwind in die Zukunft

Der Fahrrad- und E-Bike-Markt wandelt sich gerade rasant. Damit bieten sich für Prophete In Moving mit seiner starken Position im Preiseinstiegssegment weitere vielfältige Wachstumschancen. Wie er diese ergreifen möchte und…

Spannendes aus der Region Aschaffenburg

Zwischen Hand­werk und Kunst

Interview mit Steffen Bayer, Geschäftsführer der METALLART Treppen GmbH

Zwischen Hand­werk und Kunst

Treppen verbinden Ebenen und schaffen Räume mit Charakter. Wo handwerkliche Präzision auf außergewöhnliches Design und durchdachte Funktion trifft, entstehen individuelle Treppenkonzepte, die weit mehr sind als der Weg von unten…

Investieren, wenn andere bremsen

Interview mit Markus Geller, COO der Amacuro GmbH

Investieren, wenn andere bremsen

Während sich große Player im Gesundheitsmarkt aus Kostengründen eher zurückziehen, investiert die Amacuro GmbH aus Hamburg gezielt in Infrastruktur, Digitalisierung und Mitarbeiter. COO Markus Geller bringt dafür seine langjährige Erfahrung…

Datteln direkt vom Ursprung

Interview mit Semi Ouanes, Geschäftsführer der Ouanes Früchte GmbH

Datteln direkt vom Ursprung

Vor fast 30 Jahren begann die Geschichte der Ouanes Früchte GmbH mit einem Kleintransporter und einer mutigen Idee. Heute importiert das Familienunternehmen jährlich rund 2.000 t Datteln aus Tunesien, Palästina,…

Das könnte Sie auch interessieren

Handwerk als strategischer Vorteil

Interview mit Matthias Fischer, Geschäftsführer der Fischer Markenschuh GmbH

Handwerk als strategischer Vorteil

Wenn Konsumsegmente unter globalem Preisdruck schwanken, zeigt ein Produkt besondere Stabilität: der Hausschuh. Während in vielen Sparten schnelle Trends dominieren oder Billigware den Markt flutet, behaupten sich Anbieter wie die…

Vom Reifengroßhandel zum Systemanbieter

Vom Reifengroßhandel zum Systemanbieter

Vor beinahe 100 Jahren als Reifengroßhandel gestartet, hat sich IHLE tires – seit 2014 Teil des weltbekannten Michelin-Konzerns – systematisch zum serviceorientierten Partner seiner Werkstattkunden weiterentwickelt. Inzwischen beliefert das Unternehmen…

„Wir sorgen für Transparenz im ­Werbemittelmarkt!“

Interview mit Sebastian Noy, Geschäftsführer der Prowerb GmbH

„Wir sorgen für Transparenz im ­Werbemittelmarkt!“

Mit seinen vielfältigen digitalen Werbemittel- und Logistiklösungen hat sich Prowerb in den letzten Jahren zum umfassenden Marketing Services-Anbieter weiterentwickelt. Dass viele Kunden angesichts der gesamtwirtschaftlich bedingten Investitionszurückhaltung derzeit genau sondieren,…

TOP