„Beweisen, dass Wirtschaft auch anders funktioniert“

Interview mit Fabian Eckert, Geschäftsführer der reCup GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Eckert, wie kamen Sie darauf, ein Pfandsystem für Kaffeebecher ins Leben zu rufen?

Fabian Eckert: Ich habe in Schweden Nachhaltigkeitsmanagement studiert und mit dem Master für nachhaltigen Unternehmensaufbau abgeschlossen. Im Rahmen des Studiums wollte ich ein Projekt zu diesem Thema machen, was leider nicht zugelassen wurde. Ich habe es aber weiterverfolgt, weil ich es wichtig fand, ein sichtbares Problem zu lösen, um die Menschen zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, dass wir hier Produkte benutzen, die wir nach zehn Minuten Gebrauch wegwerfen. Über eine Politikerin, an die ich mich gewandt hatte, habe ich Florian Pachaly kennengelernt, der an einer anderen Universität studierte und zeitgleich die gleiche Idee hatte. Im August 2016 haben wir uns kennengelernt; Ende September waren wir mit unserem Produkt auf dem Markt.

Wirtschaftsforum: Warum ging es so schnell?

Fabian Eckert: In Schweden hatte ich einen Investor um Rat gebeten. Der lautete, so schnell wie möglich auf den Markt zu gehen. Das haben wir getan. Ein erster Testlauf mit 25 Cafés in Rosenheim war erfolgreich. Unser Becher war damals noch kein optisches Highlight, aber es war richtig, das Produkt mit dem Kunden und nicht für den Kunden zu entwickeln. Anfang 2017 haben wir die GmbH gegründet und mit freien Mitarbeitern angefangen, die wir später eingestellt haben. Mitte 2017 waren wir neun Leute. Heute haben wir 40 Mitarbeiter und befinden uns weiterhin im Wachstum. Den Vertrieb haben wir mittlerweile dezentralisiert. 5.200 Ausgabestellen sind an unser Pfandsystem angeschlossen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Fabian Eckert: Unsere Produkte heißen RECUP und REBOWL. Das sind recycelbare Mehrwegbecher und -verpackungen, die für einen beziehungsweise fünf EUR Pfand herausgegeben werden. Wir bekommen von den Gastronomen dafür monatliche Gebühren in Höhe von etwa einem EUR pro Tag. Das System ist damit für sie kostengünstiger und zudem umweltfreundlicher als die Einweg-alternative.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Aufgabe im Unternehmen heute?

Fabian Eckert: Florian und ich haben uns von opportunistischen Gründern zu strategischen Managern gewandelt. Die Arbeit macht unheimlich viel Spaß, und wir lernen eine Menge. Wir haben beide Lust, die Arbeitswelt etwas auf den Kopf zu stellen und Dinge auszuprobieren. Zu Anfang hatten wir beispielsweise komplett selbstbestimmte Gehälter. Alle Gehälter sind bei uns transparent. Jeder kann so viel Urlaub nehmen, wie er möchte. Wir setzen uns auch für Verantwortungseigentum als neue Gesellschaftsform ein und sind diesbezüglich stark mit der Politik im Austausch. Ein Grundgedanke dieses Modells ist, dass die Menschen, die Entscheidungen treffen, nicht persönlich davon profitieren sollen.

Wirtschaftsforum: Was macht reCup so erfolgreich?

Fabian Eckert: Sicher haben wir einige Weichen richtig gestellt, aber es gehört auch Glück dazu. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am Start. Von Beginn an haben wir ein gutes, motiviertes Team aufgebaut, waren immer transparent und sind ehrlich auf die Kunden zugegangen. Auch bei ihnen sind wir dadurch auf viel Offenheit gestoßen. Durch den Testlauf in Rosenheim wurden schon früh die Medien auf uns aufmerksam. Es ist schön, ein Leuchtturmprojekt zu haben, das viel Beachtung findet und gleichzeitig Umweltbewusstsein fördert. Wir wollen beweisen, dass nachhaltige Geschäftsmodelle die Chance haben, profitabel zu sein. Aber natürlich ist auch bei uns nicht immer alles einfach. Wir haben die gleichen Herausforderungen zu bewältigen wie andere Unternehmen auch.

Wirtschaftsforum: Wie soll es mit dem Unternehmen weitergehen?

Fabian Eckert: Unser Ziel ist, RECUP und REBOWL im nächsten Jahr in Deutschland sehr weit verbreitet zu haben. Auch in Belgien und Südafrika sind wir schon aktiv und wollen uns weiter internationalisieren. Schön wäre es, in drei bis fünf Jahren ein Unternehmen im Verantwortungseigentum zu haben. Abfallvermeidung wird auf jeden Fall weiter im Fokus stehen. In neun Jahren möchten wir den Einwegbecher und die Verpackung ‘to go’ abgeschafft haben.

Wirtschaftsforum: Worin liegt Ihre persönliche Motivation?

Fabian Eckert: Wir wollen uns nicht am Unternehmen bereichern, sondern beweisen, dass Wirtschaft auch anders funktioniert und man auch so einen glücklichen Weg als Unternehmer gehen kann.Wir sind die Generation, die jetzt etwas verändern kann. Werte, die uns wichtig sind, sind das Miteinander, der Mut zur Veränderung und viel Herzblut. Wir brennen für das, was wir tun.

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