Die Lupineers – Lupinen für eine bessere Welt

Interview mit Roland Brandstätt, Marketing Director der Prolupin GmbH

Zu pflanzlichen Proteinen wurde im Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising schon seit 1996 geforscht. „Damals hat man begonnen, eine pflanzliche Quelle mit hochwertigem Protein zu suchen, die alternativ zu Soja eingesetzt werden kann, und fand diese in der Lupine. Sie ist eine heimische Pflanze, wächst aber überall auf der Welt außer am Äquator, kann also überall lokal angebaut werden“, erzählt Marketingdirektor Roland Brandstätt. Die Forscher extrahierten das Eiweiß aus der Lupine.

Aufgrund der Bitterstoffe, der Alkaloide, schmeckten die ersten Produkte aber nicht. „Man entwickelte daher einen Prozess, der das hochwertige Protein ohne Bitterstoffe isoliert“, erklärt Roland Brandstätt weiter. Das Verfahren zur Herstellung dieses Lupinenprotein-Isolats (LPI) wurde patentiert. 2010 wurde Prolupin ausgegründet, um das LPI zu vermarkten.

„Wir sind weltweit die Einzigen, die LPI herstellen. Es ist geeignet, alle Arten von tierischem Protein aus Milch und Fleisch zu ersetzen“, so der Marketingdirektor. Der Erfolg blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück. „Niemand wusste, was die Lupine und was LPI ist.“ Um das zu ändern, wurde 2014 die Strategie verändert und das Geschäft von B2B auf B2C umgestellt sowie die Marke MADE WITH LUVE eingeführt. LUVE steht für LUpine + VEgan und damit als Synonym für LPI.

Produkte mit LUVE

Das Geschäft hat sich seitdem stetig entwickelt und das Sortiment wurde ausgebaut. Die Marke heißt heute nur noch LUVE, das Patent gehört inzwischen Prolupin selbst. Roland Brandstätt, der seit 2017 im Unternehmen ist, berichtet über die vergangenen Jahre: „Der Markenauf- und -ausbau von LUVE wird seit der ersten Stunde – bis heute – von Investoren unterstützt, sodass wir kurzzeitig in 2018 auch TV-Werbung machen konnten, wodurch der Bekanntheitsgrad von LUVE gestiegen ist.“

Durch die Coronapandemie kamen neue Probleme auf das Unternehmen zu. Roland Brandstätt sieht aber auch eine positive Entwicklung: „Die Konsumenten machen sich seit Covid mehr Gedanken um gesunde Ernährung. Die vegane Branche ist stark gewachsen. 2021 gab es einen großen Schub.“ Aktuell sieht er allerdings schon wieder einen anderen Trend: „Aufgrund von Inflation und Energiekrise brechen die pflanzlichen Segmente zurzeit geradezu ein, da die Hauptverwender unserer Produkte nicht Veganer, sondern vor allem auch ‘Flexitarier’ sind. Aufgrund des Preises greifen sie jetzt wieder vermehrt zu günstigeren konventionellen Produkten. Im internationalen Vergleich geben die Deutschen sowieso schon relativ wenig Geld für Essen aus und fangen bei Inflation auch genau da als Erstes an zu sparen.“

Auf dem Markt für pflanzliche Joghurt-Alternativen ist LUVE mit einem Marktanteil von circa 5% die Nummer 2 hinter dem großen Wettbewerber Alpro mit circa 75%. Prolupin ist bis heute der einzige Hersteller, der Lupinenprotein-Isolat als Basis verwendet und damit einzigartig, wie der Marketingdirektor hervorhebt: „LPI ist dem Milcheiweiß recht ähnlich, und es ist neutral. Man kommt bei den Produkten dem Originalgeschmack sehr nahe. Denn viele vegane Produkte haben oft einen pflanzlich-bitteren Nachgeschmack – unsere nicht.“

Die Bestseller von Prolupin sind die Joghurtprodukte LUGHURT, insbesondere die Varianten Stracciatella und Natur. Roland Brandstätt sieht im Bereich Joghurt noch großes Potenzial, ebenso wie im Eismarkt. „Hier spielen Genuss und Emotion eine große Rolle“, sagt er. Der größte Markt ist der der Milchalternativen mit Produkten wie dem neuen Naturdrink oder der Barista-Variante. Auch Puddingalternativen gehören zum Sortiment, das rund 20 Produktalternativen umfasst. Prolupin stellt jeweils nur das LPI selbst her, wobei nur heimisch angebaute Lupinen verwendet werden, und lässt über Partner produzieren.

Neustart im ‘Veganuary’

Die größte Zielgruppe ist die Gruppe der Reduzierer– „und von ihnen diejenigen, die auf Nachhaltigkeit achten“, erklärt Roland Brandstätt. Die LUVE-Produkte sind vor allem in deutschen Großstädten erhältlich. Auch in Österreich werden einige Kunden wie REWE-Billa und Spar beliefert. „Derzeit prüfen wir, ob wir ins europäische Ausland gehen. Der größte Markt ist England, das wird aber durch den Brexit erschwert. In Frage kommen auch Frankreich, Belgien und Italien“, so Roland Brandstätt.

Der Plan für 2022 war ursprünglich, richtig durchzustarten. „Jetzt müssen wir erst einmal durch die Krise kommen und fokussieren uns auf unser Kerngeschäft“, sagt Roland Brandstätt und blickt auf das nächste Jahr: „Das vegane Jahr beginnt mit dem veganen Januar – dem ‘Veganuary’. Nach der Völlerei von Weihnachten denken die Menschen wieder über die Ernährung nach.“ Neben neuen Produkten wird es bald auch einen eigenen Webshop geben. Zudem wird parallel der B2B-Bereich wieder aufgebaut. Für Roland Brandstätt steht fest, dass die veganen Märkte wieder wachsen werden: „Vegan ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Wir nennen uns Lupineers und möchten als solche die Welt jeden Tag ein Stück besser machen.“

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