Elektroniklösungen für ein besseres Leben

Interview mit Carsten Ellermeier, CEO, der PRETTL Electronics Group

Wirtschaftsforum: Herr Ellermeier, was ist die Kernkompetenz von PRETTL Electronics?

Carsten Ellermeier: Ursprünglich kommen wir aus dem Electronics Manufacturing Service (EMS), das heißt aus der Auftragsfertigung. Inzwischen haben wir uns zu einem Full Service Provider weiterentwickelt, der vom Prototyp bis zum After Sales, der Reparatur und der Produktpflege den gesamten Lebenszyklus einer Lösung abdeckt. Im Laufe der Jahre haben wir uns ein hohes Maß an Entwicklungskompetenz aufgebaut, inhouse Technologien und ein eigenes Engineering vorangetrieben. So können wir Lösungen entwickeln, die auf unsere Kunden, nicht auf unsere Produkte, abgestimmt sind.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Entwicklung Ihres Unternehmens und Ihrer Lösungen?

Carsten Ellermeier: Wir haben unsere digitalen Tools in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, denn die Erwartungen unserer Kunden wachsen stetig, zum Beispiel an die digitale Supply Chain. Sie wollen uns nicht mehr fragen müssen, welchen Stand ihr Auftrag hat, sondern jederzeit selbst reinschauen können, um zu erfragen, wo der Auftrag steht, welche Durchlaufzeiten zu erwarten sind, wann die Ware geprüft und erwartet werden kann. Aktuell ist die Knappheit an Elektronikkomponenten ein großes Problem, stört die Lieferketten und Produktionen. Hier ist die digitale Supply Chain in Echtzeit-Kommunikation sehr wertvoll. Wichtig sind auch die Sammlung, Bereitstellung, Auswertung und Onlineübermittlung von Daten aus den Maschinen für die Optimierung, Effizienzsteigerung und Optimierung der Produkte und Anlagen. Prüfprotokolle sind in unserer Branche allerdings schon lange etabliert.

Wirtschaftsforum: Ein weiterer Megatrend, der die Entwicklung von Unternehmen maßgeblich beeinflusst, ist der Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt das Thema für Sie?

Carsten Ellermeier: Wir haben die PRETTL Initiative ʻPRETTL Go Zeroʼ für eine CO2-neutrale Produktion ins Leben gerufen. Über diese Initiative wird es uns gelingen, in unseren Werken in Radeberg und Lübeck 746 Tonnen CO2 pro Jahr weniger auszustoßen. Wir haben für eine ressourcenschonende Produktion ein Abschalt- und Anlaufkonzept entwickelt und in Radeberg und Lübeck eingeführt. Darüber reduzieren wir den Verbrauch von Stickstoff, Druckluft und Strom. Zusätzlich haben wir die Rüstzeiten unserer Maschinen optimiert, um aufgeheizte Lötanlagen bestmöglich energetisch und produktiv zu nutzen. Auch rund um das Thema Beleuchtung haben wir Einsparpotenziale gefunden. Wir haben das Projekt ursprünglich schon 2019 als Partnerschaft mit Bosch Climate Solution gestartet und planen, bis 2025 an allen 42 Produktionsstandorten unserer Gruppe CO2-neutral zu produzieren. Außerdem unterstützen wir mit Produkten zur Energieerzeugung und Speicherung sowie für die Elektrifizierung der Mobilität die Energiewende.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet PRETTL Electronics von anderen Wettbewerbern?

Carsten Ellermeier: Wir haben über viele Jahre Konstanz am Markt bewiesen, mit einem sehr hohen Qualitätsniveau und Zulassungen für unterschiedlichste Segmente mit hohen Anforderungen wie zum Beispiel Medizin, Automotive oder Luftfahrt. Als Familienunternehmen in der dritten Generation sind wir für unsere Kunden ein langjähriger Partner am Markt. Wir sind ein ʻKomplexitätsmanagerʼ und fertigen eine hohe Varianz. Das unterscheidet uns von vielen Marktbegleitern, die im High-Volume-Low-Mix Segment tätig sind. Wir sind als Low-Volume-High-Mix Anbieter aufgestellt. Nicht jeder kann zwei, ebenso aber 300 Baugruppen managen. Wir können das.

Wirtschaftsforum: Was sind heute wichtige Kundensegmente und Märkte für PRETTL und wo sehen Sie für die kommenden Jahre Entwicklungspotenzial?

Carsten Ellermeier: Wir sind stark in den Bereichen Medizintechnik, Automotive, Luftfahrt und Energiespeicher. Zu unseren Kunden zählen namhafte Unternehmen wie Dräger oder Bosch. Wir sind einer der Hauptlieferanten für Dräger Beatmungsgeräte. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr von der Bundesregierung auch den KRITIS Sonderstatus bekommen. Wir machen allerdings keinem unserer Kunden Konkurrenz, deshalb stellen wir uns in die TIER-2-Reihe. Aktuell entfällt unser Hauptgeschäft auf die DACH-Region. Unsere Niederlassung in Ungarn, als Best Cost-Standort, benötigen wir als verlängerte Werkbank. Darüber hinaus haben wir noch einen Standort in den USA. In den kommenden Jahren möchten wir unsere internationale Marktpräsenz stärken, uns unter anderem den asiatischen Markt erschließen. Dazu schließen wir anorganisches Wachstum nicht aus. Selbstverständlich gehen wir auch flexibel mit unseren Kunden in neue Märkte mit.

Wirtschaftsforum: Als Unternehmen, das in der dritten Generation von einer Familie geführt wird, was sind aktuell und in den kommenden Jahren wichtige Themen auf der Unternehmensagenda?

Carsten Ellermeier: Aktuell befinden wir uns im Generationenwechsel von der zweiten zur dritten Generation. Wir nennen das ʻShaping the Changeʼ. Jede Firma braucht einen Change-Prozess, aufgrund der immer stärker werdenden disruptiven Technologien. Für uns gehört vor allem der Weg in die CO2-Neutralität dazu. Entsprechend haben wir unsere Vision überarbeitet. Unser neuer Slogan ʻElectronics for a better lifeʼ steht für Innovation, erneuerbare Energien, E-Mobilität, innovative Medizinprodukte, die Menschen helfen und für den Verzicht auf alles, was schädlich ist. ʻPRETTL Go Zeroʼ ist ein zentrales Thema für die kommenden Jahre. Mit unserer Automotive-Tochter fertigen wir High-Performance Charging Ladestationen. Unsere Home-Speicher können zum Beispiel künftig die Wall-Box für Elektrofahrzeuge in der heimischen Garage speisen. Das sind alles einzelne Beispiele dafür, dass wir den Wandel der Energiewende aktiv und engagiert mitgestalten möchten.

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