Für den Wandel in der Verpackungsindustrie

Interview mit Bettina Voßberg, Geschäftsführerin der Packwell GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Voßberg, was hat Sie an der Arbeit bei Packwell gereizt?

Bettina Voßberg: Die Wellpappenindustrie hat mich sofort fasziniert. Wellpappe ist ein unglaublich spannendes und nachhaltiges Material, das die Kreislaufwirtschaft stärkt, da unsere Produkte zu 100% recyclingfähig sind und überwiegend auch schon aus Recyclingpapieren bestehen. Es hat mich gereizt, neue Prozesse zu implementieren und das Innovationsmanagement weiter auszubauen. Wir haben Lean Management-Prozesse eingeführt und neue Produkte entwickelt, um unser Angebot kontinuierlich zu verbessern.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Geschichte von Packwell geben?

 

Bettina Voßberg: Packwell am Standort Schwepnitz wurde 1994 eröffnet und gehört seit 2007 zum Unternehmen PALM. PALM ist ein Familienunternehmen, das bereits seit 1872 in der Papier- und Verpackungsindustrie aktiv ist. Packwell wächst seit 30 Jahren, von damals 7.000 m2 Produktionsfläche auf mittlerweile 18.000 m2. Wir produzieren auf einer WPA und 13 Verarbeitungsmaschinen bis zu 100 Millionen m2 Wellpappe im Jahr, was ungefähr 13.000 Fußballfeldern entspricht. Wir sind stolz darauf, ein integriertes Werk zu sein, das sowohl die Herstellung als auch die mehrstufige, anspruchsvolle Verarbeitung von Wellpappe übernimmt.

Wirtschaftsforum: Was sind die Stärken von Packwell?

Bettina Voßberg: Unsere Stärke liegt in der Produktion von großen Mengen in hoher Qualität und dem exzellenten Service, den wir bieten. Diese Kombination führt zu langjährigen Kundenbeziehungen. Zudem entwickeln wir unsere Produkte kontinuierlich weiter. Schon vor 20 Jahren haben wir den ersten Kennzeichnungsdruck mit fortlaufenden Nummerncodes angeboten und sind heute Vorreiter bei innovativen Verpackungslösungen wie Falt- und Klebeverpackungen sowie E-Commerce-Verpackungen. Eine weitere Stärke von uns ist unser hohes Engagement in der Ausbildung: 10% unserer Belegschaft sind Auszubildende in acht verschiedenen Berufsfeldern.

Wirtschaftsforum: Welche Verpackungslösungen bietet Packwell an?

Bettina Voßberg: Wir sind spezialisiert auf Regalverpackungen, Point-of-Sale-Verpackungen und Transportverpackungen. Besonders stolz sind wir auf unsere Fähigkeit, sehr feine, bunte Verpackungen herzustellen, die genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind. Derzeit arbeiten wir intensiv an Lösungen, um Kunststoffe zu ersetzen. Etwa 20% der Kunststoffe lassen sich bereits durch Wellpappe ersetzen und wir entwickeln kontinuierlich anspruchsvolle Materialien, die die Funktion von Kunststoffen übernehmen können.

Wirtschaftsforum: Sie haben bereits von der Entwicklung neuer Produkte und dem Kunststoffersatz gesprochen. Welche weiteren strategischen Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren?

Bettina Voßberg: Wir wollen unser Produktportfolio weiter in Richtung Kunststoffersatz ausbauen. Dafür benötigen wir innovative Wege bei der Beschichtung unserer Produkte. Die strategische Produktentwicklung in diesem Bereich wird ein zentraler Fokus sein. Außerdem treiben wir die Digitalisierung in unseren internen Prozessen weiter voran, sei es in der Herstellung oder in der Mitarbeiterausbildung. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, weiterhin als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, insbesondere mit Blick auf unsere hohe Ausbildungsquote und die lange Betriebszugehörigkeit unserer Mitarbeiter, die im Schnitt bei 13 Jahren liegt.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen können wir in nächster Zeit von Packwell erwarten?

Bettina Voßberg: Auf Messen wie der Fachpack präsentieren wir regelmäßig neue, innovative Verpackungslösungen. Dabei liegt unser Fokus darauf, den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte zu reduzieren und zusätzliche Funktionen in die Verpackungen zu integrieren. Wir entwickeln auch spezielle Lösungen, um elektronische Bauteile sicher zu verpacken und unsere Kunden bei der Umstellung von Kunststoffverpackungen auf nachhaltige Alternativen zu unterstützen. Unsere Entwicklungen stehen immer im Zeichen der Nachhaltigkeit und Effizienz.

Wirtschaftsforum: Abschließend: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Verpackungsindustrie, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit?

Bettina Voßberg: Die Verpackungsindustrie wird in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen, vor allem durch die gesetzlichen Anforderungen und den Druck von Verbrauchern und Unternehmen, nachhaltigere Lösungen zu finden. Es wird entscheidend sein, innovative, recyclingfähige Materialien und Verpackungstechnologien zu entwickeln, die den steigenden Anforderungen an Funktionalität und Umweltfreundlichkeit gerecht werden. Bei Packwell arbeiten wir bereits intensiv daran, zukunftsfähige Lösungen zu schaffen und unseren Kunden die Möglichkeit zu bieten, ihre Verpackungen nachhaltig zu gestalten. Ich bin überzeugt, dass die Wellpappe dabei eine zentrale Rolle spielen wird.

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