Zukunftsschmiede der Technologie

Interview mit Andreas Fischer, Geschäftsführer der erfi Ernst Fischer GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Fischer, erfi ist ein Hidden Champion im Bereich technischer Arbeitsplatzsysteme. Was steckt hinter Ihrem Erfolgskonzept?

Andreas Fischer: Wir sind Spezialisten für technische Arbeitsplatzsysteme. Unsere Kernkompetenz liegt in drei Bereichen: Elektroniklaboreinrichtungen, Arbeitsplatzsysteme für Industrie und Ausbildung sowie Testsysteme für elektrische Sicherheit und Funktion. Im Kern bedeutet das, wir entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für Forschung, Entwicklung und Produktion. Unsere Produkte reichen von technischen Laborarbeitsplatzsystemen, Mess- und Prüfgeräten sowie Montagearbeitsplätzen bis hin zu hochkomplexen Testsystemen für elektrische Sicherheit und Funktion.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre typischen Kunden?

Andreas Fischer: Das Spektrum ist breit: Es reicht von Industrieriesen wie BMW, Mercedes, Siemens und Bosch über öffentliche Einrichtungen wie Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten bis hin zur Bundeswehr. Wir liefern komplette Laborsysteme. Das sind Entwicklerplätze inklusive den Mess- und Prüfgeräten mit modernster Softwaresteuerung sowie designprämierte Laborschränke. Besonders stolz sind wir auf Projekte wie die Batterieforschungslabore bei VW oder die Ausbildungszentren der Berliner Verkehrsbetriebe. Jeder Kunde erhält eine maßgeschneiderte Lösung, die genau auf seine spezifischen Anforderungen zugeschnitten ist.

Wirtschaftsforum: Was macht erfi besonders?

Andreas Fischer: Unsere Innovationskraft ist unser Alleinstellungsmerkmal. Unser neues Produkt elneos six ist weltweit das erste Laborgerät, das berührungslos per Sprache und 3D-Gesten steuerbar ist – und das komplett ohne Internetverbindung. Dieses Gerät erfüllt höchste Hygieneanforderungen und wurde mit dem German Design Award ausgezeichnet. Wir entwickeln nicht nur Produkte, sondern Zukunftstechnologien.

Wirtschaftsforum: Wie sind Sie wirtschaftlich durch die letzten Jahre gekommen?

Andreas Fischer: Überraschend robust. 2023 steigerten wir unseren Umsatz um 30%, 2024 nochmals um 20%. Aktuell haben wir einen sehr hohen Auftragsbestand. Allerdings sehen wir Herausforderungen durch die politische Situation, insbesondere die Haushaltsunsicherheiten in Deutschland. Während viele Unternehmen Kurzarbeit einführen mussten, haben wir Vollbeschäftigung. Unsere Strategie ist es jetzt, verstärkt in internationale Märkte zu expandieren, insbesondere in die USA.

Wirtschaftsforum: Welche Zukunftspläne verfolgen Sie?

Andreas Fischer: Wir haben mehrgleisige Strategien. Kurzfristig fokussieren wir uns auf den US-Markt, wo wir bereits erste Vertriebsstrukturen aufbauen. Mittelfristig arbeiten wir an neuen Produktinnovationen. Unser neuer 400-seitiger Katalog ist bereits der umfassendste Möbelkatalog für Labore und technische Arbeitsplätze. Für die nächsten zwei bis drei Jahre haben wir große Innovationen in der Pipeline, über die ich noch nicht im Detail sprechen möchte.

Wirtschaftsforum: Wie steht es bei erfi um Nachhaltigkeit?

Andreas Fischer: Nachhaltigkeit ist für uns mehr als nur ein Schlagwort. Wir heizen unsere Produktionshallen mit Holzspänen aus unserer eigenen Produktion und decken bereits die Hälfte unseres Strombedarfs durch Photovoltaik. Unsere neuen Systeme bestehen weitgehend aus recycelbarem Aluminium. Die Tischplatten können gehäckselt und verwertet werden. Wir denken in Kreisläufen, nicht in linearen Prozessen.

Wirtschaftsforum: Was macht erfi anders als die internationale Konkurrenz?

Andreas Fischer: Unsere Stärke liegt in der Kombination von deutscher Ingenieurskunst, Familientradition und Innovationskraft. Während Wettbewerber aus Ländern wie Indien oder China unsere Produkte kopieren wollen, setzen wir auf Qualität, Individualität und enge Kundenbeziehungen. Wir produzieren nicht massenhaft, sondern maßgeschneidert. Jeder Arbeitsplatz, jedes Laborgerät wird individuell für den Kunden entwickelt. Am 1. Juni feiert erfi sein 70-jähriges Jubiläum. Seit 1955 prägt unser Familienunternehmen in 2. Generation die Branche mit Innovation und Präzision. Für uns ein Jubiläum, das Tradition und Zukunftsorientierung eindrucksvoll vereint.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Auf neuen Wegen mit bewährter Sohle

Interview mit Sebastian Roscher, CPMO der framas Kunststofftechnik GmbH

Auf neuen Wegen mit bewährter Sohle

Eine Branche im Wandel, Märkte im Umbruch und neue Technologien, die Produktionsprozesse verändern: Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Wege zu gehen. Wie es…

Digital auf der Baustelle

Interview mit Erik Maul, Geschäftsführer der Wastebox Deutschland GmbH

Digital auf der Baustelle

Container bestellen, Entsorgungsprozesse dokumentieren, Kosten und Mengen im Blick behalten: Wastebox Deutschland bündelt die Abfalllogistik für Bauunternehmen auf einer digitalen Plattform. Dabei geht es längst um mehr als die reine…

Wenn die Klingel mitdenkt

Interview mit Tim Schotte, Vertriebsleiter der Intratone GmbH

Wenn die Klingel mitdenkt

Eine Klingelanlage, die sich aus der Ferne verwalten lässt, Besucher auf das Smartphone durchstellt und zugleich den Gebäudezutritt organisiert: Mit diesem Konzept will die ­Intratone GmbH klassische Türkommunikation anders denken.…

Spannendes aus der Region Ortenaukreis

Tierisch erfolgreich im E-Commerce

Interview mit Rafael Menke, Geschäftsführer der Lyra Pet GmbH

Tierisch erfolgreich im E-Commerce

Vom Nischenmarkt zum Wachstumssegment: Die Heimtierbranche profitiert davon, dass Haustiere für viele Menschen zum Alltag gehören. Entsprechend steigen die Erwartungen an Transparenz, Qualität und Nachhaltigkeit. Wie sich ein Unternehmen in…

Flexibilität schlägt Standardisierung

Interview mit Thomas Kern, Prokurist der Automatic-Systeme Dreher GmbH

Flexibilität schlägt Standardisierung

Von der Stahlrolle zum Hitzeschutzschild oder Karosserieteilen bis hin zu Fensterbeschlägen: Überall wo Blech gebogen wird, kommen Lösungen der Automatic-Systeme Dreher GmbH zum Einsatz. Das 1968 gegründete Unternehmen hat sich…

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

Das könnte Sie auch interessieren

„Mehr Selbstwirksamkeit täte der Industrie gut!“

Interview mit Martin Kugelmann, Geschäftsführer der Spherea GmbH

„Mehr Selbstwirksamkeit täte der Industrie gut!“

Der Ulmer Standort der aus Frankreich stammenden Spherea Group entwickelt vornehmlich Prüfsysteme für die militärische Luftfahrt und die Bahnindustrie: Branchen, die nicht zuletzt aufgrund der Aussetzung der Schuldenbremse in den…

„Für Aufbruchstimmung zu sorgen, ist gar nicht so schwer!“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Axel Gartmann, Geschäftsführer der Elektro Gartmann GmbH & Co KG

„Für Aufbruchstimmung zu sorgen, ist gar nicht so schwer!“

Das alteingesessene Osnabrücker Elektroinstallationsunternehmen Elektro Gartmann tritt heute mit einem breiten Leistungsspektrum im Markt auf, das sich auch auf Themenfelder wie die Sicherheits- und Kommunikationstechnik sowie erneuerbare Energien und Ladeinfrastruktur…

Allgäuer Elektrohaus: Tradition, Innovation und starke Partnerschaften

Interview mit Markus Ferenz, Geschäftsführer der Allgäuer Elektrohaus GmbH

Allgäuer Elektrohaus: Tradition, Innovation und starke Partnerschaften

Seit 1949 hat sich das Allgäuer Elektrohaus einen starken Namen in seiner Region gemacht. Neben klassischen Elektroinstallationsarbeiten für Privat- und Gewerbekunden sind in den letzten Jahren vor allem die erneuerbaren…

TOP