Hohe Ansprüche in Form bringen

Interview mit Roland Heiler, Geschäftsführer der Porsche Design GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Heiler, in den letzten Jahren sind sehr viele Designs im Studio F. A. Porsche entstanden. Was waren Ihre Highlights?

Roland Heiler: Wir hatten viele spannende Projekte, sowohl für unsere Eigenmarke Porsche Design als auch für eine Vielzahl externer Kunden aus unterschiedlichen Industriebereichen. Ein besonders aufregendes Projekt sind die Custom-Built Timepieces, welche in unserem Uhrenkonfigurator gestaltet werden können. Als erstes Unternehmen weltweit haben wir einen Uhrenkonfigurator lanciert, der sich in der Menüführung und auch optisch an dem bekannten Fahrzeugkonfigurator von Porsche orientiert. Wir ermöglichen unseren Kunden damit, sich eine Uhr 100% individuell nach ihrem Geschmack zu konfigurieren, die dann in unserer eigenen Uhrenmanufaktur im schweizerischen Solothurn gefertigt wird.

Insgesamt gibt es 1,5 Millionen Möglichkeiten für ein individuelles Design, vom Gehäuse über Ziffernblatt und Zeiger bis hin zu den Bändern und dem Stitching. Dieser Konfigurator ist angelehnt an den Porsche Fahrzeugkonfigurator und die Uhren können somit ganz unabhängig von den Fahrzeugen oder aber passend zum eigenen Porsche konfiguriert werden, zum Beispiel mit dem Leder aus dem Fahrzeuginterior. Was außerdem sensationell ist, dass der Aufzugsrotor, in der Form der Felge, ebenfalls in der Wagenfarbe lackiert werden kann. Die Idee war, dass wir zwar die Parameter und die Leitplanke im Design setzen, aber der Kunde eigene Gestaltungsfreiräume erhält, um die Uhr nach seinem Geschmack zu individualisieren. Das ist gerade unter den Porsche-Fans sehr beliebt. Der Vorteil ist, dass man die Uhr im Gegensatz zum Fahrzeug immer tragen und überallhin mitnehmen kann.

Weitere Highlights für Porsche Design waren unter anderem das neue Porsche Design Acer Book RS, ein elegantes Notebook mit Carbon und die Porsche Design Skier, die sich großer Beliebtheit im Markt erfreuen. Im Kundenentwicklungsbereich gehören verschiedene Gamingprodukte sowie die GT6 Segelyacht für die Firma Elan zu den Referenzen.

Wirtschaftsforum: Seit fast 50 Jahren ist das Studio F. A. Porsche als Designstudio erfolgreich. Was macht Ihre Designs so einzigartig?

Roland Heiler: Die Tatsache, dass wir nicht eine dezidierte Formensprache verfolgen, sondern eine besondere, funktionsorientierte und puristische Designhaltung haben. Wir streben danach, die Produkte so zu gestalten, dass sie für eine lange Zeit relevant bleiben. Wir wollen nichts Modisches, Kurzlebiges entwerfen, keine Wegwerfprodukte, sondern Produkte, die lange Zeit wertgeschätzt werden. Die vielleicht über die Zeit sogar noch schöner werden durch ihre Patina, wie zum Beispiel Lederprodukte.

Dieser Gesichtspunkt räumt auch den Uhren, die im Laufe der Zeit zu Klassikern werden, einen besonderen Stellenwert ein. Wir können beobachten, dass Nachhaltigkeit und hohe Qualität in den Vordergrund rücken. Die Menschen beschäftigen sich damit, was mit den Dingen geschieht und das Bewusstsein dafür, dass der Raubbau an den Ressourcen der Erde zu vermeiden ist, wird immer größer. Das merken wir und wir sind glücklich, dass wir diese Haltung bereits seit der Gründung unseres Unternehmens vertreten. Ferdinand Alexander Porsche war damals schon ein Fan von Lebensbegleitern und Porsche war immer schon eine besondere Marke. Die Autos werden wertgeschätzt und sehr lange gefahren. Da ist eine hohe Wertigkeit unerlässlich.

Wirtschaftsforum: Welche Themen beschäftigen Sie in Bezug auf die Zukunft?

Roland Heiler: Wir sind gerade besonders aktiv im Bereich Consumer Electronics und White Goods sowie bei Recreation Vehicles und Booten. Hier arbeiten wir zurzeit an besonders spannenden Projekten. Außerdem beschäftigt uns im Moment in hohem Maße unser Jubiläumsjahr 2022. Wir feiern dann 50 Jahre Porsche Design.

In Zukunft werden wir noch stärker in das Thema Designberatung einsteigen. Da gibt es eine große Nachfrage. Diese Beratung bezieht sich auf den gesamten Auftritt einer Marke aus einer designorientierten Sichtweise heraus. Die Firmenphilosophie muss zur ästhetischen Erscheinung passen und wir wollen hierbei stärker in die Ausprägung des Gesamtbilds einer Marke gehen. Das zweite Feld ist unser Portfolio.

Wir waren viele Jahre klassische Hardwaredesigner. Inzwischen spielen digitale Produkte eine immer größere Rolle. Die Bedienoberfläche der Hardware muss entsprechend gestaltet werden. Dahinter befindet sich ein weit verzweigter Baum von Software und das Ganze geht hin bis zur Gestaltung ganzer Apps. Dieser Herausforderung stellen wir uns zunehmend, immer begleitet von dem Ziel, unsere hohen Ansprüche in Form zu bringen.

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