Spezialist in der Nische

Interview mit Christian Stein, Geschäftsführer der POHL Electronic GmbH

Christian Stein ist Geschäftsführer der 1989 gegründeten POHL Electronic GmbH und kennt das Unternehmen aus dem Effeff. Nach der Lehre durchlief er verschiedene Stationen im Unternehmen, wurde 2011 Vertriebsleiter und 2015 im Rahmen einer Nachfolgeregelung Geschäftsführer.

„Der Gründer und Geschäftsführer Herr Eckhard Pohl schlug mich damals zu seinem Nachfolger vor, knüpfte an die Übernahme jedoch die Bedingung, mir im Rahmen eines Studiums weitergehendes Wissen anzueignen“, erzählt Christian Stein. „Von 2007 bis 2009 besuchte ich die FOM in Berlin und schloss das Studium als Diplom-Kaufmann ab.“

Nachfolge gesichert

Es war die richtige Entscheidung. Christian Stein sah sich nie in einem großen Konzern, sein Herz schlug immer für den Mittelstand: Dort konnte und wollte er etwas bewegen. Auf Skepsis stieß er, wie er sagt, lediglich bei externen Geldgebern, wo Überzeugungsarbeit notwendig war. Heute gilt die Übernahme als Paradebeispiel für eine erfolgreiche Nachfolge.

„Ich bin im Unternehmen groß geworden und hatte Lust auf das Abenteuer Selbstständigkeit“, sagt er. „Da es einfach immer passte, kam nie der Wunsch nach einer Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber auf. Mich fasziniert die Arbeit hier nach wie vor.“

Lösungen mit Mehrwert

POHL Electronic agiert seit der Gründung als Schnittstelle zwischen Hersteller und Endanwender. „Wir sind Distributionspartner, haben das Know-how, Produkte zu erklären sowie logistische Kapazitäten für die Lagerung von Produkten, die schnell geliefert werden können. Wichtig ist, dass wir uns auf ganz spezifische Produkte konzentrieren und an diesem Prinzip festhalten werden. Wir wollen Kunden erklären, was wir verkaufen, sodass sie am Ende wissen, welchen Mehrwert sie bekommen.“

Diese spezifischen Produkte stammen seit 1989 aus den Bereichen Industrieautomation, OEM-Komponenten sowie Kassensysteme. Im Segment Industrieautomation arbeitet POHL für Maschinenbauer und Produktionsbetriebe, die Maschinen und Anlagen da im Einsatz haben, wo Neuerungen gefragt sind.

Mit 70% am Umsatz macht der Bereich OEM-Komponenten den Löwenanteil des Geschäfts aus. POHL liefert Bauteile an Erstausrüster wie große Konzerne unterschiedlichster Branchen mit Ausnahme der Automobilindustrie. Die Sparte Kassensysteme spielt heute eine sekundäre Rolle und wird nicht aktiv beworben; allerdings baut Pohl hier auf viele gewachsene Kundenbeziehungen.

„Klassischerweise ist es so, dass Kunden ein Problem haben, zu uns kommen und wir eine Lösung suchen“, resümiert Christian Stein. „Haben wir keine passenden Produkte im Angebot, sagen wir konsequenterweise nein. Natürlich könnten wir entsprechende Bestellungen aufgeben, würden uns aber nicht auskennen und entsprechend beraten können. Unser Anspruch ist immer, kein Produkt, sondern eine Lösung zu verkaufen.“

Konstanz im Wandel

POHL beschäftigt heute 22 Mitarbeiter, der Umsatz lag zuletzt bei 7,5 Millionen EUR. Der Nischenanbieter konzentriert sich auf die DACH-Region und möchte weiterwachsen. „Wir wollen unsere Produktbereiche ausbauen und den Umsatz auf zehn Millionen EUR steigern“, so Christian Stein. „Vor uns liegt ein Generationenwechsel, mit dem ein Wandel einhergehen wird. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die sich flexibel auf neue Situationen und unterschiedlichste Kunden vom Handwerker bis zum Großkonzern einstellen können – und sich in diesem Spannungsfeld wohlfühlen.“

Alle Fotos: Lars Poeck, ig-fotografie

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