Langlebig. Nachhaltig. Innovativ!

Interview mit Dipl.-Ing., SFI Michael Brandhorst Geschäftsführer der Photon Meissener Technologies GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Brandhorst, die Wurzeln der Photon Meissener Technologies GmbH reichen schon mehr als 100 Jahre zurück. Wie verlief die Entwicklung zum heutigen Systemhersteller?

Michael Brandhorst: Angefangen hat das Unternehmen als Hersteller von Zündkabeln. Nachdem es sich zunächst zu einem Gehäusehersteller weiterentwickelt hatte, ist es seit 2016 zu einem Systemhersteller geworden. Gut 80% unserer Produkte bewegen sich im Bahnbereich, davon 70% Infrastrukturprodukte und zwischen 5 und 10% Produkte für Schienenfahrzeuge. Die restlichen 30% sind allgemeiner Maschinenbau, etwa in der Telekommunikation, sowie Schutzgehäuse und Sonderprojekte im Bereich der Sprechtechnik.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Portfolio im Einzelnen aus, welche Produkte bieten Sie an?

Michael Brandhorst: Grob gesagt sind es solche, die sich in der Schiene sowie rechts und links davon befinden. So bauen wir etwa die kompletten Gehäuse für Kupferkabel und Lichtwellenleiter, also Glasfaserkabel, die für die Signaltechnik an der Schiene verlegt sind. Wir liefern darüber hinaus die gesamte Anschlusstechnik bis hin zu kompletten Verteilergehäusen mit Schwerpunkt auf digitalen Stellwerken: Schon seit Jahren entwickeln wir die Produkte für die Digitale Schiene Deutschland, das große Projekt der Deutschen Bahn. Zu unserem Portfolio gehört auch Sprechtechnik, wie Notrufsäulen für Bahnsteige oder Notsprechstellen in Tunneln. Diese liefern wir ready to use, komplett ausgestattet und von uns komplett selbst entwickelt und gestestet. In Auftragsfertigung bauen wir auch Ladesäulen für Autos und inzwischen auch für E-Bikes. Unser neuestes Projekt für die Bahn ist eine Stromsäule, ʿElektrant2 Smart IDʾ, an der dieselbetriebene Züge über Nacht mit Strom versorgt werden können, ohne dass der Dieselmotor dafür laufen muss. Damit trägt dieses Produkt dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung.

Wirtschaftsforum: Ihre Produkte werden regelmäßig mit Innovationspreisen ausgezeichnet. Nennen Sie uns doch einige Beispiele.

Michael Brandhorst: Der Elektrant Smart ID erhielt 2020 den SET4FUTURE Innovation Award des sächsischen Verbandes Rail S. 2022 wurde uns der Innovationspreis für ein neuartiges aufbruchsicheres Gehäuse für digitale Stellwerke verliehen. Wir nutzen unser Know-how, um Produkte zu entwickeln, von denen wir glauben, dass die Deutsche Bahn oder die ÖBB sie gebrauchen können.

Wirtschaftsforum: Sie nennen die Deutsche Bahn und die ÖBB als ihre Kunden. Sie arbeiten aber nicht nur im Bahnbereich, oder? Wie ist das Unternehmen generell strukturiert?

Michael Brandhorst: Die Herstellung von Produkten für staatliche und private Bahnunternehmen ist unsere Kernkompetenz, aber als Teil der Photon-Gruppe arbeiten wir auch für Kunden aus der Automobilbranche und der Luftfahrt. Hier am Standort Meißen haben wir 90 Mitarbeiter und erzielen einen jährlichen Umsatz von über 13 Millionen EUR. Die gesamte Gruppe beschäftigt 300 Mitarbeiter und setzt jährlich 30 Millionen EUR um.

Wirtschaftsforum: Ihr Know-how als Unternehmen, das mit seinen Produkten in hohem Maß zur Mobilität in Deutschland beiträgt, schlägt sich auch ganz konkret in den entsprechenden Zertifizierungen nieder – welche sind das im Einzelnen?

Michael Brandhorst: Zum einen sind wir selbstverständlich ISO 9001:2015 ʿQualitätsmanagementsystemʾ-zertifiziert, zum anderen seit Anfang 2023 nach DIN EN ISO14001:2015 ʿUmweltmanagementsystemʾ und ferner nach EN 15085-2 CL1 ʿSchweißen von Schienenfahrzeugen und -fahrzeugteilenʾ. Wir sind also ein zertifizierter Betrieb für Schienenfahrzeuge und Schienenfahrzeug-Komponenten. Außerdem sind wir Q1-Lieferant der Deutsche Bahn AG und besitzen damit die höchste Zertifizierung, die für Unternehmen, die die Deutsche Bahn beliefern, erreichbar ist, sowie auch die DB-Zertifizierung für Pulverbeschichtung.

Wirtschaftsforum: Was sind die Stärken von Photon Meissener Technologies, wodurch heben Sie sich vom Wettbewerb ab?

Michael Brandhorst: Wir sind ein kleines, mittelständisches Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen. Wir haben ein hoch motiviertes, gut ausgebildetes Team und ein Gespür für die Entwicklung der richtigen Produkte, also solcher, die über Alleinstellungsmerkmale verfügen, die sie von anderen abheben. Bei uns gibt es nur eine geringe Fluktuation; es herrscht ein durchaus familiäres und angenehmes Arbeitsklima. Und nicht zuletzt sind wir erfolgreich darin, gute Fachkräfte und geeigneten Nachwuchs zu finden. Wir beginnen damit schon an den Schulen, wo wir für die 7. und 8. Klassen einen ʿTag des offenen Unternehmensʾ veranstalten. Ferner habe ich auch selbst ein ausgedehntes regionales Netzwerk, das mir ermöglicht, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Wirtschaftsforum: Was sind für Ihr Unternehmen Zukunftsthemen?

Michael Brandhorst: Unsere Produkte sind sehr langlebig, 30 Jahre und mehr, und damit per se nachhaltig. Nächstes Jahr werden wir auch eine PV-Anlage auf dem Dach installieren. Spannend bleibt auch das Thema KI – vor allem hinsichtlich Sicherheit.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Interview mit Reinhard Decker, Geschäftsführer der Decker Containerbau GmbH & Co.

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Wer mit Reinhard Decker spricht, merkt schnell: Hier redet keiner aus dem Lehrbuch. Decker kommt aus der Praxis – aus Werkstatt, Baustelle und Familienbetrieb. Heute entwickelt sein Unternehmen Containerlösungen für…

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Stille Helfer made in Switzerland

Interview mit Sandro Meier, Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG

Stille Helfer made in Switzerland

Backhefe ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Lebensmittelherstellung und spielt insbesondere im Bäckerhandwerk eine zentrale Rolle. Der kleine Würfel ist ein lebender Zellorganismus, ein stiller Helfer, der Brot locker, aromatisch…

Spannendes aus der Region Landkreis Meißen

„Meine Devise? Nicht meckern, sondern Lösungen finden!“

Interview mit Holger Vogel, Geschäftsführer der SUC Sächsische Umweltschutz-Consulting GmbH

„Meine Devise? Nicht meckern, sondern Lösungen finden!“

Verwertung, Entsorgung, Verantwortung: Mit diesem Dreiklang tritt SUC seit über drei Jahrzehnten als Spezialist für Industrieabfälle im mitteldeutschen Raum auf. Im Interview mit Wirtschaftsforum verriet Geschäftsführer Holger Vogel, warum er…

Integrierte Gebäudetechnik als Erfolgsmodell

Interview mit Thomas Liebisch, Geschäftsführer der TL Concept GmbH

Integrierte Gebäudetechnik als Erfolgsmodell

Wenn Märkte schwanken, zeigt sich, wie tragfähig ein Geschäftsmodell wirklich ist. Die TL Concept GmbH mit Sitz in Klipphausen bei Dresden setzt im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung seit Jahren auf…

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Interview mit Thomas Fischer, Geschäftsführer der MBI Deutschland GmbH

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Wer Thomas Fischer zuhört, spürt schnell: Hier spricht keiner in Marketingfloskeln. Es geht um Technik, um robuste Lösungen – und um Vertrauen. Um Präsenz im richtigen Moment. Und darum, wie…

Das könnte Sie auch interessieren

Recycling, das sich auszahlt

Interview mit Andreas Gietzen, Geschäftsführer der HAHN Kunststoffe GmbH

Recycling, das sich auszahlt

Kreislaufwirtschaft bedeutet, Ressourcen neu zu denken: Was für den einen Abfall ist, kann für den anderen ein wertvoller Rohstoff sein. Lange bevor Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu zentralen Zukunftsthemen wurden, hat…

Trotz Wirtschaftskrise weiter gewachsen

Interview mit Axel Heitmann, Geschäftsführer der Kueche 24 GmbH & Co. KG

Trotz Wirtschaftskrise weiter gewachsen

Obwohl sich der Inneneinrichtungsmarkt angesichts der allgemeinen Kaufzurückhaltung im Privatkundensegment in den letzten Jahren stark rückläufig entwickelt hat, konnte Kueche 24 weiter wachsen: getrieben durch ein nachhaltiges Stammkundengeschäft, einen starken…

Bitte einmal Gesundheit zum Mitnehmen

Interview mit Lars Horstmann, Vorstandsvorsitzender easyApotheke (Holding) AG

Bitte einmal Gesundheit zum Mitnehmen

Gesundheit trifft Einkaufserlebnis – und plötzlich sieht die Apotheke von heute ganz schön anders aus. Die easyApotheke AG verbindet fachkundige Beratung mit dem ­offenen, modernen Konzept eines Drogeriemarkts und stellt…

TOP