Mensch und Produkt in tragender Rolle

Interview mit Karl-Heinz Wiesmayer, Geschäftsführer und Mitgesellschafter und Tobias Wiesmayer, Geschäftsführer der Percom GmbH

Bei der Unternehmensgründung 2011 waren bereits alle Weichen auf Wachstum gestellt. „Wir hatten große Auftragsvolumen von VW. Das Unternehmen hat sich auch sehr erfolgreich entwickelt – bis zum Dieselgate 2015“, erzählt Geschäftsführer, Gründer und Mitgesellschafter Karl-Heinz Wiesmayer.

Bis 2019 konnte das Geschäft auch unter Einsatz seines Privatvermögens, aufrechterhalten werden. Im Februar 2020 ging das Unternehmen jedoch in die Insolvenz in Eigenverwaltung. „Zuvor hatte ich die GmbH in eine e.K. umfirmiert, um durch meine persönliche Haftung gegenüber Kunden und Lieferanten ein Zeichen für meine Verantwortung zu setzen“, berichtet der Geschäftsführer. Inzwischen hat sich Percom erfolgreich aus der Insolvenz herausgearbeitet, „auch weil alle großen Marken zu uns gestanden haben“, betont er. Der von SPIES Restrukturierung verfasste Insolvenzplan, um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, wurde einstimmig von den Gläubigern angenommen.

Die Auftragsbücher sind so voll wie nie zuvor. Sein Versprechen an die Mitarbeiter, in der Insolvenz niemanden zu entlassen, konnte er einhalten. Inzwischen haben sie sogar Lohnerhöhungen bekommen. 42 Mitarbeiter sind aktuell im Unternehmen beschäftigt. Percom ist, nun wieder als GmbH, um das Unternehmen für Investoren interessant zu machen, zukünftig zu 30% im Familienbesitz. Der Fortbestand der Firma, nun unter den neuen Namen Percom Automotive GmbH, ist gesichert. Dafür wird unter anderem auch der Sohn Tobias sorgen, der seit Juni 2020 zuständig für Projektleitung und Entwicklung ist und in der neuen Firmierung Mitgeschäftsführer- und Gesellschafter ist.

Träger im Härtetest

Percom ist spezialisiert auf Dachträger für die Automobilindustrie. Allein 33 Dachträgersysteme hat Percom bereits entwickelt, vom Konzept bis zur Serienreife. „Unser gesamtes Knowhow liegt, anders als bei unseren Wettbewerbern, in Deutschland. Den Preisdruck können wir aber nur bestehen, indem wir uns im Ausland, in Istanbul, zumindest bei den Stahlumfängen helfen lassen“, erklärt Karl-Heinz Wiesmayer.

Alle Träger werden autobezogen entwickelt und gebaut und nach den Vorgaben der Automobilhersteller und des Kraftfahrt Bundesamt getestet, erklärt er: „Wir fahren mit jedem Träger mit 33 Km/h an die Mauer. Unsere langjährige Erfahrung auf diesem Niveau ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Alle Formen und Werkzeuge werden im Haus gebaut.

Percom beliefert zu 95% OEMs des Volkswagenkonzerns. Im Zuge der Insolvenz habe man aber beschlossen, sich breiter aufzustellen, berichtet Tobias Wiesmayer: „Wir werden auch in den Fahrradbereich einsteigen, mit Heckträgern für die Kupplung und einem Dachfahrradträger, der mit unseren Dachträgern kompatibel ist. Ein universaler Dachträger steht bereits kurz vor der Markteinführung. Es bewegt sich einiges, auch im Bereich Aftermarket.“

Gemeinsam den Aufschwung meistern

Der Jahresumsatz von Percom wird sich laut Karl-Heinz Wiesmayer von aktuell 5,6 Millionen EUR im nächsten Jahr deutlich auf sieben Millionen EUR steigern. Als „graue Eminenz“ möchte der Konstrukteur seine Erfahrungen im Werkzeugbau und Kunststofftechnik nun an die nächste Generation weitergeben und ansonsten „ein Stück weit loslassen und die Jungen gestalten lassen“. Auch der jüngste Sohn ist als Modellbauer bereits im Unternehmen tätig. „Mein großer Wunsch ist, dass wir, unsere Familie und die Mitarbeiter mit den Investoren, diese Firma wieder dahin bringen, wo sie einmal war.“

Für Tobias Wiesmayer war, als die Firma in die Insolvenz in Eigenverwaltung ging, klar, dass er alles daran setzen wird zu helfen. „Er ist ins kalte Wasser geworfen worden und hat eine wichtige Rolle bei der Restrukturierung gespielt“, betont sein Vater. Was die Entwicklung neuer Produkte angeht, legt Tobias Wiesmayer, der eine Ausbildung als Technischer Produktdesigner absolviert hat und gerade sein Studium Maschinenbau nebenbei durchführt, besonderen Wert auf die Ästhetik. Sein Ziel: „Ich möchte das Unternehmen modern aufstellen. Ich bin ein Harmoniemensch – Wenn es Probleme gibt, sollte man darüber reden. Mein Wunsch ist, dass wir angesichts der schwierigen Marktlage alle noch näher zusammenrücken und gemeinsam anpacken, um wieder einen Aufschwung herbeizuführen.“

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