Parken war gestern. Mobilität ist morgen

Interview mit Anja Müller, Geschäftsführerin der PBW – Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Müller, das Parkhaus von früher ist passé. Heute versteht es sich eher als fester Bestandteil der vernetzten und nachhaltigen Mobilität. Wie ist Ihre Entwicklung als Unternehmen in diesem Bereich?

Anja Müller: Genau, das ist die aktuelle Entwicklung, Mobilität verändert sich, und mit ihr die Rolle des Parkens. Was früher vor allem das Bereitstellen von Stellplätzen bedeutete, ist heute Bestandteil kluger Mobilitätskonzepte. Auch wir als PBW haben eine schrittweise Entwicklung erlebt und haben uns immer stärker für Konzepte wie Elektromobilität, Fahrradinfrastruktur und Car­sharing, um einige zu nennen, geöffnet. Wir sind heute am Markt aktiv als ein Unternehmen, das sich vorrangig mit Mobilität beschäftigt. Klar, es geht ums Parken, aber wir schauen auch, welchen Beitrag der ruhende Verkehr zum Thema Nachhaltigkeit, CO2-Minimierung, Ladeinfrastruktur leistet. Zwar ist der Gesellschafter immer noch das Land, aber wir als marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen bewirtschaften quasi eigene Immobilien, arbeiten auch für Dritte und haben Pachtverträge und Dienstleistungsverträge. 

Wirtschaftsforum: Wie stellt sich PBW in Zahlen dar?

Anja Müller: Wir beschäftigen inzwischen 130 Mitarbeiter, die sich um 280 Parkhäuser in über 50 Städten kümmern, und zwar ausschließlich in Baden-Württemberg. Unser Umsatz liegt bei rund 30 Millionen EUR. Hervorheben möchte ich noch, dass wir die einzige Landesgesellschaft dieser Art in Deutschland sind. Kein anderes Bundesland hat eine eigene Gesellschaft für Parkraumbewirtschaftung.

Wirtschaftsforum: Sie sind also nicht nur Betreiber, Ihnen gehören auch die Immobilien?

Anja Müller: Ja, 90% der Parkhäuser gehören dem Land und wir sind sozusagen der Asset Manager des Landes.

Wirtschaftsforum: Parken ist ein spannendes Thema, gerade in Städten. Mobilität wird immer wichtiger. Und auch die Art, wie wir Mobilität nutzen, verändert sich, man denke nur an das Fahrrad oder das Lastenrad.

Anja Müller: Stimmt, auch das Fahrrad müssen wir heute mitdenken. Deshalb bauen wir Fahrradabstellplätze in Parkobjekten aus. Die Ansprüche der Kunden an ein Parkhaus sind gestiegen. Für viele ist noch immer die Lage am allerwichtigsten. Hinzu kommt, dass viele Städte das Parken an der Straße immer schwieriger und teurer machen und da weichen viele Autofahrer auf das Parkhaus aus. Das ist auch der Grund, warum wir zum Beispiel die EasyPark-App anbieten, die viele vom Parkscheinautomaten an der Straße kennen. Zusätzlich geht es um eine gut funktionierende Ladeinfrastruktur. Da sehen wir schon, dass Parken und Laden immer weiter zusammenwachsen. Wir investieren zudem in unsere Parkobjekte, in Beschilderungen und Parkleitsysteme. Insbesondere bei Frauen und Familien spielen Sicherheit und Sauberkeit eine große Rolle. Dazu zählen eine gute Beleuchtung, eine übersichtliche Beschilderung und eine Videoüberwachung. 
 

Wirtschaftsforum: Sie müssen also auch fortlaufend in neue In­frastruktur investieren?

Anja Müller: Da wir ja als Eigentümervertreter agieren, können wir ein Stück weit mehr in kundenorientierte Systeme wie Parkleitsysteme, Ladeinfrastruktur und Beleuchtung investieren. Wir betreiben auch über Kooperationen außerhalb unserer Parkhäuser Ladepunkte, etwa bei Ministerien und Justizvollzugsanstalten oder auf Uni-Gelände.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung ist auch für Sie zu einem wichtigen Thema geworden?

Anja Müller: Als Dienstleister sind wir digitalgetrieben. Früher fuhr man ins Parkhaus, zog ein Ticket, bezahlte bei der Rückkehr am Automaten und fuhr wieder raus. Heute sagt der Kunde: Ich möchte vorbuchen, ich möchte einen bestimmten Stellplatz reservieren, ich möchte ein Kundenkonto einrichten und mich selber auf meinem Dauerparkplatz verwalten. Morgen kommt er mit seinem eigenen Auto, übermorgen mit dem Geschäftswagen. Und digital bezahlen muss natürlich auch möglich sein. Das alles müssen wir als Parkdienstleister digital abbilden. Zusätzliche Services werden dabei immer wichtiger. Wenn der Kunde bucht, kann er seinen VIP-Parkplatz buchen oder seinen Ladeplatz. Dahin geht es in der Zukunft. 

Wirtschaftsforum: Apropos Zukunft. Was sind Ihre Visionen?

Anja Müller: Wir haben natürlich einen Auftrag der Landesregierung und sorgen für eine entgeltliche Parkraumbewirtschaftung auf Landesflächen. Das ist unser Kerngeschäft, unsere DNA. Wir übenehmen also den Ausbau der entgeltlichen Bewirtschaftung. Das hört sich immer so einfach an. Bei der Umwandlung einer großen Fläche auf der grünen Wiese versuchen wir herauszufinden: Was ist jetzt das Konzept, wie soll die Parkanordnung, wie sollen die Stellplätze angeordnet sein, was ist die richtige Tarifstruktur, was ist jetzt das richtige Bewirtschaftungskonzept? Wenn das Land beschließt, an großen Universitäten Parkplätze oder Parkhäuser zu bauen, wie jetzt im Cyber Valley, dann sind wir diejenigen, die dazu beraten, wie das Parkhaus aussehen könnte. Das stärkt auch unsere Innovation für unser eigentliches Kerngeschäft.

Wirtschaftsforum: Es geht also stärker um ein Gesamtkonzept? 

Anja Müller: Wir sind am Ende eben nicht mehr Parkraumbewirtschafter, wir sind Mobilitätsdienstleister, denn Parken ist Mobilität, wenn auch in dem Sinne, dass es ruhender Verkehr ist. Denn 90% der Zeit steht das Auto. Wenn wir also über Vision sprechen, dann sind wir einerseits Dienstleister für Parken, haben genau dadurch aber einen wichtigen Anteil an Mobilität und verstehen uns deshalb als Mobilitätsdienstleister. Wir wollen in diesem Bereich als ganz normaler Marktteilnehmer wahrgenommen werden, auch, wenn unsere Gesellschafterstruktur eine andere ist. Ich glaube, wir können noch viel erreichen und dazu beitragen, dass Mobilität neu gedacht wird. 

Wirtschaftsforum: Wie sieht Parken in der Zukunft aus? 

Anja Müller: Ich möchte noch einmal das Beispiel Campus aufgreifen. Dort geht es nicht nur um Stellplätze, sondern auch darum, wie hoch der Anteil an Carsharing ist, wie hoch der Anteil an Paketstationen, wie hoch der Anteil an Fahrrädern und Rollern und so weiter. So sehen heute Mobilitätskonzepte aus. Wenn Sie eine hohe Mitarbeiterquote haben, dann sind Packstationen in den Bereichen von Hochschulen und Kliniken sehr beliebt. So fügt sich auch das Thema Parken nahtlos in den modernen Alltag ein.

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