Der Dienstleister, dem die Netzbetreiber vertrauen

Interview mit Ralf Gimbel, Geschäftsführer der GIMBEL CONSULTING GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gimbel, letztes Jahr durfte Ihr Unternehmen bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern – angefangen haben Sie damals als freiberuflicher Funkplaner im Mobilfunkbereich.

Ralf Gimbel: Zu dieser Zeit wurde ich häufig mit Verhandlungen mit englischen Agenturen beauftragt. Irgendwann beschloss ich, die Kontakte aus meinem Netzwerk nicht länger unentgeltlich weiterzugeben. Stück für Stück entstand daraus GIMBEL ­CONSULTING, zunächst als Ein-Mann-Unternehmen. Mein großes Glück bestand darin, dass der Markt, den ich ursprünglich bedienen wollte, kurz nach der Gründung meines Unternehmens zusammenbrach. 

Wirtschaftsforum: Was war passiert – und warum war das eher eine glückliche Fügung? 

Ralf Gimbel: Damals waren in Deutschland die 3G-Lizenzen für sage und schreibe 100 Milliarden EUR an sechs Anbieter versteigert worden.

Es gab einen enormen Hype um die künftigen Möglichkeiten der Technologie, aber noch keinerlei Equipment. Dabei wurde viel zu viel Geld ausgegeben. Mit GIMBEL CONSULTING waren wir zunächst als Recruitingunternehmen gestartet und hatten erstes Personal an Mobilcom vermittelt, kurz bevor das Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Damals lagen viele Fallstricke vor uns, und wir waren noch sehr unerfahren. Der Rückschlag brachte mich jedoch dazu, in den folgenden Jahren stets vorsichtig zu agieren. So war ich immer da­rauf bedacht, die Overheadkosten so niedrig wie möglich zu halten. Effizienz ging und geht bei uns über alles. Als sich der Markt ab 2004 spürbar erholte, konnte sich auch unser Unternehmen schnell etablieren. Dabei gingen wir sehr umsichtig vor, denn wir hatten gelernt, dass morgen ein Gewitter aufziehen kann, auch wenn heute die Sonne scheint. 

Wirtschaftsforum: Das Leistungsspektrum von GIMBEL CONSULTING hat sich inzwischen systematisch gewandelt. 

Ralf Gimbel: Durch unser starkes Netzwerk und die Zusammenarbeit mit anspruchsvollen Großkunden wie Telefónica, E-Plus, Nokia, Huawei und vielen weiteren Unternehmen erkannten wir früh, dass zunehmend Anbieter gesucht wurden, die nicht nur als Recruitingunternehmen auftraten, sondern auch die vollständige Projektorganisation übernehmen konnten. Deshalb haben wir uns gezielt in diese Richtung weiterentwickelt und früh über entsprechende Ausschreibungen etabliert. Daraus sind langjährige und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen entstanden, und das in einem Marktumfeld, das durchgehend von einer starken Konsolidierung geprägt war. 

Wirtschaftsforum: Wo liegt heute der Schwerpunkt Ihrer Unternehmenstätigkeit? 

Ralf Gimbel: Als Engineering Services Provider für resiliente Kommunikations- und Dateninfrastrukturen konzentrieren wir uns seit einigen Jahren vor allem auf die Qualitätssicherung. So sind wir beispielsweise der einzige bundesweit tätige Partner von Telefónica, der im Auftrag des Konzerns Abnahmen für Arbeiten durchführen darf, die von dessen Generalunternehmern erbracht wurden. Darüber hinaus sind wir für nahezu alle bedeutenden Akteure unseres Marktsegments als zuverlässiger Projektmanager tätig und übernehmen vielfältige Aufgaben, unter anderem in der Bauüberwachung.

Wirtschaftsforum: Welche Erfolgsfaktoren unterscheiden ­GIMBEL CONSULTING von anderen Marktteilnehmern? 

Ralf Gimbel: Ich glaube, wir sind flexibel genug, um uns schnell an die individuellen Anforderungen unserer Kunden und veränderte Marktbedingungen anzupassen. Nur in den seltensten Fällen können wir unsere Dienstleistungen unter den unterschiedlichen Rahmenbedingungen zweier Projekte identisch erbringen. Gleichzeitig erlauben uns unsere flexiblen Unternehmensstrukturen, auch Projekte zu übernehmen, die andere Marktteilnehmer möglicherweise als zu unrentabel ablehnen würden. 

Wirtschaftsforum: Können Sie dafür ein Beispiel nennen? 

Ralf Gimbel: Im vergangenen Jahr durften wir gemeinsam mit der Universität Koblenz und der Deutschen Telekom einen intelligenten Weinberg mit 5G-Infrastruktur ausstatten. Dadurch können die dort eingesetzten Roboter heute über ein leistungsfähiges Netz gesteuert werden. Größere Unternehmen mit stärker ausdifferenzierten Managementstrukturen müssten für ein solches Projekt wahrscheinlich zahlreiche Abstimmungsrunden durchlaufen. Wir hingegen können eine solche Nischenlösung sehr schnell und effizient umsetzen. Möglich wird das durch unsere schlanken Strukturen, unsere jahrzehntelange Erfahrung und unser starkes Netzwerk in der Branche. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil in die Zukunft? 

Ralf Gimbel: Bei der Digitalisierung hat Deutschland sicherlich noch viel nachzuholen. Durch die stärkere Verbreitung digitaler Werkzeuge während der Pandemie haben sich allerdings bereits einige Effizienzgewinne ergeben. So stoßen Remote-Dienstleistungen bei unseren Kunden heute auf deutlich mehr Akzeptanz als noch vor 2020. Dennoch besteht weiterer Aufholbedarf, ebenso bei der Cybersicherheit und beim Netzausbau, auch mit Blick auf 6G und die Verlegung von Glasfaserleitungen. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass Rechenzentren und die von ihnen benötigte Energie- und Telekommunikations­infrastruktur in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden. Auch hier können wir unsere Erfahrung und unser Know-how einbringen. 

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Digitalisierung

Effizienz mit klaren Strukturen

Interview mit Tilla Schröder, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der profiforms gmbh

Effizienz mit klaren Strukturen

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck und müssen ihre Prozesse schneller, effizienter und zugleich rechtssicher gestalten. Die profiforms gmbh aus Leonberg entwickelt Lösungen für das Customer Communication Management. Sie verbindet Input-…

Der Full Service-Partner für Leiterplatten

Interview mit Florian Walchhofer, CEO der wtronic – electronic production gmbh

Der Full Service-Partner für Leiterplatten

Als familiengeführtes mittelständisches Unternehmen unterstützt wtronic Kunden aus verschiedensten Branchen vom Handel mit Leiterplattenkomponenten bis hin zur Komplettmontage: Durch dieses umfangreiche Leistungsspektrum und seine breiten Marktaktivitäten kann das Unternehmen auch…

„Wir sollten wieder zu Denkern, Lenkern und Machern werden“

Interview mit Christopher Richter, Geschäftsführer der BERICON GmbH

„Wir sollten wieder zu Denkern, Lenkern und Machern werden“

Seit 15 Jahren unterstützt Christopher Richter mit der BERICON GmbH Unternehmen aus verschiedensten Branchen auf dem Weg zum idealen Kundendialog der Zukunft: mit internationalen Rufnummern-/Routinglösungen und inzwischen mehr und mehr…

Spannendes aus der Region Landkreis Osterholz

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Interview mit Henning Vogler, Geschäftsführer der Armbruster Engineering GmbH & Co. KG

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Vom ersten Handgriff bis zur finalen Dokumentation: Die Armbruster Engineering GmbH & Co. KG aus Bremen digitalisiert industrielle Prozesse ganzheitlich. Anders als viele Wettbewerber liefert das Unternehmen nicht nur…

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Interview mit Jean Huby, CEO der Ocean Breeze Energy GmbH & Co. KG

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Der Betrieb des ersten kommerziellen Offshore-Windparks Deutschlands erforderte weit mehr als nur technisches Know-how: Gefragt waren und sind Einfallsreichtum, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, traditionelle Rollen in der Branche neu zu…

Bereit für atemberaubende Reisen

Interview mit Sandra Tüter, Geschäftsführeri der SOMA Caravaning Center Bremen GmbH

Bereit für atemberaubende Reisen

Das SOMA Caravaning Center Bremen hat sich in den letzten Jahren vom reinen Händler von Campern und Reisemobilen zum ganzheitlichen Partner seiner Kunden weiterentwickelt und bietet in diesem Zuge inzwischen…

Das könnte Sie auch interessieren

Kommunale Stärke im Glasfaserausbau – ein Modell für die Zukunft

Interview mit Simone Roth, Geschäftsführerin der Breitband Main-Kinzig GmbH und Jannik Marquart, Aufsichtsratsvorsitzender der Breitband Main-Kinzig GmbH

Kommunale Stärke im Glasfaserausbau – ein Modell für die Zukunft

Der Main-Kinzig-Kreis zählt heute zu den bestversorgten Regionen Deutschlands – dank eines kommunalen Glasfaserprojekts, das früh begonnen hat und bis heute konsequent weitergeführt wird. Die Breitband Main-Kinzig GmbH investiert seit…

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Interview mit Rolf Hoffmann, geschäftsführender Gesellschafter der Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Die Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH auf der Insel Rügen ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Entwicklung von Kommunikationsinfrastruktur in Deutschland. Mit einem klaren Fokus auf technologische Innovation und…

„Wir sollten wieder zu Denkern, Lenkern und Machern werden“

Interview mit Christopher Richter, Geschäftsführer der BERICON GmbH

„Wir sollten wieder zu Denkern, Lenkern und Machern werden“

Seit 15 Jahren unterstützt Christopher Richter mit der BERICON GmbH Unternehmen aus verschiedensten Branchen auf dem Weg zum idealen Kundendialog der Zukunft: mit internationalen Rufnummern-/Routinglösungen und inzwischen mehr und mehr…

TOP