Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Interview mit Micaela Pallini, Geschäftsführerin der Pallini S.p.A.

Wirtschaftsforum: Frau Pallini, Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie hat sich Pallini entwickelt?

Micaela Pallini: Ich repräsentiere die 5. Generation unserer Familie. Gegründet wurde das Unternehmen 1875 in Antrodoco, bevor wir 1922 nach Rom umgezogen sind, wo wir bis heute ansässig sind. Ursprünglich lag unser Fokus auf Anisprodukten wie Mistrà. Später haben wir mit Sambuca internationale Erfolge erzielt, insbesondere in den USA. Vor über 20 Jahren haben wir uns dann neu ausgerichtet und uns vollständig auf Limoncello konzentriert.

Wirtschaftsforum: Heute sind Sie international aktiv. Wie ist Ihr Unternehmen aktuell aufgestellt?

Micaela Pallini: Wir beschäftigen rund 45 Mitarbeiter und erzielen einen Jahresumsatz von etwa 26 Millionen EUR. Etwa 80% unseres Geschäfts entfallen auf den Export. Besonders wichtig sind für uns Märkte wie die USA, Deutschland, Großbritannien und der Duty-free-Bereich an Flughäfen und auf Kreuzfahrtschiffen. Insgesamt sind wir heute weltweit präsent.

Wirtschaftsforum: Was macht ­Ihren Limoncello so besonders?

Micaela Pallini: Der Schlüssel liegt im Rohstoff. Wir verwenden ausschließlich Zitronen von der Amalfiküste mit geschützter geografischer Angabe. Die Zitronen werden von Hand geerntet, sind unbehandelt und benötigen rund neun Monate zur Reifung. Gleichzeitig haben wir intensiv an der Rezeptur gearbeitet. Limoncello wirkt einfach, aber die Balance aus Aroma, Süße und Alkohol ist sehr anspruchsvoll. Genau hier unterscheiden wir uns klar von vielen Wettbewerbern.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich im Wettbewerb?

Micaela Pallini: Wir waren einer der ersten Anbieter, die das Produkt international konsequent aufgebaut und unterstützt haben. Qualität, konsistentes Branding und eine klare Kommunikation sind entscheidend. In Blindverkostungen wird unser Produkt sehr häufig bevorzugt. Gleichzeitig sehen wir natürlich auch Preisdruck, gerade im Handel, wo große Konzerne mit aggressiven Rabatten arbeiten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Innovationen in Ihrem Portfolio?

Micaela Pallini: Eine sehr große. Neben dem klassischen Limoncello haben wir unser Sortiment stark erweitert. Dazu gehören eine vegane Limoncello-Creme, ein Ready-to-drink-Spritz sowie mit Limonzero auch eine alkoholfreie Variante. Letztere ist während der Pandemie entstanden und hat sich als großer Erfolg erwiesen. Auch Produkte mit reduziertem Alkoholgehalt gewinnen an Bedeutung.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Konsumverhalten verändert?

Micaela Pallini: Der Konsum ist bewusster geworden. Die Menschen trinken nicht unbedingt weniger, aber anders. Es geht stärker um den Moment und die Qualität. Gleichzeitig wächst das Interesse an alkoholfreien Alternativen und sogenannten Mocktails. Darauf reagieren wir gezielt mit neuen Produkten.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Marketing und Vertrieb für Ihren Erfolg?

Micaela Pallini: Wir setzen auf eine Kombination aus internationalen Fachmessen und digitalen Kanälen. Veranstaltungen wie die ProWein in Düsseldorf oder der Bar Convent Berlin sind für uns sehr wichtig. Gleichzeitig arbeiten wir mit globalen Social Media-Strategien, die lokal angepasst werden können. So schaffen wir eine einheitliche Markenwelt und bleiben dennoch flexibel in den einzelnen Märkten.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen haben Sie in den letzten Jahren erlebt?

Micaela Pallini: Die Pandemie war natürlich eine große Herausforderung, weil der Duty-free- und Gastronomiebereich zeitweise komplett weggebrochen ist. Gleichzeitig hat uns diese Phase auch zur Innovation gezwungen. Heute sehen wir neue Herausforderungen, etwa steigende regulatorische Anforderungen oder bürokratische Hürden im europäischen Binnenmarkt.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Wie gehen Sie damit um?

Micaela Pallini: Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Prozesse nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehören der Einsatz von Photovoltaik, die Reduktion von Plastikverpackungen sowie ein konsequentes Recyclingkonzept. Auch der Einsatz von unbehandelten Zitronen ist ein wichtiger Beitrag. Schritt für Schritt versuchen wir, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Micaela Pallini: Wir wollen weiter international wachsen und neue Märkte erschließen, beispielsweise in Asien und Lateinamerika. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf den Ausbau alkoholfreier und funktionaler Produkte. Für uns als mittelständisches Unternehmen ist es wichtig, gezielt Prioritäten zu setzen und nicht überall gleichzeitig aktiv zu sein.

Mehr zum Thema

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Interview mit Jean Huby, CEO der Ocean Breeze Energy GmbH & Co. KG

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Der Betrieb des ersten kommerziellen Offshore-Windparks Deutschlands erforderte weit mehr als nur technisches Know-how: Gefragt waren und sind Einfallsreichtum, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, traditionelle Rollen in der Branche neu zu…

Die Stärke der Nische

Interview mit Christoph Dorscheid, Geschäftsführer der cds Polymere GmbH & Co. KG

Die Stärke der Nische

Wer auf einem Flughafen landet, denkt nicht an Kunstharz. Wer eine Tiefgarage betritt, denkt nicht an Reaktionsharzmörtel. Und wer einen frisch beschichteten Industrieboden betritt, fragt selten, wer das Material geliefert…

„Stromzähler sind die Sensoren  des Energieversorgers!“

Interview mit Oliver Göbel, Geschäftsführer und Dr. Gerhard Eisenbeiss, CTO der MetCom Solutions GmbH

„Stromzähler sind die Sensoren des Energieversorgers!“

Die Stromzähler von MetCom Solutions kommen nur in Nischenanwendungen – bei Kunden aus Industrie und Gewerbe sowie in Grid-Anwendungen – zum Einsatz; gleichzeitig fließen über sie aber deutlich höhere Ströme…

Spannendes aus der Region Roma

Aus Liebe zum Schönen

Interview mit Carlo Bartorelli, Präsident und Geschäftsführer der BARTORELLI 1882 S.p.A.

Aus Liebe zum Schönen

Wahre Schönheit ist unvergänglich. Deshalb wird manches schöne Stück buchstäblich ‘Familienangelegenheit’, wenn es die Generationen überdauert – etwa Juwelen und wertvolle Uhren. Auch bei der BARTORELLI 1882 S.p.A. denkt man…

Im Steigflug

Interview mit Giuseppe D’Alò, Geschäftsführer der LEAT SpA

Im Steigflug

Der Avioniksektor gehört zu den am härtesten umkämpften Branchen. Immer kürzere Lieferzeiten und steigender Preisdruck machen es Luftfahrtelektronikunternehmen schwer, erfolgreich zu agieren. Die italienische Firma LEAT SpA aber macht genau…

Diagnostik für die Zukunft

Interview mit Marco Spadaccioli, General Manager und Roberto Steinhaus CFO der Adaltis Srl

Diagnostik für die Zukunft

Die COVID-19-Pandemie ist das beherrschende Thema des Jahres 2020. Kaum ein Unternehmen, auch nicht im medizinisch-pharmazeutischen Bereich, war auf eine solche Krise vorbereitet. Die Adaltis Srl aus Italien hat bereits…

Das könnte Sie auch interessieren

Spirituosen im Wandel

Interview mit Carola Scivetti, Trade Marketing Manager der Fratelli Francoli S.p.A.

Spirituosen im Wandel

Traditionelle Brennkunst, internationale Märkte und ein wachsender Fokus auf Nachhaltigkeit: Die italienische Destillerie Fratelli Francoli gehört zu den etablierten Familienunternehmen der Branche. Seit über einem Jahrhundert prägt sie die Produktion…

Vom Werkslager zum 5-Sterne-Resort

Interview mit Alessandro Sgaravatti, General Manager Camping Union Lido

Vom Werkslager zum 5-Sterne-Resort

Wer auf der Halbinsel Cavallino zwischen Lagune und Adriaküste Urlaub macht, bewegt sich auf historischem Boden. Das Union Lido, eines der bekanntesten Campingresorts Europas, feiert in diesem Jahr sein 71-jähriges…

Geschmack trifft Emotion

Interview mit Lukas M. Walchhofer, geschäftsführender Gesellschafter von STAY SPICED !

Geschmack trifft Emotion

Was macht aus einem Gewürz ein Lifestyle-Produkt? Die SPICEWORLD GmbH vereint in ihrer Marke STAY SPICED ! hochwertige Rohstoffe, nachhaltige Produktion und eine emotionale Markenwelt. So entwickelte sich das Unternehmen…

TOP