„Stromzähler sind die Sensoren des Energieversorgers!“
Interview mit Oliver Göbel, Geschäftsführer und Dr. Gerhard Eisenbeiss, CTO der MetCom Solutions GmbH

Wirtschaftsforum: MetCom Solutions hat sich als Hersteller von intelligenten Messsystemen in seiner besonderen Nische einen Platz unter den Top-Anbietern der Welt erarbeitet – welche Produkte bieten Sie dabei genau an?
Oliver Göbel: Unsere Messsysteme kommen grundsätzlich in Industrie-, Gewerbe- und Grid-Anwendungen zum Einsatz: Darunter fallen vielleicht nur etwa 5% der weltweit installierten Gerätebasis, doch über sie werden schätzungsweise 70 bis 80% der verbrauchten Energie erfasst. Wir bedienen damit nicht den klassischen Haushaltsmarkt mit Stückzahlen im Millionenbereich, sondern fertigen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Spezialzähler, mit denen dann aber wiederum deutlich größere Energieflüsse gemessen werden.
Wirtschaftsforum: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Ihre Produkte?
Dr. Gerhard Eisenbeiss: Primär wird von unseren iRLMsys-Lösungen eine viel höhere Messgenauigkeit gefordert als im klassischen iMSys-Bereich der typischen Haushaltszähler – technisch ausgedrückt bis zur Genauigkeitsklasse 0,2 anstelle der Klassen A oder B. Darüber hinaus müssen unsere Geräte über eine Lastgangaufzeichnung verfügen, in der jede Viertelstunde die entsprechenden Verrechnungswerte abgelegt werden. Neben den klassischen Abrechnungsdaten werden hierbei ferner auch sogenannte netzdienliche Daten erfasst, etwa Power-Quality-Werte als Kennzahlen für die Auslastung des Netzes, aus denen die Messstellenbetreiber oder Energieversorger dann konkrete Steuerungsvorgänge ableiten können. Hierzu verfügen unsere Zähler natürlich auch über entsprechende Schnittstellen.
Wirtschaftsforum: Mit welchen technologischen Innovationen beschäftigt sich MetCom Solutions derzeit?
Oliver Göbel: In Zukunft, mit der zunehmenden Dezentralisierung der Energieversorgung, wird man noch mehr Daten benötigen, und das noch dazu in immer engeren Zeitabschnitten, um die Netzauslastung noch engmaschiger steuern zu können. Der Stromzähler wird damit immer mehr zum Sensor des Energieversorgers und Messstellenbetreibers. Hier wollen natürlich auch wir ein Teil der Lösung sein. Gleichzeitig ist unsere Branche vergleichsweise konservativ geprägt – am Grundprinzip der Energiemessung hat sich technologisch in den letzten Jahrzehnten nicht sonderlich viel verändert. Die Stromversorgung ist und bleibt für viele einfach eine Selbstverständlichkeit – und wird erst zum Thema, wenn dort einmal Probleme auftreten.
Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die Marktperspektiven für die nächsten Jahre?
Dr. Gerhard Eisenbeiss: Für das RLM-Segment, in dem wir uns bewegen, hat die Bundesnetzagentur bereits klare Vorgaben gemacht, nämlich dass ab 2028 – mit einem anschließenden mehrjährigen Roll-out – in entsprechenden Anwendungsfeldern verpflichtend iRLMsys-Zähler verbaut werden müssen. Für den deutschen Markt können wir uns somit auf eine recht klare Nachfrageprognose für unsere Produkte stützen. Auch in anderen Märkten von Südamerika bis in den Mittleren Osten, die wir über lokale Partner vor Ort bedienen, sehen wir eine sehr positive Marktentwicklung und einen weiter steigenden Bedarf an intelligenter Messtechnik in Industrie, Gewerbe und Energieversorgung.
Wirtschaftsforum: Sie haben MetCom Solutions gemeinsam vor knapp elf Jahren gegründet und sind inzwischen weltweit ein gefragter Partner und Lieferant – wie haben Sie sich diese globale Marktposition erarbeitet?
Dr. Gerhard Eisenbeiss: Wir können vor allem mit einer hohen Produktqualität, kurzen Lieferzeiten, einem exzellenten Service und beständigen Innovationen in unseren Geräten überzeugen – samt einem engen Netzwerk aus lokalen Partnern, die die individuellen Gegebenheiten vor Ort genau kennen und die Sprache unserer Kunden sprechen. Gleichzeitig kaufen wir recht viele Elektronikkomponenten und Kunststoffteile aus Deutschland zu, sodass wir uns auf einen sehr engen Teilbereich der Wertschöpfung in Form des endassemblierten Teils konzentrieren. So können wir nicht nur marktbedingte Volumenschwankungen leichter abfedern, sondern uns auch fachlich klar auf unsere technologischen Kernkompetenzen besinnen.
Wirtschaftsforum: Mit welchen Zielen blicken Sie in die Zukunft von MetCom Solutions?
Oliver Göbel: Wir haben in den letzten Jahren sehr starke Wachstumsschübe erlebt und befinden uns derzeit eher in einer Phase der Konsolidierung – auch um bereits perspektivisch eine Übergabe an die nächste Geschäftsführergeneration vorzubereiten. Uns ist ebenfalls klar, dass wir unsere bisherige Erfolgsgeschichte nicht ohne das Know-how und die Erfahrung unserer Mitarbeiter hätten schreiben können, die uns auf diesem Weg vielfach von der ersten Stunde an begleitet haben. Nur deshalb konnten wir auch vom Glück des Tüchtigen profitieren.












