„Die Stimme des Patienten ins Unternehmen holen“

Interview mit Dr. Michael Lange, Geschäftsführer der Norgine GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Lange, welche Entwicklungen waren für das Unternehmen in seiner langen Geschichte besonders wichtig?

Michael Lange: Norgine wurde 1906 gegründet. In seiner langen Historie musste sich das Unternehmen ständig dem sich verändernden Gesundheitsmarkt anpassen und sich neu erfinden. Das war möglich, weil man immer innovativ gedacht hat. In den 1920er-Jahren war Norgine das erste Unternehmen, das Rinderinsulin für Typ-1-Diabetes hergestellt hat. Es war auch eines der ersten, das flexibles Arbeiten für berufstätige Frauen eingeführt hat.

Wirtschaftsforum: Wie ist Norgine heute aufgestellt?

Michael Lange: Die Gruppe hat ihren Sitz in Amsterdam und ist in zwölf europäischen Ländern sowie in Australien und Neuseeland vertreten. Weltweit erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von 400 Millionen EUR. In Deutschland sind etwa 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet die Produkte von Norgine aus?

Michael Lange: Uns ist es wichtig, Produkte auf den Markt zu bringen, die für den Patienten einen wirklichen Mehrwert darstellen und sein Leben verändern. Eines unserer Medikamente verbessert beispielsweise die Lebensqualität von Menschen mit einer Leber-Hirn-Störung und kann auch lebensverlängernd sein. Ein Fokus liegt bei uns auf der Darmkrebsvorsorge. Hier bieten wir ein Produkt zur sehr effektiven Darmreinigung. Unser Medikament zur Eisensubstitution ist eines der wenigen sehr wirksamen Medikamente,, die als Tablette oder Kapsel eingenommen werden können. Ein anderes ist als einziges in der Lage, bei normalerweise tödlich verlaufenden Narkosekomplikationen zu helfen. Noch in der Entwicklung ist ein Medikament, das in Zukunft als Gegenmittel zu Gerinnungshemmern als Notfallmedikament eingesetzt werden kann.

Wirtschaftsforum: Wie lange sind Sie schon bei Norgine und was ist Ihnen in Ihrer Funktion besonders wichtig?

Michael Lange: Ich bin seit ziemlich genau einem Jahr als Geschäftsführer im Unternehmen. Ich habe meine berufliche Laufbahn als Außendienstmitarbeiter der Hoechst AG begonnen und im Laufe der Jahre zunehmend seniore Positionen im In- und Ausland von diversen internationalen Konzernen innegehabt. Was mir persönlich sehr wichtig ist und bei Norgine einen hohen Stellenwert hat, ist die Zusammenarbeit mit dem Patienten. Wir holen seine Stimme ins Unternehmen hinein. Das ist die Basis, auf der wir langfristig arbeiten. Wir laden Patienten zu uns ein, nicht werblich, sondern um mit ihnen über ihre Erkrankungen, Erfahrungen und Bedürfnisse zu sprechen. Dieser Austausch hilft ihnen, weil sie auf Gleichgesinnte treffen, und er hilft uns, unseren Service auf ihre Bedürfnisse auszurichten. Auch für die Mitarbeiter ist es wichtig, Menschen vor Augen zu haben, für die sie sich tagtäglich engagieren. Zu wissen, dass sie diesen Patienten helfen können, ist für sie unheimlich motivierend.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie zu Ihrer Arbeit?

Michael Lange: Ich bin von unseren Produkten absolut überzeugt und würde sie jederzeit auch selbst nehmen. Ebenso wichtig sind mir aber die Menschen, mit denen ich jeden Tag zusammenarbeiten darf. Ich finde es persönlich sehr spannend, in der Lage zu sein, durch die Weiterentwicklung der Norgine als Unternehmen direkt auch einen positiven Einfluss auf die Versorgung und die Lebensqualität unserer Patienten leisten zu können.

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