„Unsere Architektur fördert Wohlbefinden und Heilung“

Interview mit Hieronimus Nickl, Geschäftsführender Gesellschafter der Nickl & Partner Architekten AG

Wirtschaftsforum: Herr Nickl, können Sie uns einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung Ihres Unternehmens geben?

Hieronimus Nickl: Sehr gerne. Mein Vater gründete das Unternehmen 1979. Heute leite ich es in 2. Generation gemeinsam mit meinem Bruder. Ursprünglich lag unser Fokus auf der Krankenhausplanung, da mein Vater aus dieser Branche kam. Ein bedeutender Meilenstein war unser erster großer Wettbewerb, ein Projekt in Weiden, das uns über 25 Jahre hinweg beschäftigte. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Neuentwicklung des Pavillon-Krankenhauses, das den Grundstein für unser Konzept der ‘Healing Architecture’ legte. Über die Jahre sind wir weiter gewachsen, zunächst in Deutschland, später auch international mit Standorten in Zürich, Peking und Paris. Besonders in den letzten 20 Jahren haben wir unsere Globalisierung vorangetrieben, zuletzt mit der Eröffnung unseres Büros in Düsseldorf.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von ‘Healing Architecture’. Was genau versteht man darunter?

Hieronimus Nickl: ’Healing Architecture’ bedeutet, dass die Architektur aktiv zum Wohlbefinden von Menschen beiträgt. Besonders in Krankenhäusern ist es wichtig, den Stress der Patienten und des Personals durch eine angenehme Umgebung zu reduzieren. Ein Krankenhausaufenthalt ist an sich schon eine belastende Erfahrung. Durch eine wohltuende, menschenfreundliche Bauweise können wir diese Belastung verringern. Es geht darum, den Menschen ins Zentrum des architektonischen Designs zu stellen. Durch funktionale und gut durchdachte Räume wird nicht nur der Heilungsprozess, sondern auch das Wohlbefinden von Personal und Patienten gefördert.

Wirtschaftsforum: Wie haben sich die letzten Jahre, insbesondere durch die Coronapandemie, auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Hieronimus Nickl: Corona hat vor allem die Entscheidungsprozesse bei unseren öffentlichen Auftraggebern verlangsamt. Ein positiver Aspekt war jedoch die verstärkte Nutzung digitaler Technologien. Wir haben viel über die Vernetzung und virtuelle Zusammenarbeit gelernt, aber man darf nicht vergessen, dass das persönliche Coaching durch erfahrene Projektleiter immer noch entscheidend ist. Junge Absolventen brauchen Anleitung und Unterstützung, um sich zu entwickeln – das kann keine virtuelle Besprechung ersetzen.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit spielt heute eine zentrale Rolle in vielen Bereichen. Wie integrieren Sie nachhaltige Konzepte in Ihre Architekturprojekte?

Hieronimus Nickl: Nachhaltigkeit ist für uns nicht nur ein Trend. Wir setzen auf ressourcenschonende Materialien und energieeffiziente Lösungen wie natürliche Belüftung und Tageslichtnutzung. Ein gutes Beispiel ist unser Projekt in Shenzhen, wo wir Dachbegrünungen integriert haben, die das Mikroklima verbessern. Unser Ziel ist es, langfristig umweltfreundliche und gesunde Lebensräume zu schaffen.

Wirtschaftsforum: Wie nutzen Sie moderne Technologien, um Ihre Architekturprojekte voranzutreiben?

Hieronimus Nickl: Technologie ist ein entscheidender Faktor für uns. Mit digitalen Planungsmethoden wie BIM (Building Information Modeling) können wir unsere Prozesse optimieren und exakte Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig integrieren wir smarte Gebäudetechnologien, die den Energieverbrauch senken und den Komfort für die Nutzer steigern. So schaffen wir nachhaltige und technologisch fortschrittliche Lösungen.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns einige aktuelle Projekte nennen, die besonders repräsentativ für Ihre Arbeit sind?

Hieronimus Nickl: Ein herausragendes Projekt, das wir gerade abgeschlossen haben, ist das Forschungslabor der ETH Zürich am Standort Basel. Es handelt sich um ein hochmodernes Laborgebäude mit einem großen Reinraumanteil. Ein weiteres interessantes Projekt ist das Kantonsspital Baden, das wir nach acht Jahren Planung und Bau bald abschließen werden. Auch hier spielt unser Konzept der ‘Healing Architecture’ eine zentrale Rolle, um Funktionalität und Wohlbefinden in Einklang zu bringen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft von Nickl & Partner?

Hieronimus Nickl: Wir wollen weiterhin wachsen, jedoch gezielt in ausgewählten Regionen, und nicht unbedingt in immer mehr Länder expandieren. Besonders wichtig ist uns die Weiterentwicklung modularer Baukonzepte. Außerdem setzen wir auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz – Themen, die für unsere Kunden immer wichtiger werden. Unsere Vision ist es, durch innovative und nachhaltige Architektur einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an, Herr Nickl?

Hieronimus Nickl: Mich motiviert der Gedanke, dass unsere Projekte das Leben von Menschen verbessern. Wir schaffen gebaute Umgebungen, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch und wohltuend sind. Das ist es, was mich antreibt: Gebäude zu gestalten, die einen positiven Einfluss auf ihre Nutzer und die Umwelt haben.

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