Großbau auf sicherer Basis

Interview mit Thomas Meyer, Gründer und Geschäftsführer der Meyer Erdbau GmbH

Großvolumige Bauprojekte beginnen dort, wo später kaum noch etwas sichtbar ist: im Untergrund. Genau hier entscheidet sich, ob Termine gehalten, Kosten kontrolliert und Risiken beherrscht werden können. In diesem sensiblen und technisch anspruchsvollen Bereich ist die Meyer Erdbau GmbH tätig. Das Unternehmen realisiert komplexe Erdbau-, Abbruch-, Recycling- und Infrastrukturleistungen vollständig aus einer Hand – auch dann, wenn Volumen, Zeitdruck und Schnittstellen die Anforderungen erhöhen. Geleitet wird Meyer Erdbau von Thomas Meyer, der das Unternehmen 2006 gründete und bis heute als alleiniger Geschäftsführer führt. Als Bauingenieur prägt er die strategische Ausrichtung mit dem Anspruch, Verantwortung dort zu übernehmen, wo Projekte besonders anspruchsvoll werden.

Komplexität als Aufgabe

Was Meyer Erdbau von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist nicht eine einzelne Spezialdisziplin, sondern der konsequent ganzheitliche

Ansatz. Das Unternehmen übernimmt Projekte von der ersten Erdbewegung über Abbruch, Bodenmanagement und Recycling bis hin zur vollständigen Infrastruktur. „Der Kunde soll sich nicht mit mehreren Ansprechpartnern und Schnittstellen auseinandersetzen müssen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir übernehmen die Verantwortung für das Gesamtpaket.“ Gerade bei großen Bauvorhaben reduziert dieser Ansatz organisatorische Reibungsverluste und senkt Risiken in der Ausführung. Verantwortung wird dabei nicht delegiert, sondern bewusst gebündelt.

Dimensionen mit Anspruch

Die Projekte bewegen sich regelmäßig in Dimensionen, die Erfahrung, Organisation und wirtschaftliche Stabilität voraussetzen. Baugruben mit mehreren hunderttausend Kubikmetern Aushub oder Projektvolumina im zweistelligen Millionenbereich sind Teil des Leistungsprofils. „Ab einer gewissen Größenordnung geht es nicht mehr nur um Maschinen oder Technik“, erklärt Thomas Meyer. „Dann geht es darum, ob ein Unternehmen Verantwortung tragen kann – personell, strukturell und finanziell.“ In diesem Segment ist der Wettbewerb schwächer ausgeprägt, weil nur wenige Unternehmen diese Anforderungen dauerhaft erfüllen.

Struktur vor Person

Bei Meyer Erdbau liegt ein zentraler Erfolgsfaktor im inneren Aufbau. Über Jahre hinweg wurden belastbare Führungs- und Entscheidungsstrukturen etabliert, die unabhängig von einzelnen Personen funktionieren. Bauleiter, Poliere und Führungskräfte tragen operative Verantwortung und sind klar in Entscheidungsprozesse eingebunden. „Wenn alles in normalen Bahnen läuft, muss ich operativ kaum eingreifen“, sagt der Geschäftsführer. Seine Rolle sieht er heute vor allem darin, strategische Entscheidungen zu treffen, größere Projekte zu akquirieren und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Die klare Zuordnung sorgt für Stabilität – auch dann, wenn Projekte besonders komplex sind oder sich Rahmenbedingungen kurzfristig verändern.

Markt, Wandel, Realität

Die Bauwirtschaft befindet sich in einem strukturellen Wandel. Während die Gewerbe- und Eigentumsbauten zuletzt deutlich an Dynamik verloren haben, gewinnen andere Bereiche an Bedeutung – darunter Abbruchprojekte, Infrastrukturmaßnahmen sowie der Kanal- und Leitungsbau. Die politischen Rahmenbedingungen sieht Thomas Meyer kritisch. „Die größte Bremse sind lange Genehmigungsverfahren und die zunehmende Bürokratie“, sagt er. Investitionen verzögerten sich häufig nicht aus Mangel an Bedarf, sondern aufgrund komplexer Prozesse. Unternehmerischer Erfolg bedeute daher zunehmend, mit Unsicherheit umgehen zu können und Entscheidungen auch unter unvollständigen Rahmenbedingungen zu treffen.

Digitalisierung mit Maß

Digitalisierung ist im Unternehmen längst Alltag. Baugruben werden als digitale Geländemodelle geplant, Vermessung und Abrechnung erfolgen datenbasiert. „Da sind wir schon sehr weit“, sagt Thomas Meyer. Künstliche Intelligenz sieht er derzeit eher unterstützend. „Sie hilft im Kleinen, aber sie ersetzt nicht das Gespür für Situationen.“ Gerade in einem Umfeld, in dem viele Faktoren gleichzeitig wirken, bleibe Erfahrung ein entscheidender Wert. Technik solle Prozesse unterstützen, nicht Verantwortung ersetzen.

Kreislauf, Kultur, Zukunft

Ein weiterer strategischer Baustein ist der Recyclingbereich. Aushub- und Abbruchmaterialien werden aufbereitet und als Baustoffe in den regionalen Markt zurückgeführt. „Das ist wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch notwendig“, betont der Geschäftsführer. Gleichzeitig stärkt dieser Ansatz die regionale Wertschöpfung. Trotz aller Technik bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Die Unternehmenskultur ist familiär geprägt, der Umgang partnerschaftlich. „Wir arbeiten nie gegeneinander, sondern immer miteinander.“

Unternehmertum mit Haltung

Für Thomas Meyer ist Unternehmertum kein kurzfristiges Optimieren, sondern ein langfristiger Prozess. Wachstum soll möglich, aber beherrschbar sein. Ein jährliches Plus von 5 bis 7% gilt als gesundes Maß. „Stillstand ist keine Option“, sagt er. „Unkontrolliertes Wachstum aber auch nicht. Entscheidend ist, dass Struktur, Personal und Kultur mitwachsen. Nur dann lässt sich leisten, was unser Unternehmen ausmacht: Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn Projekte größer, komplexer und anspruchsvoller werden.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Interview mit Gerd Manns, Geschäftsführer der MANNS GmbH

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Viele Straßen und Brücken in Deutschland sind marode, und auch zahlreiche Gebäude haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Hier kommt das Unternehmen von Gerd Manns ins Spiel, das sich auf…

Wo Zukunft Anschluss findet

Interview mit Florence Fischer, Geschäftsführerin der GPG Glasfaser Projekt GmbH

Wo Zukunft Anschluss findet

Unsere digitale Zukunft braucht vor allem eines: eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur, sei es im Homeoffice, in Unternehmen oder für smarte Städte und Gemeinden. Daran arbeitet die GPG Glasfaser Projekt GmbH bundesweit…

Spannendes aus der Region Landkreis Havelland

Mit Struktur zu besserem Hospitality-Service

Interview mit Peyman Rahimi, Gründer und Geschäftsführer der PerLease GmbH

Mit Struktur zu besserem Hospitality-Service

Die Personaldienstleistung in der Hospitality-Branche gilt als dynamisch und anspruchsvoll, jedoch oft wenig strukturiert. Mit der Vision, mehr Qualität und Verlässlichkeit in diesen Markt zu bringen, gründete Peyman Rahimi 2010…

Projektlogistik mit ganzheitlichem Ansatz

Interview mit Julia Zureck, Prokuristin der Zureck Logistik GmbH

Projektlogistik mit ganzheitlichem Ansatz

Die Logistikbranche wandelt sich rasant – klassische Transporte allein reichen längst nicht mehr aus. Immer komplexere Projekte, steigende Anforderungen an Infrastruktur und Genehmigungen erfordern neue Herangehensweisen. Die Zureck Logistik GmbH…

Tiefe statt Breite: Spezialisierung als strategische Antwort im Tiefbau

Interview mit Steffen Runge, Geschäftsführer der Gottlieb Tesch Kanal- und Rohrleitungsbau GmbH

Tiefe statt Breite: Spezialisierung als strategische Antwort im Tiefbau

Nur wenige Unternehmen im Bauwesen können auf eine Geschichte von eineinhalb Jahrhunderten zurückblicken – und noch wenigeren ist es gelungen, sich dabei immer wieder neu zu erfinden. Beständigkeit, Anpassungsfähigkeit und…

Das könnte Sie auch interessieren

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Interview mit Gerd Manns, Geschäftsführer der MANNS GmbH

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Viele Straßen und Brücken in Deutschland sind marode, und auch zahlreiche Gebäude haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Hier kommt das Unternehmen von Gerd Manns ins Spiel, das sich auf…

Auf neuen Wegen mit bewährter Sohle

Interview mit Sebastian Roscher, CPMO der framas Kunststofftechnik GmbH

Auf neuen Wegen mit bewährter Sohle

Eine Branche im Wandel, Märkte im Umbruch und neue Technologien, die Produktionsprozesse verändern: Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Wege zu gehen. Wie es…

Recycling neu gedacht

Interview mit Andrea Gratzer, Geschäftsführerin und Peter Streinik, Geschäftsführer der UNTHA Deutschland GmbH

Recycling neu gedacht

Ressourcen effizient nutzen, Wertstoffe zurückgewinnen und fossile Energieträger ersetzen – moderne Recyclingtechnik ist ein entscheidender Baustein der Kreislaufwirtschaft. Die UNTHA Deutschland GmbH mit Sitz in ­Gemünden am Main entwickelt und…

TOP