Ganzheitliche Baustellenorganisation
Interview mit Gijs Bont, CEO der A.I.C. Visser Groothandel B.V.

Die Wurzeln der heutigen A.I.C. Visser-Gruppe reichen rund 70 Jahre zurück. Über mehrere Entwicklungsschritte baute sich das Unternehmen eine starke Marktposition im Großhandel für Bau- und Infratechnik auf und sammelte früh Erfahrung als Importeur technischer Produkte. Einen entscheidenden Impuls erhielt die Organisation nach der Finanzkrise, als viele Bauunternehmen verstärkt auf Mietlösungen setzten. Ab 2011 wurde die Vermietung gezielt als neues Geschäftsfeld etabliert, zunächst ergänzend zum Großhandel, später organisatorisch eigenständig. Mit dem Umzug an den heutigen Standort im Jahr 2019 wurden Aktivitäten gebündelt und Verantwortlichkeiten klarer strukturiert. Um das Wachstumspotenzial konsequent zu nutzen, wurde 2023 ein Investor eingebunden; im selben Jahr folgte der Zusammenschluss mit Visser aus Assen. Heute beschäftigt die Gruppe rund 155 bis 160 feste Mitarbeitende sowie eine flexible Zusatzstruktur und steuert auf einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen EUR zu.
Drei Geschäftsfelder für ganzheitliche Baustellenbetreuung
Das Leistungsspektrum der A.I.C. Visser-Gruppe gliedert sich in drei Geschäftsfelder. Der Großhandel versorgt professionelle Kunden aus Bau, Infrastruktur und angrenzenden Gewerken mit Arbeitsmaterial und technischem Equipment – von Handwerkzeugen über Akkugeräte bis hin zu Beleuchtung, Lasern und Steigmaterial, jedoch ohne klassische Baustoffe. Ergänzt wird dies durch die Bauplatzinfrastrukturvermietung, die konsequent projektorientiert arbeitet. „Unsere Kunden kommen frühzeitig mit ihren Baustellenplänen zu uns, und wir entwickeln daraus komplette Bauplatzlösungen inklusive Planung, Koordination und Lieferung“, erklärt Gijs Bont. Die dritte Säule bildet der Servicebereich mit Wartung und Reparatur, insbesondere für Laser- und Messinstrumente sowie Maschinen und elektrische Geräte. „Wir denken nicht in Einzelvermietung, sondern in Projekten und liefern komplette Bauplatzlösungen, damit sich unsere Kunden auf das Bauen konzentrieren können“, betont Gijs Bont. Die Standorte sind klar funktional aufgestellt: Harderwijk als Schwerpunkt für Bauplatzinfrastruktur und Vermietung mit Shop und Showroom, Assen als zentrales Distributionszentrum für den Großhandel in einem 2024 fertiggestellten Neubau und Veghel für Kunden im Süden und Richtung Belgien; bewusst wird auf ein klassisches Headquarter verzichtet.
Digitalisierung, Marktpräsenz und internationale Perspektiven
Digitalisierung versteht die Gruppe nicht als isoliertes Online-Thema, sondern als strategisches Instrument zur Effizienzsteigerung und Kundenbindung. Nach der Fusion wurden bestehende Systeme neu bewertet, da ein reiner Plattformwechsel nicht ausgereicht hätte. Ziel ist eine digitale Umgebung, in der Kunden Projekte, Lieferungen, Budgets und Wartungszyklen transparent steuern und perspektivisch proaktive Hinweise erhalten können. „Ein moderner Onlineshop ist wichtig, entscheidend ist aber eine Plattform, die den gesamten Prozess für den Kunden abbildet“, betont Gijs Bont. Die Vertriebsstruktur ist klar segmentiert: Kleinere Betriebe werden über das Onlineportal bedient, mittelgroße und große Kunden über Außendienst und feste Ansprechpartner, Key Accounts über eine zentrale Kontaktperson. Geografisch liegt der Schwerpunkt in den Niederlanden, ergänzt durch wachsende Aktivitäten in Belgien sowie erste Schritte in den deutschen Markt; der Auslandsanteil liegt bei rund 10 bis 15%. Parallel investiert das Unternehmen in seine Sichtbarkeit und setzt auf Messen, Events und aufmerksamkeitsstarke Marketingmaßnahmen – darunter auch ein gezielt eingesetzter Tesla Cybertruck.
Unternehmenskultur, Nachhaltigkeit und langfristige Vision
Trotz Wachstum und technologischer Entwicklung sieht die Unternehmensführung den entscheidenden Erfolgsfaktor im Team und in der gelebten Kultur. Flache Hierarchien, langfristige Beschäftigungsverhältnisse und ein partnerschaftliches Miteinander prägen die Organisation und werden auch von Kunden wahrgenommen. Nachhaltigkeit ist fest in der Strategie verankert und zeigt sich intern wie im Leistungsportfolio: Das neue Gebäude in Assen, energieeffiziente Akkulösungen sowie eigene Entwicklungen wie Eco-Units mit Solartechnik und Lichtmastlösungen stehen exemplarisch dafür. In der Produktion setzt das Unternehmen bewusst auf Nähe zum Hauptmarkt, um Qualität und Verlässlichkeit zu sichern, während die Logistik über spezialisierte Partner erfolgt. „Unser Ziel ist es nicht, der Größte zu sein, sondern mit unserem Leistungsversprechen der Beste für unsere Kunden“, sagt Gijs Bont. Vor dem Hintergrund von Trends wie Prefab-Bauweise, verdichteten Baustellenflächen und steigendem Effizienzdruck sieht sich die A.I.C. Visser-Gruppe gut positioniert, früh im Projektverlauf als kompetenter Partner eingebunden zu werden und Kunden mit durchdachten, praxisnahen Lösungen zu unterstützen.
















