Die Harmonie des Ganzen

Interview mit Robert Patzschke, Geschäftsführer der Patzschke Planungsgesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Herr Patzschke, Patzschke Planungsgesellschaft ist ein alteingesessenes Berliner Architekturbüro, das mit einer klassisch-traditionellen Architektur eine Sonderrolle einnimmt. Wie entwickelte sich das Büro über die vielen Jahre?

Robert Patzschke: Das Büro wurde 1969 von meinem Vater und seinem Zwillingsbruder gegründet und entwickelte sich bis heute – mit Höhen und Tiefen – relativ stetig weiter. Die beiden starteten direkt mit einem sehr ambitionierten Projekt, einem großen Hotelkomplex auf Gran Canaria; ein zweiter wichtiger Meilenstein war der Entwurf und Bau des Adlon-Hotels am Potsdamer Platz in Berlin Ende der 1990er-Jahre. Über die Jahre hatten wir einen sehr sanften Generationenwechsel, sodass ich heute gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern und Partnern das Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitenden leite.

Wirtschaftsforum: Das Büro wurde als Vertreter einer in klassischer Tradition wurzelnden Architektur nicht nur durch das Hotel Adlon über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Wie kam es zu diesem für Patzschke typischen Architekturstil?

Robert Patzschke: Das Adlon-Hotel war das erste Objekt in einer klassisch-traditionellen Formensprache, das nach dem Krieg an einem so prägnanten städtebaulichen Ort in Deutschland errichtet wurde; es veränderte und prägte die weitere Architekturentwicklung. Da es vorher nur die Nachkriegsmoderne gab, haben mein Vater und mein Onkel mit dem Gebäude tatsächlich einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Wir orientieren uns an klassischen Vorbildern, machen aber keine Kopien davon. Es sind Gebäude unserer Zeit, die von der Geschichte inspiriert sind und modernen Standards entsprechen. Dass wir über die Postmoderne den Weg zu einer klassisch-traditionellen Architektur gefunden haben, war ein langer Prozess, der sich mit dem Adlon manifestiert hat. Dahinter steht der Anspruch, mit unserer Architektur die gebaute Umwelt ein wenig zu verbessern und etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Diese Suche nach Harmonie und Schönheit hängt wahrscheinlich mit dem Zwillingsdasein der Gründer zusammen, die ein sehr inniges Verhältnis hatten. Diese Haltung hat sich auf uns, das Büro und unsere Art der Architektur übertragen. Wir wollen Harmonie statt Dissonanz, wollen nicht provozieren, sondern inte­grieren, uns mit unserer Architektur nicht abheben, sondern einfügen, suchen den Dialog mit dem Umfeld statt den Monolog oder die Kontroverse. Ein gutes Gebäude ist eines, das nicht auffällt. Das Zwillingsdasein der Gründer mag auch dazu beigetragen haben, dass sie sich aus dem Duktus der damals vorherrschenden Architekturschule herauswagten und neue Wege gingen, was nicht immer einfach war. Die Zeiten waren anders; es gab kein Internet, keine Verbände oder Konferenzen zum Netzwerken. Heute suchen wir bewusst den Austausch, aber auch wir sind mit unserer Architektur nicht immer nur auf Zuspruch gestoßen.

Wirtschaftsforum: Haben sich im Portfolio im Laufe der Zeit bestimmte Schwerpunkte herauskristallisiert?

Robert Patzschke: Hotels spielen eine große Rolle, aber wir sind auch im hochwertigen Geschosswohnungsbau tätig. Hinzu kommt der soziale Wohnungsbau, der angesichts der angespannten Wohnungssituation in Zukunft noch stärker im Vordergrund stehen wird.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Rolle als Geschäftsführer?

Robert Patzschke: Ich empfinde meine Arbeit als sehr spannend und facettenreich, habe mit den unterschiedlichsten Themen und Menschen zu tun, halte Vorträge, interagiere mit den Teams, beschäftige mich mit juristischen und finanziellen, aber auch mit künstlerisch-architektonischen Themen. Trotz modernster Technik beginnen Entwürfe bei uns immer mit Handskizzen; so nähern wir uns einem Projekt an. Mit dieser Vorgehensweise unterscheiden wir uns von vielen Büros. Für mich ist das Spannende an der Architektur, dass sie eine angewandte Kunst ist, die anders als zum Beispiel die freie Malerei viele limitierende Aspekte wie Genehmigungen, Statik, Wirtschaftlichkeit, Mathematik, Physik und nicht zuletzt die Wünsche der Bauherren berücksichtigen muss.

Wirtschaftsforum: Die Baubranche steckt in einer Krise. Welche Trümpfe spielt Patzschke aus, um sich am Markt zu behaupten?

Robert Patzschke: Uns hilft, dass wir lange am Markt etabliert sind, aber auch, dass wir ausschließlich für private Auftraggeber tätig sind und mit unserer Architektursprache ein Marktsegment bedienen, das nicht viele bedienen. Unsere Gebäude unterliegen keiner schnelllebigen Mode, sondern werden ästhetisch nachhaltig geplant und gebaut. Nachhaltigkeit heißt für uns Zeitlosigkeit. Wir wollen Gebäude schaffen, die über Generationen hinweg Bestand haben, deren Architektur über den reinen Nutzen hinausgeht und zur Verschönerung des Umfelds beiträgt.

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