Die Allrounder auf dem Bau

Interview mit Marei Kloss, Wirtschaftsfachwirtin der Kloss Bau GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Kloss, Ihr Bauunternehmen will seinen Kunden möglichst alle Leistungen aus einer Hand anbieten – wie umfassend fällt Ihr Tätigkeitsspektrum dabei im gelebten Alltag aus? 

Marei Kloss: Im Grunde verstehen wir uns als strategischer Partner unserer Kunden – vom Rohbau über die Zimmerei-, Dachdecker- und Estricharbeiten bis zum Vollwärmeschutz im Außenbereich. Dabei können wir im Zweifel bisweilen 100% der erforderlichen Leistungen tatsächlich aus einer Hand erbringen. Obwohl wir vielfach als Allrounder am Bau auftreten, nehmen wir gleichzeitig auch gerne Klein- und Kleinstaufträge an, um uns so stets nach den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden richten zu können – bei unserer Marktposition ist das ein echter USP. 

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Kloss Bau, diese fachliche Breite mit den bisweilen kleinteiligen Aufträgen in Einklang zu bringen? 

Marei Kloss: Ein starkes unternehmerisches Konzept ist nichts ohne ein starkes Fundament – und das sind zuvorderst unsere Mitarbeiter. Viele von ihnen sind bereits seit der Gründung unseres Unternehmens 1998 mit an Bord, was uns sehr freut. In dieser Zeit konnten sie sich natürlich ein unfassbares Know-how erwerben, von dem wir beständig profitieren. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf intensive Schulungen – sowohl inhouse als auch in Form von externen Fortbildungen – damit wir uns in jedem Gewerk stets auf dem neuesten Stand der Technik bewegen können. 

Wirtschaftsforum: In Zeiten des Fachkräftemangels, der die Baubranche besonders intensiv erfasst hat, erreichen bei Weitem nicht alle Unternehmen eine derart nachhaltige Mitarbeiterbindung – wie ist Ihnen das gelungen? 

Marei Kloss: Ich glaube, dass wir auf sehr starken Werten aufbauen können, die uns als Unternehmen prägen. Gleichzeitig haben wir bereits einige Benefits und umfassende Möglichkeiten zur Mitarbeiterförderung umgesetzt: etwa Job-Rad, Firmenwagen und flexible Arbeitszeitmodelle. Per­spektivisch möchten wir unseren Mitarbeitern noch deutlich mehr bieten. Unser Unternehmen befindet sich derzeit im Umbruch, und wir erarbeiten gerade intensiv wichtige Ansätze für eine Neustrukturierung, um uns optimal für die Zukunft aufstellen zu können. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die aktuelle Marktlage? 

Marei Kloss: Wie viele andere Bauunternehmen auch können wir derzeit fast keine Neubauaufträge verzeichnen. Gleichzeitig hat sich jedoch der Sanierungsbereich sehr positiv entwickelt. Viele Menschen, die etwa ihr Elternhaus geerbt haben, möchten dieses nun beispielsweise umfangreich sanieren, um es anschließend vermieten oder selbst nutzen zu können. Auch der altersgerechte Umbau ist für viele Eigenheimbesitzer ein Thema, genauso wie die energetische Sanierung. 

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit? 

Marei Kloss: Wir sind schon immer der Überzeugung gewesen, dass eine nachhaltige Bauweise am Schluss die beste Lösung für alle ist – und sich bei unseren Kunden letztlich mit den niedrigsten Gebäudehaltungskosten bemerkbar macht. Dahingehend beraten wir auf Basis unserer breiten Expertise in verschiedensten Gewerken auch zu Themen wie Vollwärmeschutz, Photovoltaik­anlagen, Fenstersanierungen, kon­trollierten Be- und Entlüftungsanlagen und ähnlichen energetischen Maßnahmen – stets transparent und ehrlich. 

Wirtschaftsforum: Auf welchen Innovationen liegt derzeit bei Kloss Bau der Fokus? 

Marei Kloss: In den nächsten Jahren wollen wir unsere internen Prozesse weiter verschlanken – ganz im Sinne des Lean Managements. Dazu digitalisieren wir unsere Abläufe und setzen auf neueste Technologien wie KI, um uns in der Analyse und Planung noch stringenter aufzustellen. Gleichzeitig müssen all diese Prozesse aber auch weiterhin zu unserem Unternehmen passen, weshalb wir im Rahmen unseres Change Managements nie die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter aus den Augen verlieren wollen und sie bei diesem Prozess eng begleiten werden. 

Wirtschaftsforum: Was hat Sie persönlich dazu bewogen, in das Familienunternehmen einzutreten, das Ihr Vater vor bald 30 Jahren gegründet hat? 

Marei Kloss: Ich kenne unser Unternehmen schon, seit ich laufen kann, nachdem es mein Vater – etwas romantisiert gesprochen – mit einer Schaufel, einer Schubkarre und einem Traum aufgebaut hat. Diese Leidenschaft hat sich mit den Jahren so auch auf meine Geschwister und mich übertragen – und wir möchten uns den neuen Herausforderungen unserer Zeit mit derselben Leidenschaft stellen, auch wenn wir dabei natürlich in große Fußstapfen treten werden. Ganz persönlich ist es mir dabei ein Anliegen, der Baubranche ihr überkommenes Klischee zu nehmen: Denn bei uns geht es um Vertrauen und Verantwortung, wir schaffen Lebensräume, mit denen wir den Menschen einen Ort geben möchten, an dem sie sich wohlfühlen können. Das Vorurteil, dass Frauen keinen Platz in dieser Branche hätten, hat mit der Realität nichts mehr zu tun – umso mehr freut es mich, im Herbst auch eine neue Auszubildende in unserem Unternehmen begrüßen zu dürfen. 

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