Digitaler Wandel im Schrotthandel

Interview mit Jakub Bruch, Management der Bruch & Söhne GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Bruch, seit vielen Jahren steht Bruch & Söhne seinen Kunden als Schrott- und Metallgroßhandel sowie mit einem Containerdienst und seinen Exportleistungen zur Verfügung – wie umfassend unterstützen Sie in dieser Wertschöpfungskette genau?

Jakub Bruch: Neben unserem Hauptsitz in Walldürn betreiben wir noch einige weitere Containerstützpunkte sowie einen Hafenumschlagplatz in Würzburg, wo fertiges Material ankommt, das dann auf die Schiffe verladen und anschließend exportiert wird. Neben dem Betrieb unserer großen Eisen- und Edelmetalllagerplätze kümmern wir uns auch um die Entsorgung von Bauschutt, Altholz, Gewerbemischabfällen und ähnlichen Stoffen. Dabei stehen wir unseren Kunden und Partner-Schrottplätzen mit insgesamt sieben Lkw mit Abroll- und Absetzkippern zur Verladung sowie zum Containertausch zur Verfügung.

Wirtschaftsforum: Sie selbst haben eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker durchlaufen, bevor Sie vor dreieinhalb Jahren in das Familienunternehmen eingetreten sind. Wie kam es dazu?

Jakub Bruch: Mein Vater hatte diesen Betrieb über die Jahre nahezu von null aufgebaut. Ich selbst hatte das Unternehmen aber nie besonders im Blick. Ich war eigenständiger Kfz-Mechatroniker, absolvierte gerade die Meisterschule und hatte das Ziel, mich irgendwann in diesem Beruf selbstständig zu machen – denn Fahrzeuge sind auch privat meine Leidenschaft. Als ich dann einmal unser Unternehmen besucht habe, fiel mir auf, dass einige Abläufe aus meiner Sicht nicht optimal ausgestaltet waren. Ich sagte meinem Vater, er solle mich anrufen, wenn er einmal meine Hilfe bräuchte. Zwei Wochen später klingelte dann das Telefon. Noch am selben Tag habe ich meine Kündigung bei meinem damaligen Arbeitgeber eingereicht und die Meisterschule abgebrochen.

Wirtschaftsforum: Seitdem haben Sie umfangreiche Digitalisierungsprojekte bei Bruch & Söhne umgesetzt.

Jakub Bruch: In erster Linie bin ich für alles zuständig. Ich konnte die Zettelwirtschaft nicht leiden, die sich bei uns aufgebaut hatte. Perspektivisch möchte ich uns zu einem völlig papierlosen Unternehmen wandeln, auch wenn dieses Ziel gerade nicht alleroberste Priorität hat. Doch viele wirksame Schritte wurden bereits implementiert: Die Disposition erfolgt jetzt komplett elektronisch, sodass jedem Fahrer seine Touren auf seinem Smartphone angezeigt werden. Die einzelnen Aufträge werden im System automatisch ausgefüllt und dann fertig auf einem DIN-A5-Bogen ausgedruckt – so können auch unsere Kunden zweifelsfrei erkennen, dass jeder Schritt bei uns sauber protokolliert wird. Ein großes Infodisplay, auf dem die Tourenaufträge angezeigt werden, sorgt auch innerbetrieblich für eine größtmögliche Übersichtlichkeit. Der Wiegevorgang dauert inzwischen nur noch zehn Sekunden statt drei Minuten und erfolgt dank strukturierter Vorgehensweisen praktisch on-the-fly. Und ein Mesh-Netzwerk mit zehn Outdoor-Access-Points legt bereits eine starke Grundlage für noch deutlich weitergehende Schritte.

Wirtschaftsforum: Wie groß waren die Hürden bei Ihren bisherigen Digitalisierungsmaßnahmen?

Jakub Bruch: Im Kern waren sie nicht besonders hoch – denn Prozesse zu digitalisieren, damit Papiere verschwinden, ist eigentlich nicht sonderlich schwierig. Im Kern geht es darum, ein System zu entwerfen, das alle wesentlichen Elemente abdeckt, und dann Grundlinien abzustecken, die später eben eingehalten werden müssen. Das Schlagwort elektronische Disposition mag zunächst kompliziert klingen, im Kern ist es aber einfach eine große Tabelle, die nach Daten sortiert ist und von mehreren Mitarbeitern parallel eingesehen und bearbeitet werden kann – auch von mir, wenn Kunden mich fernab jeglicher Öffnungszeiten anrufen, um noch schnell eine Tour zu beauftragen. Das nächste größere Projekt – ein neues Warenwirtschaftsprogramm – wird jedoch deutlich tiefer in die bestehenden Prozesse eingreifen und deshalb auch wesentlich komplexer umzusetzen sein.

Wirtschaftsforum: Offen gefragt: Wie digital muss ein Recyclingbetrieb überhaupt werden?

Jakub Bruch: Die Vorteile liegen für uns auf der Hand: Wenn beispielsweise Störstoffe, Abweichungen, Nachweise festgehalten werden müssen, kann dieser Vorgang mit unterstützendem Bildmaterial einfach dokumentiert in die digitale Akte aufgenommen und am Monatsende turnusmäßig an den Kunden verschickt werden. Anstatt dass Fahrer von Fremdanlieferern mit physischen Laufzetteln durch unser Gelände und die einzelnen Schritte navigieren müssen, können sie in Zukunft auf eine viel nahtlosere Erfahrung vertrauen. Nicht jede Möglichkeit, die wir bereitstellen, muss dabei auch genutzt werden: Inzwischen sind beispielsweise unsere Auftragsscheine mit QR-Codes versehen – wenn unsere Fahrer diese in ihrem Navigationsgerät einscannen, wird ihnen sofort automatisch die Route angezeigt, die sie nun fahren müssen. Diese Funktion wird bisher kaum in Anspruch genommen, und das ist auch in Ordnung. Doch in etlichen Jahren werden wir neue Fahrer aus einer anderen Generation beschäftigen müssen, die sich wundern würden, wenn diese Möglichkeit nicht bestünde. Deshalb will ich so zeitnah wie möglich ein modernes Fundament gießen, auf dem später modular aufgebaut werden kann.

Wirtschaftsforum: Wie lautet Ihre Vision für die nächsten Jahre?

Jakub Bruch: Darin unterscheiden sich meine Vorstellungen tatsächlich von denen meines Vaters. Perspektivisch wünsche ich mir, dass unsere Maschinen außerhalb der gesetzlichen Ruhezeiten niemals stillstehen. Dazu eine voll ausgelastete Produktion, idealerweise in einem effizienten Mehrschichtsystem. Ein festes Einhalten der strukturellen Abläufe und deren Planung und Verfolgung auf jenem digitalen Unterbau wird das auch ermöglichen, da bin ich mir absolut sicher.

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