Wie ein Familienunternehmen die Kreislaufwirtschaft revolutioniert

Interview mit Lars Jennissen, Chief Technology & Innovation Officer der N+P Group B.V.

1992 von Karel und Karin Jennissen gegründet, hat sich die N+P Group zu einem der führenden Anbieter für die Verwertung sogenannter nicht recycelbarer Abfallströme in Europa entwickelt. „Unser Grundgedanke war von Anfang an: Abfall ist kein Müll, sondern eine wertvolle Ressource“, erklärt Lars Jennissen, Chief Technology and Innovation Officer. Seit 2019 ist der Schweizer Rohstoffhändler Mercuria Mehrheitsgesellschafter, doch der prägende Familiengeist bleibt erhalten. „Wir sind groß genug, um europaweit zu agieren, aber klein genug, um agil und bodenständig zu bleiben“, so Lars Jennissen. Mit heute über 600 Mitarbeitern an fünf Standorten in den Niederlanden und England verarbeitet das Unternehmen jährlich rund 2,5 Millionen t Abfall: zur Hälfte stofflich, zur Hälfte als alternativer Brennstoff. Mit einem Umsatz von etwa 300 Millionen EUR ist N+P heute in fast allen europäischen Ländern aktiv, wobei 75 bis 85% des Umsatzes außerhalb der Niederlande erzielt werden.

Nachhaltige Alternative

Das Kerngeschäft von N+P ist die Verwertung von Materialien, die sonst verbrannt oder deponiert würden, zum Beispiel gemischte Kunststoffe aus dem Gelben Sack oder Reststoffe aus der Industrie. In hochmodernen Sortieranlagen werden recycelbare Anteile voneinander getrennt, während Der nicht recyclebare Anteil zu hochkalorischen Brennstoffpellets verarbeitet wird. Diese ersetzen Steinkohle oder Braunkohle in Zementwerken, Stahlhütten, Kalköfen und Elektrizitätswerken und ermöglichen so CO2-Einsparungen von bis zu 95%. „Unsere Brennstoffe sind keine Notlösung, sondern eine klimafreundliche Alternative mit messbarem ökologischem und ökonomischem Nutzen“, betont Lars Jennissen. Ein weiteres wichtiges Standbein ist die Aufbereitung von Papierabfällen für die Keramikindustrie, wo die Materialien als Zusatzstoffe bei der Ziegelproduktion eingesetzt werden. Die Kundenstruktur reicht von deutschen Papierfabriken über belgische Kommunen bis zu internationalen Industriepartnern – ein Beweis für die europaweite Relevanz der N+P-Lösungen.

Innovation als Antrieb

N+P setzt konsequent auf Zukunftstechnologien: Aktuell entwickeln Partner des Unternehmens an weiteren Techniken, um aus Abfall die Ausgangsstoffe zur Herstellung synthetischen Gases für die chemische Industrie umzuwandeln. „Unser langfristiges Ziel ist es, Abfall vollständig in den Kreislauf zurückzuführen, sei es als Rohstoff für die Chemie oder als CO2-armer Brennstoff für verschiedene Industrien wie Zement, Kalk, Stahl und Kraftwerke“, erklärt Lars Jennissen. Digitalisierung und KI spielen dabei eine zentrale Rolle: Von der Prozesssteuerung über die Qualitätskontrolle bis hin zur Logistik setzt das Unternehmen auf moderne Technologien, um Effizienz und Transparenz zu steigern. Ein weiteres Innovationsfeld ist die optimierte Trennung von biogenen und fossilen Materialien. „Biogene Anteile eignen sich hervorragend als Kohleersatz in der Zement- oder Stahlindustrie, während fossile Kunststoffe in der chemischen Industrie weiterverarbeitet werden können“, erläutert Lars Jennissen. „So schaffen wir echte Win-win-Situationen – für die Umwelt und für die Wirtschaft.“

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