Mut zum Angebot für die Innenstadt
Interview mit Peter Lang, Geschäftsführer der MCC Plan und Bau GmbH

Die Geschichte der MCC ist eng mit der Entwicklung des deutschen Einzelhandels verbunden. Nach der Wiedervereinigung wandelte sich das Unternehmen vom Architekturbüro zum Generalübernehmer und begleitete den Aufbau zahlreicher Fachmärkte. Peter Lang spricht von rund 200 Projekten innerhalb von zehn Jahren. Später entwickelte die MCC Einkaufszentren, plante und realisierte sie und verkaufte die Objekte anschließend weiter. Dabei entstanden langjährige Beziehungen zu großen Handelsunternehmen – ein Netzwerk, auf das die MCC weiterhin zurückgreifen kann. Heute sieht Peter Lang diesen Markt an einem Wendepunkt. Viele Mittelzentren seien in der Peripherie umfassend mit Lebensmittel-, Drogerie- und Fachmärkten versorgt. Gleichzeitig hätten zahlreiche Innenstädte an Attraktivität verloren. Genau dort sieht Peter Lang eine neue Aufgabe für die Projektentwicklung. Statt weitere Flächen am Stadtrand zu entwickeln, möchte er vorhandene Strukturen stärker in den Mittelpunkt rücken.
Neues Leben für die Innenstadt
Peter Langs Vorstellung reicht über die Sanierung einzelner Immobilien hinaus. Damit eine Innenstadt wieder funktioniert, müssten mehrere Eigentümer, die Kommune, Handel und weitere Akteure gemeinsam handeln. Der Geschäftsführer denkt an eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, Lebensmittelversorgung, Einzelhandel, Cafés und Dienstleistungen, ergänzt um Kunst und Kultur. Ziel ist, ganze Straßenzüge so zu entwickeln, dass unterschiedliche Angebote einander ergänzen und Menschen wieder in die Zentren ziehen.
Am Anfang steht für Peter Lang deshalb die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Stadt. Leerstände werden erfasst, Nutzungen geplant und mögliche Ankermieter identifiziert. Anschließend gilt es, die Eigentümer einzubeziehen. Gerade darin liegt eine der größten Herausforderungen: Unterschiedliche Interessen müssen zusammengeführt und tragfähige wirtschaftliche Konzepte für einzelne Gebäude entwickelt werden. Für diese Aufgabe kann die MCC auf ihre Erfahrung aus der Projektentwicklung zurückgreifen. Technische Planung und kaufmännische Kalkulation gehören ebenso dazu wie das Netzwerk zu Handelsunternehmen und Finanzierungspartnern. Der Ansatz ist komplexer als die Entwicklung eines einzelnen Einkaufszentrums: Statt einer Gesamtkalkulation können zahlreiche Einzelobjekte mit unterschiedlichen Eigentümern und Mietern zusammenkommen.
Handel trifft auf Kultur
Dass Peter Lang die Innenstadt heute anders betrachtet, hat auch persönliche Gründe. Vor rund 20 Jahren begann er, sich intensiver mit Kunst und sozialen Projekten auseinanderzusetzen. Aus Ausstellungen mit Werken benachteiligter Kinder entwickelte sich schließlich die Stiftung „Künstler helfen Kindern“. Kunst, Kultur und gesellschaftliches Engagement wurden für Peter Lang damit zunehmend wichtiger. Diese Erfahrung verbindet er heute mit seiner unternehmerischen Tätigkeit. Sein Vorbild sind lebendige europäische Städte, in denen Einkaufen, Wohnen, Gastronomie und Begegnung nicht voneinander getrennt sind. Diese Verbindung soll dafür sorgen, dass Innenstädte wieder Orte des gesellschaftlichen Lebens werden und nicht allein der Versorgung dienen. Entscheidend ist für Peter Lang, zunächst wieder ein attraktives Angebot zu schaffen. Denn nur wenn Menschen einen Grund haben, in die Zentren zurückzukehren, können dort langfristig neue Frequenz und wirtschaftlich tragfähige Strukturen entstehen. Seine Überzeugung bringt Peter Lang auf eine kurze Formel: „Sie müssen Mut zum Angebot haben.“







