Weit mehr als Catering
Interview mit Hubert Pirrung, Geschäftsführer der pirrung dienstleistungen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Pirrung, wie begann die Geschichte der pirrung Dienstleistungen GmbH und wie entstand daraus die heutige Unternehmensgruppe?
Hubert Pirrung: Während meines Maschinenbaustudiums arbeitete ich in der Gebäudereinigung, lernte das Handwerk von der Pike auf und absolvierte die Gesellen- und Meisterprüfung. Später beschäftigte ich mich intensiv mit der Optimierung von Krankenhausabläufen. 1999 gründete ich die pirrung Dienstleistungen GmbH und startete mit einem ersten Klinikkunden in die Selbstständigkeit. Kurz darauf entstand mit der Mensa Vitae die zweite Säule des Unternehmens. Ab 2009 bauten wir das Schulcatering auf und begannen mit rund 200 Essen täglich. Daraus entstand die Monsterlecker GmbH. Ein weiterer Meilenstein war 2020 der Kauf unserer zuvor gepachteten Immobilie. Als das dortige Betriebsrestaurant während der Coronapandemie schließen musste, entwickelten wir eine neue Nutzung für die große Fläche. Das daraus entstandene Restaurant eröffnete 2022 und erhielt 2024 einen Michelin-Stern.
Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?
Hubert Pirrung: Heute vereint die pirrung Unternehmensgruppe am Standort St. Ingbert vier Bereiche: Gebäudereinigung und Prozessberatung für Gesundheitseinrichtungen, Gemeinschaftsverpflegung, Schulcatering und Gastronomie. Unser Kerngeschäft ist das Schulcatering mit täglich mehr als 5.000 Essen. Damit zählt die Monsterlecker GmbH zu den größten Schulcaterern im Saarland. Zugleich gehörten wir bundesweit zu den ersten Anbietern mit einer Zertifizierung nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Insgesamt beschäftigen wir zwischen 150 und 170 Mitarbeiter und erzielen knapp 10 Millionen EUR Umsatz, davon rund 1 Million EUR im Dienstleistungsbereich. Gerade diese ungewöhnliche Bandbreite zeichnet uns aus.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Mitarbeiter und Unternehmenskultur?
Hubert Pirrung: Grundlage unserer Arbeit sind Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt und Toleranz. Führung funktioniert nur, wenn man diese Werte selbst vorlebt. Nach dem Modell der European Foundation for Quality Management haben wir in einem Klinikprojekt mit 80 Mitarbeitern selbstorganisierte Gruppen sowie Prämien- und Bonussysteme eingeführt. Dadurch stiegen Qualität und Zufriedenheit, während der Krankenstand auf unter 1% sank. Eine große Herausforderung bleibt die Personalgewinnung, insbesondere bei Reinigungskräften, Servicepersonal und Köchen.
Wirtschaftsforum: Wie treiben Sie die Digitalisierung im Unternehmen voran?
Hubert Pirrung: Für das Schulcatering haben wir eine eigene Software entwickeln lassen. Schulen bestellen ihre Essen digital; Produktionsdaten, Lieferantenbestellungen und Abrechnung werden automatisch erstellt. Auch Buchhaltung, Rechnungswesen und Ablage sind digitalisiert. Aktuell folgt das Lohnbüro mit Arbeitszeiterfassung per QR-Code und automatisierter Abrechnung. Dadurch reduzieren wir Verwaltungsaufwand und vermeiden Fehler.
Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie Nachhaltigkeit um?
Hubert Pirrung: Unsere Photovoltaikanlage am Standort St. Ingbert deckt mit 200 kWp rund 70% des Strombedarfs. Hinzu kommen Energierückgewinnung und Elektromobilität. Dort sind zudem eine Luftwärmepumpe sowie ein Batteriespeicher mit 250 kW und Smart Meter geplant. Im Restaurant beziehen wir viele Produkte aus einem Umkreis von 30 km, darunter Gemüse und Salate, teilweise in Bioqualität, sowie Süßwasserfische. Fleisch kaufen wir als ganze Tiere beziehungsweise halbe Rinder und verarbeiten es nach dem Nose-to-Tail-Prinzip vollständig.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?
Hubert Pirrung: Wir konzentrieren uns auf das Saarland; Messeauftritte spielen für uns keine Rolle. Meine beiden Töchter arbeiten in unterschiedlichen Bereichen im Unternehmen, die jüngere ist für das Marketing mitverantwortlich. Herausforderungen bleiben Personalmangel und Bürokratie. Trotz des Verlustes von 1,2 Millionen EUR durch die Insolvenz eines Klinikkunden und die Coronapandemie haben wir uns weiterentwickelt. Künftig wollen wir neben der Frischküche Cook-and-Chill-Verfahren weiterverfolgen. Sie sind energieeffizienter als Tiefkühlverfahren und ermöglichen größere Liefergebiete über Satellitenküchen. Weitere Schwerpunkte bleiben Prozessberatung und Nachhaltigkeit. Mich treiben unternehmerische Verantwortung, Optimismus und die Freude an besseren Abläufen an.










