Wo Patienten und Investoren gewinnen
Interview mit Simon Betty, CEO der Arcura Medical Properties

Wirtschaftsforum: Herr Betty, aus welchem Unternehmen ist Arcura Medical Properties hervorgegangen?
Simon Betty: Ursprünglich gehörten wir zur Northwest Healthcare Properties REIT (inzwischen Vital Infrastructure Property Trust) aus Kanada. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung wurde das europäische Geschäft an die US-amerikanische Investmentgesellschaft TPG verkauft, woraus Arcura Medical Properties hervorging. Die Menschen, die Immobilien und die Expertise sind weitgehend dieselben geblieben, wir treten heute aber mit einer neuen Marke, einer neuen Kapitalstruktur und einer eigenständigen Zukunftsstrategie auf.
Wirtschaftsforum: Worin besteht Ihr Kerngeschäft?
Simon Betty: Wir investieren in Gesundheitsimmobilien und betreiben diese aktiv. Unser Schwerpunkt liegt auf ambulanten medizinischen Zentren. Dort finden sich beispielsweise Arztpraxen, Apotheken, Diagnostikzentren, ambulante Operationszentren oder Therapieeinrichtungen. Unsere Überzeugung basiert auf zwei starken Trends: Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigt kontinuierlich, gleichzeitig werden immer mehr Behandlungen aus Krankenhäusern in ambulante Einrichtungen verlagert. Genau hier schaffen wir die passende Infrastruktur.
Wirtschaftsforum: Warum konzentrieren Sie sich auf Deutschland und die Niederlande?
Simon Betty: Gesundheitsimmobilien unterscheiden sich von klassischen Immobilienklassen. Man muss nicht nur den Immobilienmarkt verstehen, sondern auch das jeweilige Gesundheitssystem. Deutschland und die Niederlande verfügen über sehr entwickelte ambulante Versorgungsstrukturen. Beide Länder bieten stabile rechtliche Rahmenbedingungen und moderne Gesundheitssysteme, die ambulante Leistungen gezielt fördern. Deshalb sehen wir dort besonders attraktive Investitionsmöglichkeiten. Aktuell umfasst unser Portfolio Gesundheitsimmobilien im Wert von rund 400 Millionen EUR. Etwa 60% davon entfallen auf Deutschland und 40% auf die Niederlande. Langfristig wollen wir unser Portfolio durch Zukäufe, organisches Wachstum und weitere Marktchancen auf etwa die doppelte Größe ausbauen.
Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre wichtigsten Kunden?
Simon Betty: Unsere unmittelbaren Kunden sind medizinische Leistungserbringer. Das reicht von einzelnen Ärzten und Ärztinnen bis hin zu großen medizinischen Versorgungszentren. Gleichzeitig denken wir stets auch an die Patienten. Unser Ziel ist es, Gesundheitszentren zu schaffen, die leicht erreichbar, gut organisiert und angenehm nutzbar sind. Wenn Patienten und Ärzte zufrieden sind, profitieren letztlich alle Beteiligten.
Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen prägen den Markt derzeit?
Simon Betty: Die vergangenen Jahre waren für die Immobilienbranche insgesamt schwierig. Steigende Zinsen und hohe Energiekosten haben viele Unternehmen belastet. Gesundheitsimmobilien haben sich jedoch als besonders robust erwiesen. Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen wächst unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Das zeigt sich auch daran, dass die frühere Muttergesellschaft ihre Restrukturierung weitgehend über Immobilienverkäufe finanzieren konnte. Die hohe Qualität der Gesundheitsimmobilien hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz?
Simon Betty: KI ist für uns auf zwei Ebenen relevant. Intern nutzen wir sie bereits zur Effizienzsteigerung in verschiedenen Unternehmensprozessen. Noch spannender sind jedoch die Auswirkungen auf den Gesundheitsmarkt. Neue Technologien ermöglichen immer mehr Behandlungen außerhalb des Krankenhauses. Operationen, die früher mehrere Tage stationär erforderten, können heute oft ambulant durchgeführt werden. Dadurch steigt die Nachfrage nach modernen Gesundheitszentren erheblich. Wir sehen deshalb Technologie und KI als langfristigen Wachstumstreiber.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren?
Simon Betty: Neben unserem Wachstumskurs beschäftigen uns vor allem die Themen Nachhaltigkeit, Unternehmenskultur und operative Exzellenz. Im Immobiliensektor spielt ESG eine wichtige Rolle, deshalb investieren wir kontinuierlich in die nachhaltige Weiterentwicklung unserer Gebäude. Gleichzeitig wollen wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben und den Erwartungen neuer Generationen von Fachkräften gerecht werden. Mit aktuell 28 Mitarbeitenden verfügen wir über ein hoch spezialisiertes Team mit tiefem Know-how im Bereich Gesundheitsimmobilien. Dieses starke Fundament wollen wir nutzen, um unseren Mietern und Nutzern auch künftig erstklassigen Service und professionelle Betreuung zu bieten.
Wirtschaftsforum: Welche Botschaft möchten Sie den Lesern mitgeben?
Simon Betty: Gesundheitsimmobilien sind ein vergleichsweise junges Segment in Europa. Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer besseren, schnelleren und kostengünstigeren Gesundheitsversorgung. Wenn es gelingt, mehr Behandlungen in moderne ambulante Einrichtungen zu verlagern, profitieren Patienten, Gesundheitssysteme und Steuerzahler gleichermaßen. Genau daran arbeiten wir.









