Systemlieferant mit Kompetenz in Edelstahl

Interview mit Stephan Daiminger, Geschäftsführer der KUGEL Edelstahlverarbeitung GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Daiminger, zu Beginn unseres Gesprächs erzählen Sie uns doch bitte etwas zur Geschichte der KUGEL Edelstahlverarbeitung GmbH.

Stephan Daiminger: Gegründet wurde unser Unternehmen 1954. Den Einstieg in die Edelstahlproduktion für die Gastronomie haben wir 1969 vollzogen. Bis heute verarbeiten wir übrigens ausschließlich Edelstahl, Aluminium, Kupfer und Messing, also keinen Schwarzstahl. Ein weiterer Meilenstein ist das Thema Tiefziehen mit einer Anlage, wie es sie in Europa kein zweites Mal gibt. Wir haben eine 4.000-Tonnen-Presse mit automatischem Werkzeugwechsler. 1995 haben wir als weiteres Segment die Medizintechnik hinzugenommen. Dazu gehören Labor- und Pathologieausstattungen sowie die Ausrüstung von Krankenhäusern. Ein weiteres wichtiges Jahr ist 2001, in dem wir als Systemlieferant für die Schienen- und Fahrzeugtechnik gestartet sind. Wichtig ist auch 2012 die Übernahme unserer Firma durch das Unternehmen Blanco Professional, das wiederum zur Blank & Fischer Familienholding gehört. Für uns ist es ein großer Vorteil, unter dem Dach dieser familiengeführten Unternehmensgruppe mit über 8.300 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Milliarden EUR zu sein. 2020 erfolgte die Zertifizierung nach IRIS, einer speziellen Norm für die Bahntechnik.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihre heutige Struktur? Gibt es weitere Standorte außerhalb von Viechtach?

Stephan Daiminger: In Viech-tach haben wir zwei Werke: ein Hauptwerk, in dem sich auch die Verwaltung befindet, sowie einen zweiten, reinen Produktions-standort. Aktuell beschäftigen wir rund 120 Mitarbeiter und erwirtschaften etwa 20 Millionen EUR Umsatz. Nach Steigerungen in den vergangenen Jahren wollen wir diesen Umsatz stabil halten. Wir leben zu 80 bis 85% vom Objektgeschäft und von Sonderanfertigungen. Wir sind kein klassischer industrieller Serienfertiger. Deshalb sind für uns die vier unterschiedlichen Geschäftsfelder Railway, Medical mit Labor- und Pathologieausstattung, Catering und Industrial sehr wichtig, da wir damit Schwankungen untereinander leichter ausgleichen können.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr persönlicher Werdegang im Unternehmen aus?

Stephan Daiminger: Ich bin seit 2016 bei KUGEL, war zunächst Technischer Leiter und bin seit 2018 Geschäftsführer. Dabei kümmere ich mich sowohl um das operative wie auch um das strategische Geschäft. Mir ist es sehr wichtig, den Zugang zur Basis nicht zu verlieren und auch weiterhin das ʻRauschenʼ in der Produktion wahrzunehmen. Dabei darf man jedoch nie den Markt aus dem Blick verlieren und muss die Trends der Zukunft stets beobachten. Dazu gehört eben auch die stetige Erweiterung der Geschäftsfelder, so wie wir es in der Vergangenheit auch gemacht haben.

Wirtschaftsforum: Wo liegen die zukünftigen Schwerpunkte von KUGEL?

Stephan Daiminger: Die gehen in Richtung Catering, also Küchenmobiliar, Speisenausgabe und Ähnliches. Hier wollen wir uns vom Fertiger von Einzelteilen in Richtung Modulproduzent entwickeln. In unserem Geschäftsfeld Railway machen wir das schon. Wir liefern also nicht nur das bearbeitete Blech, sondern auch die komplette Elektro-, Kälte- und Wassertechnik. Das gesamte System kommt von KUGEL. Das wollen wir auch auf andere Bereiche ausdehnen. Das Gleiche gilt für die Digitalisierung, die auch immer wichtiger wird.

Wirtschaftsforum: Nennen Sie uns doch bitte ein paar Referenzprojekte und Ihre Zielgruppen.

Stephan Daiminger: Gerne. Wir statten gerade den ICE 4 der Deutschen Bahn mit dem Bordbistro aus. Beim Catering beliefern wir Hotels, Brauereien und Gastronomie. Die Sparte Industrial ist breit gefächert. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Lebensmittelbranche.

Wirtschaftsforum: Welchen Stellenwert hat Marketing für Sie?

Stephan Daiminger: Hier wollen wir etwas mehr tun als in der Vergangenheit. Ich persönlich halte individuelle Kontakte jedoch für wichtiger als Onlinekommunikation. Damit werden wir gerade überschwemmt.

Wirtschaftsforum: Was sind für Sie die Stärken von KUGEL?

Stephan Daiminger: Die Qualität muss stimmen. Das ist die wichtigste Voraussetzung. Außerdem setze ich auf klassische Werte wie Ehrlichkeit und Vertrauen. Hier muss das gesprochene Wort Bestand haben. Außerdem haben wir eine gute Unternehmenskultur mit zufriedenen Mitarbeitern.

Wirtschaftsforum: Und wie sieht die Zukunft der KUGEL Edelstahlverarbeitung aus?

Stephan Daiminger: Automatisierung und Digitalisierung sind für mich ebenso Themen der Zukunft wie Marketing und Vertrieb. Mir geht es um eine nachhaltige und stabile Entwicklung des Unternehmens sowie die Etablierung von KUGEL als Marke.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Wenn die Schranke hinter einem zufällt, beginnt die Ruhe“

Interview mit Niels Stein, Geschäftsführer der Naherholungspark Arnumer See GmbH & Co. KG

„Wenn die Schranke hinter einem zufällt, beginnt die Ruhe“

Ein See, entstanden aus einer ehemaligen Kiesgrube. Ein Campingplatz, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Und ein Ort, der heute für viele Menschen mehr ist als ein Ferienziel – eher ein…

Wert schaffen, wenn der Markt bremst

Interview mit Benjamin Johansson, Vorstand der GIEAG Immobilien AG

Wert schaffen, wenn der Markt bremst

Projektentwickler stehen seit Jahren unter Druck: Zinsen, Baukosten, geopolitische Unsicherheiten und ein deutlich vorsichtigerer Investmentmarkt haben die Spielregeln verändert. Für die GIEAG Immobilien AG ist diese Phase vor allem eines:…

Heimatverbunden. Zukunftsorientiert. Technikbegeistert!

Interview mit Florian Heckmeier, Geschäftsführer der Heckmeier Gebäudetechnik GmbH

Heimatverbunden. Zukunftsorientiert. Technikbegeistert!

Ein Familienunternehmen in 3. Generation steht nicht nur für Beständigkeit, sondern auch für gelebte Werte, Erfahrung und Innovationskraft. Seit vielen Jahren verbindet die Heckmeier Gebäudetechnik GmbH traditionelles Handwerk mit zukunftsorientierter…

Spannendes aus der Region Landkreis Regen

Von der Landwirtschaft bis zum  internationalen Konzern – alles aus einer Hand bei Wolf System

Interview mit Georg Wenzl, Geschäftsführer, der Wolf System GmbH

Von der Landwirtschaft bis zum internationalen Konzern – alles aus einer Hand bei Wolf System

Die Wolf System GmbH startete in den 1960er-Jahren mit Betonsilos für die Landwirtschaft. Heute ist das Unternehmen mit 1.450 Mitarbeitern einer der größten Komplettanbieter im Bausektor. Geschäftsführer Georg Wenzl erklärt…

Die nächste Evolution der Verpackung

Interview mit Lubomir Kroupa, COO der NEXTPACK AG

Die nächste Evolution der Verpackung

Die Notwendigkeit, praktische Alternativen zu Transportverpackungen aus Kunststoff zu finden, ist dringlicher denn je. Um die Gesamtmenge an produziertem Plastik zu reduzieren und zu einem kreislauforientierten System überzugehen, müssen Unternehmen…

Mehr als klassische Maklerei

Interview mit Tobias Sachse, Geschäftsführer der Living Immo Lizenz Partner GmbH

Mehr als klassische Maklerei

Der Immobilienmarkt hat sich gewandelt – doch nicht jeder hat es bemerkt. Während ein Großteil der Branche am gewohnten Modell festhält, setzt Tobias Sachse auf radikale Transparenz und digitale Intelligenz.…

Das könnte Sie auch interessieren

Die Formel für nachhaltiges Wachstum

Interview mit Marcus Acker, Geschäftsführer der Imhoff & Stahl GmbH

Die Formel für nachhaltiges Wachstum

Die Chemiedistribution ist das verbindende Glied zwischen Herstellern und Industrie. Sie sorgt dafür, dass chemische Rohstoffe sicher, flexibel und termingerecht dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden – in nahezu allen…

Futuristische Fassaden im Bau

Interview mit Jürgen Zinka, Geschäftsführer der MBM Metallbau Mörtl GmbH

Futuristische Fassaden im Bau

Kaum ein anderer Materialmix entspricht der modernen Bauästhetik so gut wie Stahl, Glas und Aluminium. In diesem Bereich punktet die MBM Metallbau Mörtl GmbH, ein traditionsreicher Familienbetrieb, durch eine Kombination…

Wenn Edelstahl auf Zukunftsfragen trifft

Interview mit Lars Schoch, Geschäftsführer der Schoch Edelstahl GmbH

Wenn Edelstahl auf Zukunftsfragen trifft

Die deutsche Industrie steht vor gewaltigen Herausforderungen: Globalisierung, Digitalisierung und disruptive Technologien verändern jahrhundertealte Geschäftsmodelle. Wie ein mittelständisches Unternehmen aus dem Schwarzwald diesen Wandel aktiv gestaltet, erklärt Lars Schoch, geschäftsführender…

TOP