Infrarot kann mehr als trocknen
Interview mit Udo Gielen, geschäftsführender Gesellschafter der Kreyenborg GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Gielen, Kreyenborg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Welche Entwicklungsschritte waren besonders wichtig und wie kamen Sie zum Unternehmen?
Udo Gielen: Gegründet wurde Kreyenborg 1953 in Münster und hat zunächst Hammerschlagmühlen sowie Silos und Mischer für die Landwirtschaft gebaut. Mitte bis Ende der 1960er-Jahre erfolgte der Schritt in die Kunststoffindustrie. Mit Schmelzefiltration, Siebwechslern, Ventilen und später Schmelzepumpen sowie Unterwassergranulierung haben wir uns international einen Namen gemacht. 2003 kam die Infrarottechnologie hinzu. Ein wichtiger Einschnitt kam 2013, als große Teile des damaligen Geschäfts verkauft wurden. Die Infrarottechnologie und der Behälterbau verblieben bei Kreyenborg, und Senden wurde zum Hauptstandort unseres Maschinenbauunternehmens. Ich selbst habe 1999 bei BKG, damals Teil der Kreyenborg-Gruppe, als Elektriker in der Fertigung angefangen und Anlagen verkabelt.
Parallel zur Arbeit habe ich mich kontinuierlich weitergebildet und schließlich meinen Master gemacht. Anfang 2023 bin ich Geschäftsführer geworden, seit Ende 2024 bin ich zudem Gesellschafter. Das war ein langer Weg, aber heute hilft mir enorm, dass ich das Unternehmen und unsere Technik auch aus der Fertigung kenne.
Wirtschaftsforum: Wie ist Kreyenborg heute aufgestellt?
Udo Gielen: Wir beschäftigen rund 60 Mitarbeiter, davon sind etwas mehr als 10% Auszubildende. Ausbildung war bei Kreyenborg immer wichtig. Gleichzeitig verfügen wir über eine sehr hohe Fertigungstiefe. Vom angelieferten Blech über Laserschneiden, Kanten und Schweißen bis zur fertigen Maschine können wir sehr viel selbst herstellen. Das macht uns flexibel und ist eine unserer großen Stärken.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Infrarottechnologie heute?
Udo Gielen: Mit unseren Infrarotsystemen können wir Materialien trocknen, kristallisieren und dekontaminieren. Beim PET-Recycling geht es beispielsweise darum, das Material so aufzubereiten, dass es wieder für hochwertige Anwendungen bis hin zu Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden kann. Dafür müssen hohe regulatorische Anforderungen erfüllt werden. Unser Anspruch ist, Recyclingmaterial qualitativ so weit wie möglich an Neuware heranzubringen.
Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation?
Udo Gielen: Kunststoff und insbesondere Recycling schwächeln momentan deutlich. Recycling verursacht feste Kosten für Sammlung, Zerkleinerung, Reinigung und Aufbereitung. Ist Neuware aufgrund niedriger Rohstoffpreise günstig, gerät Recycling wirtschaftlich unter Druck. Verbindliche Rezyklatanteile können deshalb auch eine Chance sein. Dann steigt der Bedarf an Technologien, mit denen Recyclingmaterial hochwertig aufbereitet werden kann, wie mit unserer Infrarottechnik.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat vor diesem Hintergrund Ihr zweites Standbein im Lebensmittelbereich?
Udo Gielen: Wir haben festgestellt, dass unser Infrarotprozess auch bei Lebensmitteln wie Kräutern, Gewürzen oder Nüssen sehr gut funktioniert. Seit 2013 haben wir diesen Bereich systematisch entwickelt, 2016 erfolgte der Markteintritt. Dabei geht es neben der Trocknung vor allem um Keimreduktion. Naturprodukte können mit Keimen und Sporen belastet sein. Unser Prozess reduziert diese Belastung, während das Produkt schonend behandelt wird. Der Lebensmittelbereich hat sich inzwischen zu einem sehr guten zweiten Standbein entwickelt und konnte zuletzt die Schwäche des Kunststoffmarktes gut ausgleichen.
Wirtschaftsforum: Wie international ist Ihr Geschäft?
Udo Gielen: Unser Schwerpunkt liegt in Europa, insbesondere im DACH-Raum. Unsere Anlagen stehen aber auf allen Kontinenten. Wir sind unter anderem in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien vertreten. Als Mittelständler brauchen wir dafür gute Vertretungen und Netzwerke. Kongresse, Verbände und Messen sind deshalb wichtig. Wir sind im Jahr auf rund 20 Veranstaltungen unterwegs.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI?
Udo Gielen: Wir haben uns Anfang dieses Jahres entschieden, eine eigene KI aufzubauen. Parallel entwickeln wir mit unserem internen Wiki eine Wissensdatenbank. Dieses Wissen soll künftig für Service, Technik, Fertigung, Vertrieb und Marketing schneller verfügbar sein. Außerdem haben wir ein eigenes Datenlogging-System entwickelt, mit dem Prozessdaten über längere Zeiträume verfolgt werden können. Das eröffnet uns künftig auch neue Möglichkeiten für KI-Anwendungen.
Wirtschaftsforum: Was planen Sie für die Zukunft?
Udo Gielen: Wir wollen wachsen und den Standort Senden stärken. Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, aber wir investieren trotzdem. Wir haben unser Bürogebäude modernisiert und bauen derzeit ein deutlich größeres Kunststofftechnikum auf. Statt bisher rund 100 m2 werden uns dort künftig etwa 450 m2 zur Verfügung stehen. Daneben verfügen wir über ein eigenes Lebensmitteltechnikum. Zusätzlich befinden wir uns im Genehmigungsprozess für eine neue Lagerhalle mit rund 1.200 m2. Und mit Ersatzteilen für die Unterwassergranulierung bauen wir derzeit eine bereits vertraute Sparte wieder auf. Wir wollen unsere Produkte kontinuierlich weiterentwickeln und die Chancen nutzen, die sich aus neuen Anforderungen ergeben. Stillstand wäre für uns der falsche Weg.










