„Überall, wo Drähte verarbeitet werden, sind wir zu Hause“
Interview mit Martin Zeiher, Geschäftsführer der Zorn Maschinenbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Zeiher, ursprünglich ging Ihr heutiges Unternehmen aus einer Glühlampenfabrik hervor, die 1951 an Ihrem Standort in Stockach gegründet wurde.
Martin Zeiher: Damals wurden hier kleine und hochpräzise Miniaturglühlampen hergestellt, die vor allem in der Medizintechnik zum Einsatz kamen, insbesondere in der Diagnostik und Endoskopie. In den vergangenen Jahrzehnten bekamen diese Produkte natürlich zunehmend Konkurrenz durch LEDs, der man sich aber bis 2025, als der Betrieb schließlich eingestellt wurde, recht gut erwehren konnte. Denn unsere Glühlampen bildeten ein ganz anderes Lichtfarbenspektrum als LEDs ab, wodurch gewährleistet war, dass es bei der Diagnostik zu keinerlei Verfälschungen kam.
Wirtschaftsforum: Wie entstand vor diesem Hintergrund die eigene Sondermaschinenbauabteilung?
Martin Zeiher: Für die Herstellung der extrem dünnen Drähte, die in unseren Glühlampen verbaut wurden, waren spezielle Vorrichtungen erforderlich, die mit diesen besonderen Anforderungen gut zurechtkamen – schließlich sind diese Drähte viermal dünner als ein menschliches Haar. Das entsprechende Miniaturisierungs-Know-how ist jedoch bis heute nicht breit im Markt verfügbar, offensichtlich weil sich nicht viele Unternehmen mit den damit einhergehenden diffizilen Herausforderungen beschäftigen möchten. Als in den 1980er-Jahren die Dentallampe zur Beleuchtung von Zahnarztbohrern aufkam, die in riesigen Stückzahlen gebaut werden musste, wurden zu ihrer Produktion sehr kleine Montageautomaten benötigt. Dazu wurde Zorn Maschinenbau gegründet. Daneben haben wir schnell auch für viele Unternehmen gearbeitet, die etwa Anschlussdrähte für Lösungen in der Sensortechnologie von uns beziehen wollten – ein Marktfeld, das wir bis heute bedienen.
Wirtschaftsforum: Wo liegt inzwischen der Schwerpunkt Ihrer Unternehmenstätigkeit?
Martin Zeiher: Überall, wo Drähte verarbeitet werden, sind wir zu Hause, insbesondere wenn es sich dabei um besonders dünne, filigrane Anwendungen handelt, die nicht viele andere Marktteilnehmer bedienen. Neben der Medizintechnik beliefern wir auch viele Kunden aus der Schweizer Uhrenindustrie, die jedoch leider schon seit etlichen Jahren eine schwere Krise durchlebt. Daneben zählen zahlreiche Hersteller von Elektronikartikeln zu unserem Kundenkreis – ein Marktfeld, das wir nicht zuletzt durch unsere starke Muttergesellschaft gut kennen, von der Zorn Maschinenbau 2013 übernommen wurde: Denn die inoptron Schaltnetzteile GmbH aus dem nur wenige Kilometer entfernten Hilzingen ist mit 250 Mitarbeitenden und einer langen Tradition als Familienunternehmen eine feste Größe im Netzteilemarkt.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die aktuelle Marktlage?
Martin Zeiher: Wir sind in den letzten zehn Jahren von knapp 20 Mitarbeitenden auf eine inzwischen fast 80 Personen umfassende Belegschaft angewachsen. Schon daran lässt sich erkennen, dass wir die gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen der letzten Jahre von der Coronakrise bis zur lang anhaltenden Rezession bisher gut überstanden haben. Eine wichtige Erfolgsgrundlage liegt sicherlich in unseren vielen langjährigen Bestandskunden, mit denen wir teilweise schon seit 40 Jahren zusammenarbeiten. Gleichzeitig profitieren wir von der starken Mundpropaganda in unserer Branche: Wer auf der Suche nach komplexen Lösungen ist, die andere nicht anbieten können, stößt meist irgendwann auf uns.
Wirtschaftsforum: Worauf möchten Sie nun die Erfolgsgeschichte der Zukunft aufbauen?
Martin Zeiher: Wir sind einer der wenigen Marktteilnehmer, die Zerspanungs- und Montagelösungen in einer perfekten Verknüpfung anbieten können. Bisher wurden die entsprechenden Teile beim Kunden vielfach gefräst, zerspant, dann gewaschen und anschließend ins Lager gebracht, von wo aus sie irgendwann in die Montage gelangten. Wir versuchen, die dabei anfallenden Arbeitsschritte so weit wie möglich zu eliminieren, damit die Produkte von der Zerspanung direkt zum nächsten Weiterverarbeitungsschritt gelangen können, um so Zeit und Aufwand zu sparen.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt eine gute Nachhaltigkeitsbilanz für Sie und Ihre Kunden?
Martin Zeiher: Vor zehn Jahren waren wir die Ersten im Markt, die eine so kleine Mikrozerspanungsmaschine wie die unsere angeboten haben. Darüber wurde bisweilen auch geschmunzelt, denn in der Werkzeugmaschinenbranche mag man es gern groß, schwer und laut. Doch Platzbedarf und Stromverbrauch spielen heute eine viel größere Rolle als damals, und genau an dieser Stelle können unsere kleinen Anlagen punkten. Daneben wurden uns bereits mehrere Umweltpreise verliehen, etwa vom Landkreis Konstanz sowie vom Land Baden-Württemberg für unsere kleine Fräsmaschine wegen ihres sehr geringen Stromverbrauchs.
Wirtschaftsforum: Die Anforderungen Ihrer Kunden werden immer komplexer. Wie stellt sich Zorn Maschinenbau darauf ein?
Martin Zeiher: Heute wird selbst die Produktion vieler Kleinserien automatisiert, mit ebenfalls automatisierten Rüstvorgängen an den entsprechenden Maschinen. Dafür müssen wir natürlich sinnvolle Lösungen bereithalten. Ebenso müssen unsere Kunden allein schon aufgrund der Vorschriften der Medizinprodukterichtlinie alle Vorgänge in den Anlagen kleinteilig dokumentieren, wofür wir entsprechende Daten bereitstellen. Auch deshalb werden die Lastenhefte, die wir befolgen müssen, immer dicker – die immer weiter zunehmende Bürokratisierung wird damit nicht allein vom Staat, sondern auch von manchen Unternehmen getrieben. Da müssten wir uns alle auch einmal an der eigenen Nase fassen und genau überlegen, ob jede Vorschrift wirklich nötig ist.









