Gebäude mit Wohlfühlatmosphäre

Interview mit Leo W. A. de Man, Geschäftsführer der Kondor Wessels Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr de Man, auf welches Segment im Baubereich konzentrieren Sie sich?

Leo W. A. de Man: Mit 80% Anteil am Gesamtgeschäft ist Wohnungsbau unser wichtigstes Standbein. Dabei sind wir ganz breit aufgestellt. Zu unserem Portfolio gehören kleine Wohnungen für Studenten, gewerbliches Wohnen für Wohnen auf Zeit und Single- sowie Familienwohnungen, sozialer Wohnungsbau, Generationen-Wohnen oder Hotels.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns einige Projektbeispiele aus dem Wohnungsbau.

Leo W. A. de Man: Hier in Berlin haben wir zum Beispiel die gesamte Stadtquartiersentwicklung am Anhalter Bahnhof verantwortet. Dort entstanden 235 Wohneinheiten und eine Kita. Mit dem daran anschließenden PULSE Projekt haben wir zudem 12.000 m² Bürofläche realisiert.

Es handelt sich dabei um ein Cradle-to-Cradle-Gebäude, nachhaltig konzipiert und mit einem Wärmerückgewinnungssystem ausgestattet. Ein Projekt ganz anderer Art ist das Hochhaus am Alexanderplatz. Es besteht aus zwei Türmen, von denen einer im Bestand war. Wir haben vier Geschosse in die Tiefe gebaut und 30 nach oben. Die Fassade wurde mithilfe eines Roboters erstellt. Im Westend von Offenbach am Main, auf dem Gelände einer ehemaligen Seifenfabrik, haben wir 320 Wohnungen gebaut. Damit haben wir eines der größten Wohnungsbauprojekte in Offenbach der vergangenen Jahre realisiert. Das Projekt hat der Stadt einen wichtigen Investment-Schub gegeben.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns auch Beispiele aus dem gewerblichen Bereich nennen?

Leo W. A. de Man: Auch hier sind wir offen für alles. Aktuell haben wir ein Hotel am Potsdamer Hauptbahnhof im Bau. Hier müssen wir besonders schnell sein, da eine Gewerbefläche von rund 30.000 m² dazugehört und die Shops dort bald öffnen möchten. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von rund 64 Millionen EUR und die technischen Anforderungen sind sehr hoch. Zudem arbeiten wir an einem Bürokomplex in Wuppertal. Auch dieses Projekt hat ein Volumen von fast 60 Millionen EUR. Der Komplex liegt an der Wupper und ihn zeichnet seine besondere Fassade aus. Ebenfalls involviert sind wir in ein Projekt mit der Adler-Gruppe. Hier entwickeln wir 45.000 m² Wohnen und Gewerbe, 22.500 m² Büros, Einzelhandel und Wohnungen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Ihren Projekten?

Leo W. A. de Man: Wir stellen uns dem Thema, das müssen wir. In den letzten Jahren sind die Baukosten massiv gestiegen. Sie werden erst wieder runtergehen, wenn ein Überangebot vorhanden ist. Auch die Grundstückspreise werden irgendwann wieder sinken. Diese Entwicklungen werden sich allerdings noch verzögern. Was das Thema Energie angeht, bauen wir unsere Wohnungen im Passivbereich, sodass die Betriebskosten für die Inhaber und Mieter sinken. Bei den laufenden Projekten arbeiten wir mit Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerken. Bei einem aktuellen Projekt in Berlin-Köpenick haben wir auch ein Blockheizkraftwerk im Einsatz. Die Anlage erzeugt selbst Strom und kann zu 75% mit Wasserstoff betrieben werden. Hier geht es verstärkt um Wohlfühlqualität. Zurzeit kaufen wir zudem ein Grundstück bei Düsseldorf, auf dem wir komplett energieautark werden wollen, mithilfe von Wasserstoff und Geothermie.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Kondor Wessels von anderen Anbietern? Warum kommen die Kunden zu Ihnen?

Leo W. A. de Man: Uns gibt es schon lange am Markt und wir haben den Ruf, Qualität zu bauen und zuverlässig zu sein. Wir entwickeln nicht nur, sondern bauen auch selbst. Im Grunde können wir Projekte gänzlich aus einer Hand anbieten. Das gibt den Auftraggebenden Sicherheit. Sicherheit wird ein immer wichtigeres Thema in unserem Bereich. Wir gehen mit dem Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden sorgfältig um. Das gilt auch für unser Partnernetzwerk. Wenn es ein Problem gibt, dann streiten wir nicht, sondern suchen eine Lösung.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre wichtigen Themen für die nächsten Monate?

Leo W. A. de Man: Im Moment ist es aufgrund der aktuellen politischen und gesamtwirtschaftlichen Situation kaum möglich, weit vorauszuplanen. Wir erwarten zwar eine rückläufige Tendenz am Markt bis mindestens 2025, aber irgendwann wird es wieder bergauf gehen. Bis dahin nutzen wir die Zeit, die laufenden Projekte abzuarbeiten, die Digitalisierung bei uns voranzubringen und unsere Prozesse zu optimieren. Wichtig ist für uns, unsere Mitarbeitenden zu halten. Unsere Mitarbeitenden sind unser höchstes Gut.

Wirtschaftsforum: Welche Marktposition streben Sie langfristig an?

Leo W. A. de Man: Langfristig möchten wir die Marktposition, die wir in Berlin haben, auch in NRW erreichen. Auch in Frankfurt und Dresden werden wir wachsen und uns als fachlicher Partner am Markt weiter etablieren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Interview mit Davut Deletioglu, Geschäftsführer und Max Deletioglu, Verantwortlich für Betriebskonzepte und Nachhaltigkeitsstrategien der 3iPro GmbH

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Zwischen Konversion, Nachhaltigkeit und neuen Arbeitswelten entstehen in Mannheim Immobilienprojekte mit Vorbildcharakter. Wie die 3iPro GmbH ökologische Standards frühzeitig in die Planung integriert und welche Perspektiven sich daraus ergeben, erläutern…

Vertrauen schaffen im Hoch- und Tiefbau

Interview mit Felix Klingsbigl, Geschäftsführer der Klingsbigl GmbH

Vertrauen schaffen im Hoch- und Tiefbau

Während der Wohnungsbau aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen weitgehend brachliegt, kann sich die Klingsbigl GmbH im Industrie- und Tiefbau dank bestehender Rahmenverträge und eines beständigen Investitionsbedarfs ihrer Auftraggeber weiterhin auf eine…

Wo Visionen Altbau treffen

Interview mit Andreas und Lenka Hauzel, Geschäftsführer der Plan Werk GmbH

Wo Visionen Altbau treffen

In vielen europäischen Metropolen trifft Wohnungsknappheit auf einen alternden Gebäudebestand. Gerade in Städten wie München zeigt sich, wie anspruchsvoll die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und städtebaulicher Qualität geworden ist. Die…

Spannendes aus der Region Berlin

Sicher ans Ziel: Die Zukunft der Mobilität gestalten

Interview mit Thomas Mohnke, Senior Executive Partner der SafeDriver Group GmbH

Sicher ans Ziel: Die Zukunft der Mobilität gestalten

Was ist angenehmer oder luxuriöser, als sich von jemandem fahren zu lassen? Die ­SafeDriver Group GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau dieses Gefühl von Komfort und Luxus in…

Sammeln aus Leidenschaft – investieren mit System

Interview mit Malte Häusler, Mitgründer und Geschäftsführer von Timeless Investments

Sammeln aus Leidenschaft – investieren mit System

Collectibles galten lange als Spielwiese wohlhabender Sammler – heute werden Sneaker, Uhren oder Kunst zur Anlageklasse. Das Berliner Fintech Timeless Investments, betrieben von der New Horizon GmbH, öffnet diesen Markt…

Boutique statt Behäbigkeit

Interview mit Christian Saxenhammer, CEO der Saxenhammer Corporate Finance GmbH

Boutique statt Behäbigkeit

Wenn Übernahmen, Nachfolge oder Finanzierung anstehen, brauchen mittelständische Unternehmen vor allem eines: Orientierung – und eine Beratung, die Tempo mit Präzision verbindet. Die Saxenhammer Corporate Finance GmbH positioniert sich als…

Das könnte Sie auch interessieren

Modulbau statt Massivbau

Interview mit Stefan Stein, Geschäftsführer der Portakabin Mobilraum GmbH und der Portakabin Produktions GmbH

Modulbau statt Massivbau

Vom Baucontainer zum nachhaltigen Gebäude: Die Portakabin Mobilraum GmbH wandelt sich vom klassischen Vermieter temporärer Baulösungen zum innovativen Anbieter modularer Architektur. Mit 135 Mitarbeitern an sieben deutschen Standorten und einer…

Nachhaltig bauen, klar führen

Interview mit Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer ROSENTRITT

Nachhaltig bauen, klar führen

Der Immobilienmarkt in Deutschland erlebt derzeit seine wohl tiefgreifendste Transformation seit Jahrzehnten: gestiegene Zinsen, Baukosten auf Rekordniveau und Käufer, die sich zurückhalten. Während viele Entwickler Projekte pausieren, geht ROSENTRITT einen…

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Interview mit Prof. Ulf Hestermann, Gründungspartner, Architekt, & Stadtplaner BDA und Michael Rommel, Partner, Architekt & Bauingenieur BDA der hks | architekten GmbH

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Seit mehr als vier Jahrzehnten steht hks architekten für eine Architektur, die Verantwortung übernimmt – für Menschen, Ressourcen und Prozesse. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum erläutern Prof. Ulf Hestermann und Michael…

TOP