Sauberkeit mit Seele: Hauptstadt Glanz definiert Verantwortung neu

Interview mit Ali-Moussa Khoder, Geschäftsführer und Rana Al-Shibli, Assistenz der Geschäftsleitung der Hauptstadt Glanz GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Khoder, Hauptstadt Glanz hat in den letzten Jahren einen umfassenden Wandel durchlaufen. Was waren die Beweggründe für diese Veränderung?

Ali-Moussa Khoder: Wir haben nicht nur unseren Namen in Hauptstadt Glanz geändert, sondern auch unser Konzept überdacht. Im Kern geht es uns um soziale Förderung. Berlin hat den größten Pool an Flüchtlingen in Deutschland und wir sehen es als unsere Aufgabe, diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen eine echte Chance zu geben. Das ist das Herzstück von Hauptstadt Glanz.

Wirtschaftsforum: Frau Al-Shibli, Sie sind relativ neu im Unternehmen. Welche Rolle spielen Sie bei der Umsetzung dieser Vision?

Rana Al-Shibli: Meine Hauptaufgabe ist es, unsere digitale Transformation voranzutreiben, insbesondere auf Plattformen wie Instagram und TikTok. Ziel ist es, Wertschätzung für unsere Mitarbeiter zu schaffen und ein neues Publikum zu erreichen. Wir wollen hier denjenigen eine Stimme geben, die bisher oft übersehen wurden.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach einem ambitionierten Projekt. Wie finanzieren Sie diese Initiativen?

Ali-Moussa Khoder: Wir haben 189.000 EUR in die Integration unserer Arbeitskräfte investiert. Diese Investition wurde zum Teil durch den Verzicht unserer Mitarbeiter auf Gehaltserhöhungen und durch den Stop aller weiteren Investitionen ermöglicht. Es ist beeindruckend zu sehen, wie unsere Belegschaft dieses Projekt mitträgt. Leider wurden die Fördermittel in Höhe von 102.000 EUR von der Agentur für Arbeit nicht bewilligt. 

Wirtschaftsforum: Frau Al-Shibli, Sie erwähnten die Herausforderungen für junge Menschen. Wie gehen Sie speziell auf die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen ein?

Rana Al-Shibli: Unser Team reicht von jungen Berufseinsteigern bis zu erfahrenen Kräften über 60. Ältere Mitarbeiter haben oft gesundheitliche Herausforderungen, während bei Flüchtlingen aus Syrien oder der Ukraine Sprachbarrieren im Fokus stehen. Wir setzen Dolmetscher ein und unterstützen bei alltäglichen Aufgaben wie dem Ausfüllen von Anträgen.

Wirtschaftsforum: Herr Khoder, wie sieht Ihre Strategie zur Inte-gration von Menschen mit Handicap aus?

Ali-Moussa Khoder: Mehr als 50% unserer Belegschaft hat ein Sprachdefizit aufgrund des Migrationshintergrunds. Viele von ihnen hatten zuvor nie gearbeitet. Wir versuchen, jeden Menschen individuell zu verstehen und den richtigen Zugang zu finden. In über 90% der Fälle gelingt uns das. Von 120 Mitarbeitern konnten 108 von uns übernommen werden. Es ist ein herausfordernder, aber für die Zukunft sehr lohnender Prozess.

Wirtschaftsforum: Wie wirkt sich dieser integrative Ansatz auf Ihre Unternehmenskultur aus?

Rana Al-Shibli: Wir geben unseren Mitarbeitern Raum und Zeit, sich zu entwickeln. Unser Objektleiter bietet besondere Begleitung direkt vor Ort. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen entwickeln. Etwa 70% unserer Mitarbeiter waren vorher nicht berufstätig. Wir fördern sie so, dass sie entweder bei uns bleiben oder sich anderweitig weiterentwickeln können. Durch die Integration der Mitarbeiter können wir unsere Verträge erfüllen und neue Aufträge annehmen.

Wirtschaftsforum: Frau Al-Shibli, wie sehen Sie die Zukunft von Hauptstadt Glanz?

Rana Al-Shibli: Ich sehe großes Potenzial, gerade weil wir uns nicht nur auf Zahlen konzentrieren, sondern auf die Menschen. Meine Familie ist ebenfalls geflüchtet. Diese Erfahrung motiviert mich, Grundlagen zu schaffen und etwas zu bewegen. Viele Unternehmen verlieren ihre soziale Ader – wir wollen das Gegenteil. Dadurch sind wir für die Zukunft neu aufgestellt, denn ohne Mitarbeiter keine Aufträge.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Resortkonzept mit System

Interview mit Susanne Adrian, General Manager der Marissa GmbH

Resortkonzept mit System

Urlaub im eigenen Land ist gefragter denn je – mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Erwartungen. Gäste wünschen sich mehr als nur eine Ferienunterkunft: Qualität, Flexibilität und ein echtes…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Partner statt Flächenvermieter

Interview mit Daniela Mühlen, Geschäftsbereichsleiterin Kommunikation & Werbung, und Israel Giese, Geschäftsbereichsleiter Finanzen & Verwaltung der MESSE ESSEN GmbH

Partner statt Flächenvermieter

Die Messebranche hat turbulente Jahre hinter sich. Pandemie, Digitalisierung, wirtschaftspolitische Herausforderungen – und dennoch meldet die MESSE ESSEN Rekordzahlen. Wie gelingt wirtschaftliche Stabilität in unsicheren Zeiten? Und warum ist ausgerechnet…

Spannendes aus der Region Berlin

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Interview mit Anders Sjöberg, Geschäftsführer der Saab Deutschland GmbH

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Softwaregesteuerte Systeme, künstliche Intelligenz und autonome Plattformen definieren die Zukunft der Sicherheitstechnologie neu. Gleichzeitig zwingt die veränderte geopolitische Lage Europa, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Die Saab…

Sammeln aus Leidenschaft – investieren mit System

Interview mit Malte Häusler, Mitgründer und Geschäftsführer von Timeless Investments

Sammeln aus Leidenschaft – investieren mit System

Collectibles galten lange als Spielwiese wohlhabender Sammler – heute werden Sneaker, Uhren oder Kunst zur Anlageklasse. Das Berliner Fintech Timeless Investments, betrieben von der New Horizon GmbH, öffnet diesen Markt…

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Interview mit Jürgen Besler, Geschäftsführer der infrest Infrastruktur eStrasse GmbH

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Die infrest Infrastruktur eStrasse GmbH hat sich in den letzten 14 Jahren als führender Anbieter von Leitungsauskunftsdienstleistungen in Deutschland etabliert. Mit über 18.600 erfassten Infrastrukturnetzbetreibern und mehr als 6,5 Millionen…

Das könnte Sie auch interessieren

Effiziente und nachhaltige Textillösungen

Interview mit Beate Schäfer, Geschäftsführerin der Schäfer Mietwäsche Service GmbH

Effiziente und nachhaltige Textillösungen

In vielen Branchen, von Hotellerie und Gastronomie bis hin zu Industrie und Gesundheitswesen, ist saubere, qualitativ hochwertige Wäsche ein essenzieller Bestandteil des Geschäftsbetriebs. Seit über 90 Jahren steht die Schäfer…

Dienste von Menschen für Menschen

Interview mit Maximilian Kammermeier, Geschäftsführender Gesellschafter der ESD Gruppe

Dienste von Menschen für Menschen

Sicherheit, Reinigung, Logistik – klingt nach nüchternem Pflichtprogramm? Nicht bei ESD. Was 1947 als kleine Sicherheitsfirma begann, ist heute ein agiler Multidienstleister mit Herz, Verstand und Vision. Die ESD Dienstleistungsgruppe…

Hinschauen, bemerken, wertschätzen

Interview mit Felix Schmidt, Geschäftsführer der Herrmann & Schmidt Dienstleistungen GmbH & Co. KG

Hinschauen, bemerken, wertschätzen

Die Gebäudereinigung ist weit mehr als nur Sauberkeit – sie ist ein essenzieller Handwerksberuf, der für Hygiene, Werterhalt und Sicherheit von Immobilien sorgt. Ob Bürogebäude, Krankenhäuser oder Industrieanlagen – professionelle…

TOP