„Wir sind ein klassischer Nischenplayer!“

Interview mit Klaus-Peter Kemper, Geschäftsführer der KEG Konversions- Grundstücksentwicklungs-gesellschaft mbH

Als die KEG Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH 1995 gegründet wurde, sollte sie die Gelände und Gebäude der ehemaligen Michael McNair-Kasernen in eine sinnvolle Nutzung überführen. Dabei ging es bei dem knapp 14 ha großen Grundstück um die Sanierung von Altlasten, die Erschließungsplanung sowie die Planung öffentlicher Infrastruktureinrichtungen.

Ziel war es außerdem, das Gelände gut zu vermarkten. So entstanden auf dem Gelände in den kommenden Jahren 800 mit öffentlichen Geldern geförderte Wohnungen sowie 250 Einfamilienhäuser. Als Einrichtungen öffentlicher Infrastruktur wurden zwei Kindertagesstätten, eine Jugendeinrichtung, ein Bürgerzentrum sowie öffentliche Grünanlagen errichtet.

Für das eigentliche, mittlerweile denkmalgeschützte und im 19. Jahrhundert errichtete Kasernengebäude fand sich jedoch kein Käufer oder Betreiber, sodass die KEG diese Liegenschaft bis heute selbst verwaltet. In dem großen und langgezogenen Mannschaftsgebäude befinden sich heute Wohnraum für Obdachlose, vier kleine Gewerbebetriebe, eine Demenz-WG sowie ein Bürgerzentrum mit angeschlossenem Quartierscafé.

Grundschule realisiert

Nach diesem ersten Projekt der Umwandlung eines vormals militärisch genutzten Objektes hatte sich die KEG als die Spezialistin für solche Aufgaben in der Stadt Frankfurt etabliert. So folgten mit der Edwards-Kaserne und der Gibbs-Kaserne weitere Projekte, die von der KEG entwickelt und betreut wurden. Auch bei der Edwards-Kaserne mussten zunächst Altlasten beseitigt werden, bevor das Gelände wieder neu genutzt werden konnte. Heute befinden sich dort 150 Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser sowie 150 öffentlich geförderte Wohneinheiten.

Ebenso wie bei der Michael McNair-Kaserne stehen heute auch auf diesem Grundstück öffentliche Einrichtungen wie Bürgerzentrum Krabbelstube und Kindertagesstätten. Eine neue städtische Grundschule ist darüber hinaus noch geplant und soll demnächst errichtet werden.

Vielfältige Aufgaben

Die 1995 gegründete KEG wurde seinerzeit nach dem Prinzip der Public Private Partnership von der Stadt Frankfurt am Main und der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (BSMF) ins Leben gerufen. Obwohl sie nicht – wie ursprünglich geplant – nach dem ersten Projekt wieder aufgelöst wurde, hat sie ihre schlanken Strukturen bis heute behalten.

Da die Stadt Frankfurt die Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen hält, werden bei der Geschäftstätigkeit auch stets öffentliche und soziale Belange berücksichtigt. Die von Geschäftsführer Klaus-Peter Kemper geführte Firma hat keine eigenen Angestellten, sondern beauftragt externe Partner zur Realisierung ihrer Vorhaben.

Der 2020 erzielte Umsatz lag bei 15 Millionen EUR. Heute umfasst das Portfolio die Sanierung und Umnutzung von Objekten zur Wohnnutzung oder für soziale und kulturelle Zwecke, den Aufbau von Infrastruktur und Wohnfolgeeinrichtungen, die Konversion und Entwicklung innerstädtischer Flächen, insbesondere zum Wohnen, sowie den Neubau öffentlich geförderter Wohnungen und die Verwaltung des Liegenschaftsfonds.

Plätze für Geflüchtete

„Aktuell stellen wir knapp 600 Wohneinheiten sowie etwa 1.400 Wohnplätze für geflüchtete Menschen in verschiedenartigen Unterkünften zur Verfügung“, erläutert Geschäftsführer Klaus-Peter Kemper, der Diplom-Ingenieur für Stadt- und Regionalplanung ist.

Neben den ehemals militärisch genutzten Geländen kümmert sich die KEG jedoch auch um zivile Objekte, die ihren früheren Nutzungszweck verloren haben. Ein Beispiel ist das Gelände des ehemaligen Möbelhauses Wesner. „Hier haben wir die ehemalige Ausstellungshalle saniert und erweitert“, erläutert Klaus-Peter Kemper.

Heute gibt es dort 93 öffentlich geförderte Mietwohnungen, 28 Einfamilienhäuser sowie ein Seniorenpflegeheim. Im umgebauten Bestand hat Frankfurts erstes ‘Haus des Jugendrechts’ seinen Sitz. Es vereint alle an Jugend-Strafverfahren beteiligten Behörden auf einer Ebene.

Kulturell belebt

Ein weiteres Projekt ist das Gelände der früheren Teves Werke. Hier entwickelte die KEG ein soziokulturelles Zentrum zur Stärkung der lokalen Wirtschaft und der nachbarschaftlichen Beziehungen. Die bestehenden Gebäude – ein ehemaliger Verwaltungstrakt, die Kantine mit Werksküche und eine Lagerhalle – wurden entsprechend ihrer neuen Nutzung instandgesetzt und modernisiert.

Das als Soziale Stadt Gallus firmierende Projekt umfasst die Bildungswerkstatt des Internationalen Bunds sowie das Ausbildungsrestaurant Startorante als Träger beruflicher Bildung und Beschäftigung. Weiter gibt es dort mehrere Künstlerateliers, das Günes Theater und die Frankfurter Sportjugend mit einem Box- und Tischtenniscamp. Mit ihren Angeboten tragen sie wesentlich zur Verbesserung des sozialen und kulturellen Lebens in dem Ortsteil bei.

Neues Wohngebiet

„Wir sehen uns vor allem als Möglichmacher“, beschreibt Klaus-Peter Kemper die Aufgabe der KEG an der Schnittstelle zwischen kostendeckender Vermarktung und der Berücksichtigung öffentlicher und sozialer Belange. „Wir schauen immer, was gebraucht wird und welche Möglichkeiten sich bieten. Das wird auch künftig unsere Nische sein. Im Frankfurter Westen möchten wir gerne ein Wohngebiet mit 1.000 neuen Wohnungen entwickeln. Auch wenn sich durch die Nähe zum dortigen Industriepark viele Herausforderungen stellen.

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