Produkte, die Farbe ins Leben bringen

Interview mit Christian Badura, Mitglied der Geschäftsleitung und Timo Weißgerber, Assistent der Vertriebsleitung der Karl Finke GmbH & Co. KG

Nicht ohne Hindernisse, aber im Endeffekt erfolgreich hat die Firma Karl Finke die Corona-Zeit überstanden. Christian Badura, Mitglied der Geschäftsleitung, macht insbesondere auf die Rohstoffkrise aufmerksam. Er erklärt: „Während der Pandemie waren auch wir von den internationalen Lieferschwierigkeiten betroffen. So erschwerte unter anderem die Schließung von Häfen die Rohstoffversorgung nach Deutschland. Mittlerweile sondieren wir ständig den Markt und können somit flexibel reagieren. Dabei sind wir sehr konservativ unterwegs. Was uns schon immer ausgezeichnet hat ist, dass wir nachhaltig wirtschaften und somit unser Kapital zusammenhalten.“

Geplant ist, weiterhin neue Märkte zu erschließen, vielleicht auch in Nischenbereiche einzusteigen und somit das Leistungsspektrum entsprechend zu erweitern. „Dafür muss man auch einmal Dinge anders machen, als man sie zuvor gemacht hat“, sagt Christian Badura.

Bei Karl Finke wurde die Corona-Zeit auch für Innovationen genutzt, macht Timo Weißgerber, Assistent der Vertriebsleitung, deutlich: „Wir haben viele neue Produkte entwickelt und die Bereiche Nachhaltigkeit und Digitalisierung stark vorangebracht.“

Aufklärung gegen Kunststoff-Bashing

Das Kerngeschäft von Karl Finke ist Farbe, genauer gesagt das Einfärben von Kunststoffen. „Wir sind aber nicht nur bunt unterwegs, sondern bieten auch Additiv-Lösungen“, so Timo Weißgerber. Als mittelständisches Familienunternehmen zeichnet Karl Finke eine große Flexibilität aus.

„Es ist für uns selbstverständlich, mit dem Kunden an der Maschine zu stehen, um ihm zu helfen und Systemlösungen zu entwickeln“, erklärt Timo Weißgerber. Das ‚Kunststoff-Bashing‘ ist ein Thema, dass das Unternehmen direkt betrifft. Hier möchte man Aufklärungsarbeit über die Vorteile von Kunststoff leisten. Zudem beschäftigt die Wuppertaler ein weiteres Thema: „Wir stellen fest, dass Verpackungen zunehmend transparent, also farblos dem Endverbraucher angeboten werden. Um den Kunden bei diesem Prozess als kompetenter Servicepartner zur Seite stehen zu können bieten wir hierbei ebenfalls Lösungen an.“, sagt Timo Weißgerber.

Karl Finke liefert sowohl Masterbatches (Kunststoffgranulat mit hohem Anteil an Farbmitteln und/oder Additiven, welches später zu einem Polymer hinzugegeben wird), als auch Compounds (Kunststoffgranulat, welches ohne zusätzliches Mischen weiterverarbeitet wird). Beide Produkte sind sowohl für den Einsatz in Standardkunststoffen als auch in technischen Kunststoffen erhältlich.

„Letztere sind unter anderem im Hochtemperaturbereich aktiv. Sie werden für die Herstellung von Präzisionsteilen genutzt. Hier sind spezielle Vorgaben der Kunden ganz genau einzuhalten, etwa in Bezug auf Entflammbarkeit oder Verzug“, erzählt Christian Badura.

Forschung zugunsten der Nachhaltigkeit

Seit 2011 wird bei Karl Finke in einem eigenen Technikum Grundlagenforschung betrieben, dabei spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine immer größere Rolle. So werden zum Beispiel rezyklierte Träger mit Naturmaterialien verglichen. Christian Badura berichtet weiter: „Im rPP-Bereich wird das Rezyklat oft aus Material aus dem gelben Sack gewonnen. Aufgrund seiner grauen Farbe können mit diesem Granulat nicht alle Farbtöne erzielt werden. Die größere Herausforderung ist allerdings, den Geruch herauszubekommen. Auch dafür entwickeln wir Rezepturen.“

Geforscht wird bei Karl Finke außerdem am Einsatz von biobasierten und veganen Trägern. Zudem wurde viel Zeit darauf verwendet, den eigenen CO2-Fußabdruck zu bestimmen. Timo Weißgerber erklärt: „Das CO2-Äquivalent eines Polymers, Pigments oder Additivs herauszufinden, ist derzeit noch sehr schwierig. Aber mithilfe verschiedener Datenbanken ist es uns nun gelungen.“

Auf Basis dieses Ergebnisses wird daran gearbeitet, noch nachhaltiger zu werden. Zudem kann nun nachgewiesen werden, dass alle Produkte zu 100% mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. „Die Kunden fragen auch danach“, so Christian Badura. Seit 2022 ist Karl Finke außerdem ISCC-Plus-zertifiziert und damit Teil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Bunte Visionen

Den Erfolg der Firma sieht Christian Badura darauf begründet, dass „die Familie Finke immer zum richtigen Zeitpunkt intuitiv und wirtschaftlich sinnvoll gehandelt hat“. Er erklärt weiter: „Man ist auch sehr menschlich geblieben. Wir gehen mit uns und unseren Kunden ehrlich um. Zudem haben wir uns mit unseren Kundengruppen sehr breit aufgestellt. Sie reichen von der Automobil- über die Spielzeug- bis zur Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Für alle unserer Kundengruppen haben wir exzellente Spezialisten. Dies gepaart mit einer im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit konservativen Führung macht unseren langjährigen Erfolg aus.“

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist für ihn aber klar die Belegschaft. Die Fluktuation ist gering, das Unternehmen wird als attraktiver und sicherer Arbeitgeber geschätzt. Derzeit habe man weitere vielversprechende Projekte in der Pipeline, so Christian Badura. Wichtig sei es, dass die Kunden weiterhin investieren und neue farbige Produkte in den Markt bringen. Mit Blick auf die Zukunft sagt er: „Durch unser Vertrauen in unsere Stärken und unser positives Mindset sind wir sicher den Kunden bei jedem seiner Vorhaben bestmöglich begleiten zu können.“

Auch für Timo Weißgerber steht der Kunde im Mittelpunkt der farbigen Vision: „Wir wollen, dass unser Leben bunt bleibt. Das schaffen wir nur gemeinsam mit den Kunden.“ Er betont außerdem: „Man kann auch ein nachhaltiges Produkt in einer knalligen Farbe anbieten!“

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