„Auf dem Vormarsch zur lückenlosen Logistik“

Interview mit Markus Schörg, Co-CEO und Stephan Pertschy, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb Mittelstand, Marketing & Digital Business der Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Schörg, Herr Pertschy, welche Ereignisse würden Sie in der Unternehmensgeschichte besonders hervorheben?

Markus Schörg: Das Unternehmen, das sehr familiär geprägt ist, wurde 1950 gegründet. Joseph Dresselhaus war ein charismatischer Unternehmensgründer, der ganz klein angefangen und das Unternehmen bis in die 1970er-Jahre maßgeblich geformt hat. Schon Mitte der 1950er-Jahre war Dresselhaus der größte Schraubenhändler in Deutschland. Anfang der 1990er-Jahre waren wir das erste Unternehmen, das das Thema Kanban im Markt implementiert hat und dadurch den Materialfluss optimieren konnte. Wir waren damit Vorreiter in der OEM-Industrie. In den 2000er-Jahren hatte Dresselhaus eine etwas schwierige Zeit, bedingt unter anderem durch einige Umstrukturierungen. In der Folge wurde das Unternehmen 2020 an die Industrie-Holding Nimbus verkauft. So konnten wir bereits 2020 trotz Corona eine Trendwende einleiten. 2021 wird ein noch erfolgreicheres operatives Jahr als 2020 werden. Insgesamt war das letzte Jahrzehnt geprägt durch eine stabile Unternehmensentwicklung.

Stephan Pertschy: Nach den Optimierungen der letzten Jahre sind wir jetzt dabei, in unsere Prozesse zu investieren und neue ERP- und PIM-Systeme zu implementieren, um in der Nach-Pandemie-Phase unseren Kundenstamm ausbauen und unsere Kundenbindungsmaßnahmen vertiefen zu können.

Wirtschaftsforum: Ist Dresselhaus an mehreren Standorten vertreten?

Markus Schörg: Ja, neben der Muttergesellschaft in Herford haben wir in Lemgo den Sitz unserer Handelssparte und besitzen regionale Niederlassungen in Stuttgart-Urbach, München-Maisach und Nürnberg-Schwabach sowie auch zwei Auslandsgesellschaften in der Türkei und Russland.

Wirtschaftsforum: Welches sind denn Ihre wichtigsten Produkte?

Stephan Pertschy: Unsere größte Produktgruppe sind die Sonder- und Zeichnungsteile, also nicht das Produkt von der Stange. Unsere Kernkompetenz sind Verbindungselemente und Befestigungsteile. Derzeit befinden wir uns aber in einem Transformationsprozess zu einem C-Teile-Händler, der Lösungen zur Supply-Chain der Kunden anbietet.

Markus Schörg: Hinter dem CTeil-Management verbirgt sich, dass der Kunde von uns zum einen das Produkt, also die Schraube, bekommt. Dazu kommt aber unsere logistische Kompetenz, die Kanban-Kompetenz, als Dienstleistung. Das bedeutet, der Kunde erhält ein vollautomatisches Nachschubsystem, mit dem er sich um nichts mehr kümmern muss. Wir tracken den Behälter mit den Verbindungsteilen, und wenn er leer ist, stellen wir eine neu befüllte Box bereit, die im vereinbarten Lieferturnus zum Kunden geschickt wird.

Wirtschaftsforum: Das ist für den Kunden eine praktische Lösung ...

Stephan Pertschy: Absolut. Dieses System mit Just-in-time-Lieferung ermöglicht ihm eine schlanke Bevorratung. Er benötigt dadurch kein Warenlager mehr. Diese Kombination von Produkt und Logistik wollen wir nicht nur für unsere Kernprodukte Schrauben anbieten, sondern für alle C-Teile, die ein Kunde wünscht. Das können Hydraulikartikel, Chemieelemente, Elektromaschinen, Handwerkzeuge oder was auch immer sein.

Wirtschaftsforum: Was macht Dresselhaus, von der Kombination dieser Kompetenzen abgesehen, für Ihre Kunden interessant?

Markus Schörg: Wir haben als Unternehmen eine langjährige Familientradition und auch Mitarbeiter, die schon lange dabei sind. Unsere Fluktuation ist gering, was im Bereich Direktvertrieb nicht selbstverständlich ist. Das hilft uns, unsere Kunden an uns zu binden. Wir haben flache Hierarchien und sind mit unseren 770 Mitarbeitern und einem Umsatz von 190 Millionen EUR unter den Top 5 der Branche in Europa. Für unsere Kunden sind wir greifbar und dazu schnell.

Wirtschaftsforum: Wie weit sind Sie denn in Sachen Nachhaltigkeit?

Stephan Pertschy: Die Schraube wird nicht viel grüner werden können. Aber der Logistikprozess dahinter. Dadurch, dass Produkte bei uns nicht unnötig zwischengelagert werden, ist die Lieferkette so kurz, wie nur möglich.

Markus Schörg: Unser Ziel ist, aktiv den CO2-Ausstoß und unseren Fußabdruck zu verringern. Dazu gehört, Pappverpackungen verzichtbar zu machen. Wir können auf Kundenwusch, im Zuge unserer RFID-Lösungen, in Mehrwegbehältern liefern. Ergänzt wird dies durch Digitalisierungssysteme, mit denen wir die Touren optimal planen können.

Bewerten Sie diesen Artikel
Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
TOP