„Qualität ist nicht verhandelbar“
Interview mit Fausto Valente, General Manager und Guido Rimini, Export Manager der IRS Industrie Riunite Spalmati s.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Valente, Herr Rimini, IRS ist seit mehr als 40 Jahren am Markt. Wie würden Sie die Entwicklung des Unternehmens zusammenfassen?
Fausto Valente: IRS wurde 1984 von Mario Cioli gegründet, einem Unternehmer aus der Provinz Brescia. Heute ist IRS Teil einer Gruppe von fünf Unternehmen, die in verwandten Bereichen tätig sind. Wir produzieren und vertreiben Kunstleder beziehungsweise beschichtete Materialien, vor allem auf Basis von Polyurethan und PVC. Der wichtigste Bereich ist traditionell die Mode, insbesondere Schuhe und Lederwaren. Daneben haben wir mit CPT eine zweite Division für Schuhverstärkungen wie Vorderkappen und Fersenkappen. Heute wird das Unternehmen von der 2. Generation geführt, die 3. Generation ist bereits in der Gruppe aktiv. Das gibt uns eine langfristige Perspektive.
Wirtschaftsforum: Welche Märkte und Kundengruppen stehen für IRS im Mittelpunkt?
Guido Rimini: Unser Geschäft ist klar B2B. Im Schuhbereich sprechen wir oft mit Marken, die die technisch-stilistische Auswahl treffen; verkauft wird dann häufig an Produktionsbetriebe, die für diese Marken arbeiten. Im Möbelbereich sind unsere Kunden Objektausstatter, die Projekte für Hotels, Gastronomie oder andere gewerbliche Einrichtungen umsetzen. In der Nautik arbeiten wir mit Projektpartnern und Herstellern, im Automotive-Bereich vor allem mit Zulieferern. Hinzu kommen Distributoren in einzelnen Ländern oder Regionen – oft langjährige Partner, mit denen wir eng zusammenarbeiten.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der Export?
Fausto Valente: Der Exportanteil liegt derzeit bei rund 20%. Für ein italienisches Industrieunternehmen ist das eher ungewöhnlich und deshalb ein wichtiges Entwicklungsthema. Wir wollen die Anteile von Italien und Ausland künftig näher zusammenbringen. Internationale Märkte bieten größere Chancen, oft auch kürzere Zahlungsbedingungen. Deshalb ist der Ausbau unserer internationalen Präsenz ein zentraler Hebel für die kommenden Jahre. Wir sind bereits in vielen Regionen vertreten. In Europa sind Spanien, Portugal und die Türkei wichtig, weil dort viel produziert wird. Projekte laufen aber auch über Marken in der DACH-Region oder in Nordeuropa. Russland war früher bedeutend, ist es aus geopolitischen Gründen aber nicht mehr. Besonders interessant ist, dass wir auch nach China verkaufen können – das zeigt, dass unsere Qualität und Spezialisierung anerkannt werden.
Wirtschaftsforum: Wie positioniert sich IRS im Wettbewerb?
Guido Rimini: Für uns sind Qualität, ein fairer Preis und Service entscheidend. Qualität ist nicht verhandelbar. Wir produzieren in Italien, in zwei Hallen auf einem Gelände von rund 50.000 m2 – eine für Kunstleder, eine für Schuhverstärkungen. Dadurch behalten wir die Prozesse im eigenen Haus und können Qualität aktiv steuern. Unsere Kunden stehen selbst unter Wettbewerbsdruck. Deshalb müssen wir ihnen helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben – mit guter Qualität, realistischen Preisen und einem Service, der konkret unterstützt.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Forschung, Entwicklung und Nachhaltigkeit?
Fausto Valente: Unser Labor ist für mich das Herz des Unternehmens. Vier Personen unterstützen dort täglich Produktion und Vertrieb, entwickeln neue Produkte und sichern die Qualität. Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein zentrales Thema. Wir arbeiten in einem Bereich zwischen Chemie und Textil, mit wasserbasierten und lösemittelbasierten Produkten. Deshalb ist Verantwortung wichtig. Wir sind nach ISO 14001 zertifiziert und haben vor Kurzem eine integrierte Umweltgenehmigung erhalten. Außerdem wurde in eine Photovoltaikanlage mit 1.800 Paneelen auf den Dächern unserer Werke investiert, mit der wir einen Teil unserer Energie selbst erzeugen.
Wirtschaftsforum: Was sind derzeit die größten Herausforderungen?
Guido Rimini: Das zentrale Wort ist Unsicherheit. Nach der Pandemie kamen steigende Kosten, Transportprobleme, vor allem mit Asien, und geopolitische Spannungen. Hinzu kommt der Preisdruck: Viele unserer Kunden konkurrieren mit Fertigprodukten aus China, gleichzeitig ist in Europa die Kaufkraft gesunken. Aber in Schwierigkeiten entstehen auch Chancen. Unsere Größe erlaubt es uns, fast in Echtzeit zu reagieren. Wir sind strukturiert, aber beweglich – das ist heute sehr wertvoll.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?
Fausto Valente: Ein wichtiges Ziel ist die stärkere internationale Ausrichtung. Außerdem wollen wir neue Anwendungsbereiche erschließen. Kunstleder ist ursprünglich als Alternative zu echtem Leder entstanden, auch unter ökologischen und ethischen Gesichtspunkten. Wir sehen aber noch viele weitere Einsatzfelder. Deshalb wollen wir kommerziell und technisch stärker scouten: Wo entstehen neue Märkte? Wo können unsere Materialien Mehrwert bieten? Unser Anspruch ist, Wettbewerbern möglichst einen Schritt voraus zu sein.













