„Bei Mode geht es immer um Emotionen“

Interview mit Florian Wortmann, Geschäftsführer und Creative Director der BALDESSARINI GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wortmann, BALDESSARINI gehört zur Ahlers AG, einem der großen europäischen Player im Bereich Männermode. Welche Bedeutung hat die Marke BALDESSARINI innerhalb der Ahlers AG und was macht sie im Wesentlichen aus?

Florian Wortmann: BALDESSARINI ist eine eigenständige GmbH innerhalb der AG und gleichzeitig eine eigene Marke. Wir sind aktuell sicher eine Marke mit viel Potenzial, weil wir uns im Upper Premium-Markt bewegen, der nicht so preisumkämpft ist. Gerade in Zeiten, wo es nicht einfach ist, die angepeilten Margen zu erzielen, ist es gut, eine Marke zu sein, die nicht so preisgetrieben ist. In den letzten eineinhalb Jahren ist es uns darüber hinaus gelungen, die Marke zu emotionalisieren, denn in unserem Bereich geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um Emotionen. Unsere Grund-DNA ist ganz klar das Lebensgefühl der Hollywood 1969-Ära, jener ganz spezifische Zeitgeist: selbstbewusst, kosmopolitisch, grenzüberschreitend, dabei mit Intellekt und Humor. Das macht uns aus. Als ich vor einem Jahr und neun Monaten als Geschäftsführer und Creative Director ins Unternehmen kam, war meine erste ʻAmtshandlungʼ, Werner BALDESSARINI persönlich anzurufen, weil ich wissen wollte, was er sich damals vorgestellt hat, als er die Marke gründete. Für mich war das deshalb wichtig, weil ich der Meinung bin, das jemand, der einer Marke ein neues Gesicht geben möchte, zu ihren Wurzeln zurückgehen muss.

Wirtschaftsforum: Dieses neue Gesicht haben Sie der Marke bereits gegeben – durch einen Relaunch, der dazu noch in die Hochzeit der Coronapandemie und damit in eine schwierige Phase fiel. Erfüllt das Ergebnis Ihre Erwartungen?

Florian Wortmann: Ich habe mich damals entschieden, für BALDESSARINI zu arbeiten, weil ich der Ansicht bin, dass die Marke BALDESSARINI großes Potenzial hat, aber im deutschen und europäischen Handel aktuell unterrepräsentiert ist. Der Relaunch der Marke fiel wie gesagt mitten in die Coronapandemie; das war auch gleich die erste Herausforderung für uns, weil wir ja nicht wussten, wie sich das alles entwickeln würde. Dennoch mussten wir den Relaunch zu 100% durchziehen, weil wir keine Kompromisse eingehen konnten. Was uns geholfen hat, war unser Optimismus. Als ich neu dazukam und behauptete, dass wir uns jetzt die Modewelt zurückerobern würden, lachte der eine oder andere natürlich erst einmal – mitten in der Pandemie, wie sollte das denn gehen? Doch als der im Januar gestartete Relaunch im Mai abgeschlossen war, hatten wir direkt Erfolg. Durch die Pandemie waren die Karten komplett neu gemischt worden, und darin lag für uns eine Chance, die wir genutzt haben – übrigens auch im Hinblick auf die Digitalisierung. Wir wurden auf einen Schlag digital, Arbeiten im Homeoffice war an der Tagesordnung. Das mag im Bereich Mode paradox klingen, aber tatsächlich war die Branche vor der Pandemie in vielen Bereichen noch sehr traditionell. Insofern haben wir gerade eine sehr erfolgreiche Phase hinter uns, in der wir ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnen konnten. Ziel ist, strategisch langfristig die 100 Millionen EUR Umsatz zu knacken.

Wirtschaftsforum: Die aktuelle politische Lage birgt für viele Unternehmen aus allen Branchen natürlich auch Unsicherheiten und Herausforderungen. Wie sieht es damit bei BALDESSARINI aus?

Florian Wortmann: Aktuell sind für uns die Folgen der Energie- und damit der Ressourcenkrise eine große Herausforderung in dem Sinne, dass wir lieferfähig bleiben müssen. Allerdings haben wir das gut im Griff, indem wir frühzeitig mit unseren Produzenten logistische Strategien entwickeln und auch eng mit dem Handel zusammenarbeiten, um die Ware auf die Fläche zu bringen – wem das gelingt, der hat gewonnen. Wir sind da auf einem sehr guten Weg.

Wirtschaftsforum: Was steht für die kommenden Monate auf Ihrer Agenda?

Florian Wortmann: Noch im Oktober werden wir unseren ersten eigenen Store auf dem Ku‘damm in Berlin eröffnen – wenn schon, denn schon!

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