„Es muss doch einfacher und schneller gehen“

Interview mit Frank Hägele, Sales Director der Ing. Punzenberger COPA-DATA GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hägele, Ein Wachstum von 12% ist sehr beeindruckend, insbesondere inmitten einer Pandemie. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück, Corona oder die allgemeine Marktentwicklung?

Frank Hägele: Die allgemeine Marktentwicklung geht schon seit einigen Jahren eindeutig in diese Richtung. Die Pandemie hat einen schon bestehenden Prozess lediglich beschleunigt. Als Softwareunternehmen sind wir Vorreiter der digitalen Transformation. Unsere Automatisierungs- und IT-Lösungen haben unseren Kunden erlaubt, auch während des Lockdowns von Effizienzsteigerungen und anderen Vorteilen zu profitieren.

Wirtschaftsforum: Sie sind Teil einer weltweit aktiven Gruppe. Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Sie?

Frank Hägele: Wir sind die deutsche Niederlassung eines österreichischen Familienunternehmens, das in Salzburg seine Zentrale hat. Die Gruppe ist mit Tochtergesellschaften und Distributoren weltweit vertreten. Hier in Deutschland arbeiten wir von drei Standorten in Ottobrunn, Köln und Ludwigshafen aus. Im deutschen Markt erzielt die Gruppe einen Umsatz von 16,5 Millionen EUR bei einem weltweiten Gesamtergebnis von 54 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Worauf lässt sich dieses herausragende Ergebnis zurückführen?

Frank Hägele: Wir sind sehr gut durch die Krise gekommen. Im allgemein kann man sagen, dass der digitale Trend während des Lockdowns Fahrt aufgenommen hat. Der Wechsel vieler Arbeitnehmer ins Homeoffice führt bei unseren Kunden nicht nur zu Veränderungen in den Betriebsstrukturen und der Umgestaltung von Prozessen, sondern bedingt auch, dass verstärkt auf Automatisierung und Digitalisierung gesetzt wird.

Wirtschaftsforum: Können Sie Ihr Produktportfolio etwas näher erläutern. Welche Highlights gibt es?

Frank Hägele: Die zenon Softwareplattform bieten wir als integrierte Gesamtlösung, die das Engineering und den automatisierten Betrieb von Produktions- und Infrastrukturanlagen spielerisch einfach macht. zenon bietet von der Datenerfassung über die Maschinenbedienung bis hin zu Business-Intelligence-Anwendungen eine integrierte Umgebung. Inzwischen wurde die Lösung 190.000-mal in mehr als 50 Ländern weltweit installiert. Zu den Benutzern gehören mehr als 50 Forbes 500 Kunden. Der Vorteil der Lösung liegt darin, dass ein breites Spektrum an Anwendungsfeldern damit abgedeckt werden kann. Durch den modularisierten Aufbau ist die Lösung zudem komplett skalierbar. Die offene Architektur erlaubt die einfache Harmonisierung und Einbindung von Drittsystemen und IoT-Geräten. Somit unterstützen wir die digitale Transformation bei unseren Kunden und verbinden verschiedene Disziplinen und Domänen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei der Trend zur Industrie 4.0 im Unternehmen?

Frank Hägele: Industrie 4.0 übt eine starke Wirkung auf Themen wie Vernetzung, Automatisierung, Offenheit und Konnektivität aus. Das sind Themen, die wir immer schon im Portfolio hatten, weshalb wir entspannt auf die heutigen Anforderungen reagieren können. Wir sehen unseren Fokus auf Modularisierung als Schlüssel zum Erfolg. Insbesondere in der Pharma- und Prozessindustrie werden zunehmend individuelle Lösungen und kleine Chargen nachgefragt, die zu einer Verkürzung der Produkt- und Innovationszyklen führen. Hierfür sind konventionell aufgebaute prozesstechische Anlagen in diesen Bereichen jedoch meist nicht flexibel genug. Die Modularisierung dient als Beschleuniger, um die Geschwindigkeit in der Produktion zu erhöhen. Gerade in der Pandemie war dies ein ganz heißes Thema als es darum ging in kürzester Zeit ein Vakzin herzustellen.

Wirtschaftsforum: In welchen Industriebranchen sind Sie unterwegs?

Frank Hägele: Neben der Pharmaindustrie sind wir sehr stark in den Bereichen Automotive, Energie und Infrastruktur, Lebensmittel und Getränke sowie Maschinen- und Anlagenbau präsent. Aber unsere Lösungen haben sehr vielfältige Anwendungen. Wir schlagen eine Brücke zwischen der Automatisierung und der IT, indem wir Wege finden, Prozesse einfacher zu gestalten.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die weitere Entwicklung aus?

Frank Hägele: Die digitale Transformation wird sich auf jeden Fall weiterentwickeln. Wir erwarten, dass diese Dynamik auch nach dem Ende der Pandemie beibehalten wird. Wir arbeiten deshalb daran, agile Teams zu kreieren, die je nach Kunde und Aufgabenstellung möglichst autonom und dynamisch Entscheidungen treffen und Projekte voranbringen können. Wir wollen weiter im zweistelligen Bereich wachsen und den Umsatz bis 2030 verdoppeln. Unser Leitmotto heißt ʻes muss doch einfacher gehenʼ. Und wenn es einfacher ist, muss es auch schneller gehen.

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