Updates überflüssig

Interview mit Benjamin Pieritz, CEO der TRIOVEGA GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Pieritz, Sie kommen ursprünglich aus der Pharma-Biotech-Branche und haben bis Ende 2019 das Nordamerikageschäft von Werum IT Solutions geleitet, dem führenden Anbieter von Software zur Produktionssteuerung und -überwachung für die pharmazeutische und biopharmazeutische Indus-trie. Was hat Sie bewogen, 2020 zu TRIOVEGA zu gehen?

Benjamin Pieritz: Meine Passion und mein Background sind das Shopfloor-Management und die Fertigung. TRIOVEGA ist seit 25 Jahren am Markt und kommt aus dem Bereich Software Engineering für die Industrie in Deutschland. Mein Ziel ist, das Unternehmen vom Engineering-Dienstleister zu einem internationalen Produkt- und Lösungsanbieter weiterzuentwickeln.

Wirtschaftsforum: Bei den diesjährigen German Stevie Awards, einem hochkarätigen Wirtschaftspreis für die deutschsprachige Unternehmenswelt in Europa, konnten Sie einen herausragenden Erfolg erzielen. Ihr Produkt edge.SHIELDOR wurde mehrfach mit Gold ausgezeichnet. Worum handelt es sich dabei?

Benjamin Pieritz: edge.SHIELDOR ist eine Operational Technology-Sicherheitslösung, die wir gemeinsam mit unserer Muttergesellschaft Viega entwickelt haben und die unsere führende Position im Bereich der industriellen Produktionssicherheit und Effizienz unterstreicht. In meiner Zeit in den USA habe ich festgestellt, dass Cybersicherheit einen großen Einfluss auf den Shopfloor hat. Angriffe können gesamte Produktionen über Monate lahmlegen. Auch hier in Deutschland wird jedes dritte Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs. edge.SHIELDOR hilft Unternehmen, Cyberrisiken in der Produktion zu minimieren, ihre Netzwerke vor Bedrohungen zu schützen und so ihre operative Effizienz zu steigern. Das Besondere dabei ist, dass wir sozusagen eine Käseglocke über die bestehenden Produktionsanlagen spannen, sodass diese weiterlaufen können und trotzdem von außen den aktuellen Sicherheitsnormen und -standards entsprechen. Die ‘Käseglocke’ wird laufend aktuell gehalten, während Software-Updates für Maschinen und Anlagen überflüssig werden.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Unternehmen können Geld sparen und trotzdem die Cybersicherheit und Datenkonnektivität erhöhen?

Benjamin Pieritz: In der Regel hat erhöhte Sicherheit etwas mit erhöhtem Aufwand zu tun. Den halten wir aber von den Maschinen komplett fern, weil die Sicherheitslösung virtuell im Serverraum aufgesetzt wird. Unternehmen können so bis zu 80% an Kosten sparen. Gleichzeitig lösen wir mit edge.SHIELDOR den Zielkonflikt in der Produktionsdigitalisierung zwischen Sicherheit und Konnektivität. Das macht kein anderes Unternehmen auf der Welt. Und das offline-Schalten, um mehr Sicherheit zu haben, kann keine nachhaltige Lösung sein. Ein Kunde war den Tränen nahe, da sie dank edge.SHIELDOR endlich wieder ihre gewohnten Tools einsetzen konnten.

Wirtschaftsforum: Also eine einzigartige Lösung, die die Sicherheit erhöht und Kosten spart. Sehen Sie trotzdem Herausforderungen?

Benjamin Pieritz: Unsere größte Herausforderung ist, die Awareness bei den Kunden zu schaffen. Neben edge.SHIELDOR haben wir deshalb einen Service namens Factory Insights, der darauf aufsattelt und darauf abzielt, datengetrieben nachhaltige Prozessverbesserungen zu realisieren. Eine Kupfergießanlage hat zum Beispiel immer 25% Ausschuss produziert; wir haben nach drei Tagen herausgefunden, woran es liegt und den Ausschuss auf 1% reduziert. edge.SHIELDOR ist der Enabler, sichere Konnektivität im Rahmen von Industrie 4.0 zu gewährleisten, und Factory Insights unterstützt bei der Verbesserung der Prozesse. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Nachhaltigkeit erreichen, indem wir Produktionsprozesse effizienter gestalten.

Wirtschaftsforum: Sind Sie auch im Ausland aktiv?

Benjamin Pieritz: Hauptsächlich innerhalb der EU, aber wir expandieren gerade in die USA. Der Markt für Cybersicherheit wächst sehr schnell; 25% der Cyberattacken richten sich gegen Manufacturing. Innerhalb der Cybersicherheit wächst der Bereich Operation Technology-Sicherheit am schnellsten. Wir sind viel auf Fachmessen unterwegs. Der erste Schritt vieler Kunden ist, Sichtbarkeit herzustellen, was sie für Assets haben. Viele arbeiten mit Firewalls, und das Netzwerk sieht dann irgendwann aus wie Schweizer Käse, da es extrem viele Löcher hat.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema IT- & Kommunikationslösungen

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

„Wir sind das Puzzleteil IT- Engineering“

Interview mit Andreas Schreitmüller, Geschäftsführer der PSB GmbH

„Wir sind das Puzzleteil IT- Engineering“

Als Tochterunternehmen der Bechtle AG kommt die PSB GmbH immer dann ins Spiel, wenn maßgeschneiderte PC-Lösungen gefragt sind. Wie individuell IT-Hardware im Industriekontext bisweilen tatsächlich ausfallen muss und warum die…

„Mit E-Learning kann man schnell die Masse erreichen!“

Interview mit Wolfgang Schaffer, Geschäftsführer der M.I.T e-Solutions GmbH

„Mit E-Learning kann man schnell die Masse erreichen!“

Schon lange, bevor das Internet aufkam, unterstützte die M.I.T e-Solutions GmbH ihre Kunden bei der Erarbeitung und Ausspielung nahtloser E-Learning-Lösungen: Welche technologischen Innovationen derzeit eine besondere Rolle für das Unternehmen…

Spannendes aus der Region Lübeck

Familiengeführt und zukunftsorientiert

Interview mit Gert Laurijssens, Geschäftsführer der Bruhn Spedition GmbH und Emily Paula Bruhn, Marketing & HR der Bruhn Spedition GmbH

Familiengeführt und zukunftsorientiert

In der Logistikbranche stehen derzeit Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Fokus. Unternehmen müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln und innovative Lösungen finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Bruhn…

Von Ablaufschlauch bis Zeltbeheizungsschlauch

Interview mit Sebastian Gombert, General Manager der Flexschlauch Produktions GmbH

Von Ablaufschlauch bis Zeltbeheizungsschlauch

Schläuche sind flexibler als Rohre und damit ideale Verbindungslösungen in der Medizin- und Sicherheitstechnik, aber auch in Automobil- und Luftfahrtindustrie. Gerade durch ihre Vielfalt an Schlauchlösungen hat sich die Flexschlauch…

Leckageortung für Fernwärmenetze

Interview mit Jörg Bartsch, Geschäftsführer der BRANDES GmbH

Leckageortung für Fernwärmenetze

Die Energiewende dominiert die Diskussion um die Netto-Null-Ziele. Genauso wichtig ist aber auch die Wärmewende. Laut dem Bundesamt für Umwelt entfallen rund die Hälfte des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs auf den…

Das könnte Sie auch interessieren

Unsichtbare Sicherheit für globale Lieferketten

Interview mit Stepan Lialine, Co-Founder und Geschäftsführer der 3Keys GmbH

Unsichtbare Sicherheit für globale Lieferketten

Gefälschte Produkte, wachsende regulatorische Anforderungen und immer komplexere Lieferketten stellen Unternehmen weltweit vor neue Herausforderungen. Die 3Keys GmbH aus Würzburg hat sich auf genau dieses Spannungsfeld spezialisiert. Das IT-Unternehmen entwickelt…

Klinische Forschung neu gedacht

Interview mit Dr. Dominique Manu, Geschäftsführer und Group CEO der EvidentIQ Group GmbH

Klinische Forschung neu gedacht

Klinische Studien erzeugen enorme Datenmengen. Ihre Erfassung muss präzise, sicher und regulatorisch einwandfrei erfolgen. Die EvidentIQ Group GmbH entwickelt spezialisierte Softwarelösungen, mit denen Pharmaunternehmen, Forschungsorganisationen und Medizintechnikhersteller ihre Studien effizient…

Digitalisierung mit Augenmaß

Interview mit Falk Tengler, Geschäftsführer der dvhaus Software & Solutions GmbH

Digitalisierung mit Augenmaß

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zählt zu den anspruchsvollsten Transformationsprojekten unserer Zeit. Besonders in der Justiz treffen komplexe Abläufe, hohe Sicherheitsanforderungen und föderale Strukturen aufeinander. Die dvhaus Software & Solutions…

TOP