„Wir kämpfen immer mit der Physik – und zwar mit großem Spaß.“

Interview mit Kai Gilbert, Geschäftsführer der IMC Test & Measurement GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gilbert, Ihr Unternehmen engagiert sich seit vielen Jahrzehnten als Lieferant und Lösungsanbieter von physikalischen Messsystemen. Worin genau besteht die Kernkompetenz von IMC?

Kai Gilbert: IMC steht für ‘Integrated Measurement and Control’ – und dieser Name ist seit der Unternehmensgründung für uns Programm. Denn aufgrund unserer langjährigen Erfahrung und der gewachsenen Entwicklungsexpertise unserer hochqualifizierten Mitarbeiter – allein in Deutschland beschäftigen wir derzeit etwa 180 spezialisierte Ingenieure – können wir unseren Partnern eine umfassende Hardware- und Softwarelösung aus einer Hand anbieten oder alternativ modulare Ergänzungen zu bereits bestehenden Komponenten bereitstellen. Darüber hinaus können wir uns dank der ausgewiesenen und umfangreichen Kenntnisse unseres Fachpersonals auch direkt in der Steuerungs- und Regelungstechnik engagieren und beispielsweise komplett automatisierte Prüfstände anbieten. Mit dieser umfassenden Kernkompetenz über die gesamten Anwendungsfelder der Messsystemtechnik hinweg können insgesamt nur sehr wenige Marktteilnehmer aufwarten.

Wirtschaftsforum: Diese breite Kernkompetenz in einem einzigen Unternehmen abzubilden, ist sicherlich eine große Herausforderung. Wie ist Ihnen das in Zeiten des Fachkräftemangels gelungen?

Kai Gilbert: Wir können unseren Mitarbeitern in vielerlei Hinsicht ein sehr attraktives Arbeitsumfeld bieten: Schon die Tätigkeit an sich ist für ambitionierte Ingenieure äußerst interessant. Wir bewegen uns stets an den Grenzen des technisch Machbaren und kämpfen immer mit der Physik – diese Herausforderungen machen gerade den talentiertesten Fachexperten große Freude. Gleichzeitig arbeiten wir dabei eng mit der Speerspitze der Industrie zusammen und zählen eine Vielzahl der führenden Unternehmen aus diesem Segment zu unseren Kunden. Es dürfte keinen Automobilhersteller geben, der nicht mit einem unserer Geräte arbeitet. Unsere hohen Ansprüche sind ein weiteres Qualitätsmerkmal, das uns auszeichnet: Denn was für viele unserer Wettbewerber nicht machbar ist, übernehmen wir gern. Dieses Zusammenspiel aus großen fachlichen Herausforderungen, einem Engagement an der Cutting-Edge der technologischen Möglichkeiten und einem attraktiven, wertschätzenden Arbeitsumfeld auf Augenhöhe macht uns gerade für besonders talentierte und ambitionierte Mitarbeiter interessant – genau die Menschen, die wir für unsere anspruchsvollen Projekte brauchen.

Wirtschaftsforum: Das ganze Themenfeld, das Ihre Kernkompetenz ausmacht, steht dabei im Zentrum rasanter technologischer Weiterentwicklungen. Mit welchen Innovationen beschäftigen Sie sich derzeit?

Kai Gilbert: IMC hat als Innovationsträger ein eigenes Mission Statement. Dieses unterstreicht unseren Anspruch, als Technology Leader das breiteste Spektrum an physikalischen Messsystemen im Markt anzubieten – ein Ziel, das wir bereits 2005 erreichen konnten. Viele Aspekte, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind schon lange essenzieller Bestandteil unseres Ansatzes, etwa eine große Flexibilität im Hinblick auf den Einsatz von Rechenleistung. Oftmals ist es beispielsweise deutlich effizienter, direkt auf dem betreffenden System die entsprechenden Berechnungen vorzunehmen und anschließend die aggregierten Daten in wesentlich verdichteter Form weiterzuverarbeiten, anstatt mit einer Offline-Software viele Terabytes an Daten zu erzeugen, die dann kein Mensch braucht. So lassen sich viele wertvolle Ressourcen sparen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei der Wissenstransfer von IMC an Ihre Partner?

Kai Gilbert: Um dieses Element konsequent zu forcieren, haben wir eigens unsere IMC Academy ins Leben gerufen, mit der wir unsere Kunden konsequent zu unseren Hardware- und Softwaresystemen schulen. Während der Pandemie musste dieses Angebot wegen der Undurchführbarkeit von Präsenzveranstaltungen leider deutlich reduziert werden. Das hat jedoch der Bedeutung des Wissenstransfers keinen Abbruch getan. Deshalb betreiben wir für unsere Kunden auch eine eigene Hotline, an der ausschließlich Ingenieure mit entsprechender Anwendungserfahrung Unterstützung leisten, ganz ohne langwierige und undurchsichtige Ticket-Systeme.

Wirtschaftsforum: Erlebt Ihr Unternehmen auch jenseits des technologischen Wandels derzeit größere Veränderungen?

Kai Gilbert: Letztes Jahr wurde die IMC Test & Measurement GmbH von einem Investor aus den USA aufgekauft, was sicherlich zu einigen Veränderungen führen wird. Im Laufe unserer Unternehmensgeschichte haben wir uns zwar eine bedeutende Präsenz im DACH-Raum aufgebaut, sind darüber hinaus aber wahrscheinlich bisher unter unseren Möglichkeiten geblieben. Das wollen und können wir nun im Zuge einer Professionalisierung unserer Finance-Möglichkeiten ändern und durch diese Internationalisierung auch auf dem Weltmarkt größere Chancen ergreifen.

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