Mit Simulation an die Spitze der Industrie 4.0

Interview mit Jens Cornelis, Geschäftsführer der FIFTY2 Technology GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Cornelis, wie ist FIFTY2 entstanden und was waren die entscheidenden Meilensteine?

Jens Cornelis: Gegründet haben wir FIFTY2 im Jahr 2015 – damals aus einem Forschungsprojekt an der Universität Freiburg heraus. Mein Mitgründer Markus Ihmsen und ich arbeiteten an physikalischer Simulation, insbesondere von Flüssigkeiten. Uns war schnell klar: Das, was wir da entwickelt hatten, musste raus aus dem akademischen Kontext – hinein in die Anwendung. Unser erstes konkretes Einsatzfeld war die Wasserdurchfahrt in Fahrzeugen. Also: Wie verhält sich ein Auto, wenn es durch Wasser fährt? Wo könnte Wasser eindringen? Wie wirkt sich das auf Motor oder Batterie aus? Dieser hoch spezialisierte Bereich war unser Startpunkt – und ist heute eine Domäne, in der wir weltweit führend sind.

Wirtschaftsforum: Und von dort aus hat sich Ihr Wirkungskreis stetig erweitert?

Jens Cornelis: Genau. Nach dem Einstieg in den Bereich Wassermanagement haben wir sukzessive andere Simulationsfelder erschlossen – etwa Getriebe, E-Motoren oder thermische Simulationen. Ein entscheidender Meilenstein war 2018 die Partnerschaft mit der AVL List GmbH, einem global agierenden österreichischen Unternehmen. AVL übernimmt seitdem weltweit Vertrieb und Support für unsere Software. So können wir uns vollständig auf Produktentwicklung und Forschung konzentrieren. Mittlerweile beschäftigt unser Team rund 40 Mitarbeitende, fast alle davon in der Entwicklung.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell konkret aus?

Jens Cornelis: Unsere Software PreonLab wird als Lizenzmodell vertrieben. Sie ermöglicht realitätsnahe, physikbasierte Simulationen von Flüssigkeiten und komplexen Strömungsvorgängen – etwa bei Wasserdurchfahrten, Kühlprozessen oder der Interaktion mit Bauteilen. Unsere Kunden kommen überwiegend aus der Automotive-Industrie, aber auch zunehmend aus dem Maschinenbau, der Elektronik- und Chipfertigung oder der Verfahrenstechnik. Rund zwei Drittel unseres Umsatzes machen wir im Ausland, mit starkem Wachstum derzeit vor allem in China.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen erleben Sie aktuell im Markt?

Jens Cornelis: Die Unsicherheiten in der Automobilbranche, insbesondere in Europa, machen sich auch bei uns bemerkbar. Viele Projekte werden verzögert oder auf Eis gelegt. Gleichzeitig sehen wir in Asien, vor allem in China, eine zunehmende Investitionsbereitschaft – auch in Richtung Simulation und Digitalisierung. Deshalb liegt unser Fokus stark auf Diversifizierung: neue Branchen, neue Anwendungsfelder, neue Märkte.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich im internationalen Wettbewerb?

Jens Cornelis: Neben der technologischen Exzellenz spielt Kommunikation eine Schlüsselrolle. Obwohl der Vertrieb ausgelagert ist, behalten wir die Hoheit über die Außendarstellung. Dazu gehört auch, dass wir gezielt auf Fachkonferenzen präsent sind, nicht primär auf Messen. Dort treffen wir unsere Anwender und Entscheider direkt. Zudem setzen wir auf starke interne Kommunikation, ein internationales Team und flache Hierarchien. Viele unserer Beschäftigten arbeiten remote – mit regelmäßigen persönlichen Treffen, um den Teamzusammenhalt zu stärken.

Wirtschaftsforum: Welchen Einfluss hat künstliche Intelligenz auf Ihre Arbeit?

Jens Cornelis: Wir nutzen KI bereits heute unterstützend – etwa bei der Code-Analyse oder beim internen Wissensmanagement. In Bezug auf unsere Software wird KI künftig noch wichtiger: etwa für sprachgesteuerte Modellierung oder die Auswertung von Simulationsergebnissen. Dabei geht es nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern zu unterstützen.

Wirtschaftsforum: Wohin führt der Weg von FIFTY2 in den kommenden Jahren?

Jens Cornelis: Zum einen wollen wir unsere Führungsrolle im Bereich Wassermanagement weiter ausbauen – durch die Erweiterung unseres Lösungsportfolios und die gezielte Ansprache angrenzender Themenfelder. Zum anderen treiben wir aktiv die Diversifikation voran. Spannend sind für uns vor allem Märkte rund um Elektronik, Wärmepumpentechnik oder Chipfertigung. Überall dort, wo Flüssigkeiten eine Rolle spielen und Simulation einen Mehrwert bietet, sehen wir großes Potenzial.

Wirtschaftsforum: Was liegt Ihnen als Unternehmer darüber hinaus am Herzen?

Jens Cornelis: Zwei Punkte: Erstens, dass unsere Gesellschaft offen bleibt. Wir finden unsere besten Talente weltweit – dafür brauchen wir kulturelle Offenheit, internationale Mobilität und eine klare Absage an Abschottung. Und zweitens wünsche ich mir mehr Entschlossenheit in der Industrie, speziell im Automotive-Sektor. Dort wird aus meiner Sicht noch immer zu zögerlich entschieden, ob und wie man neue Technologien wie die E-Mobilität wirklich konsequent, mutig und zukunftsorientiert angeht.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wetterschutz mit Stil

Interview mit Jan Henning, Country Manager Deutschland und Chief Commercial Officer der Didriksons Deutschland GmbH

Wetterschutz mit Stil

Konsumzurückhaltung und steigende Preissensibilität fordern den Outdoor-Markt heraus. Die Didriksons Deutschland GmbH begegnet dem mit langlebigem Wetterschutz, zeitlosem skandinavischem Design und einer konsequenten Markenführung. Chief Commercial Officer Jan Henning spricht…

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Interview mit Christian Arnold, Geschäftsführer der Energiekonzepte Deutschland GmbH

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Die Energiekonzepte Deutschland GmbH, gegründet 2018 im Umfeld des letzten Solarbooms, entwickelt sich derzeit vom Lieferanten von Solarmodulen und Wärmepumpen zum holistischen Energieversorger weiter. CEO Christian Arnold erklärte im Interview…

Wenn Eventorganisation zur Systemfrage wird

Interview mit Theresia Gausepohl, Geschäftsführerin der fairtec GmbH

Wenn Eventorganisation zur Systemfrage wird

Messen, Kongresse und Events stehen unter wachsendem Druck: steigende Komplexität, digitale Anforderungen und veränderte Marktbedingungen fordern neue Lösungen. Die fairtec GmbH hat sich genau hier positioniert – als Anbieter integrierter…

Spannendes aus der Region Freiburg im Breisgau

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Interview mit Manfred Schäuble, Geschäftsführer der Schäuble Regenerative Energiesysteme GmbH

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Manfred Schäuble spricht leise, aber bestimmt. Seit Jahrzehnten arbeitet der Handwerksmeister an regenerativen Energielösungen – lange bevor sie politisch eingefordert wurden. Sein Unternehmen steht heute für ganzheitliche Energiesysteme, für Verlässlichkeit…

Dermatologische Expertise

Interview mit Christophe Steger, Geschäftsführer der Laboratoires Noreva GmbH

Dermatologische Expertise

Empfindliche Haut, Akne oder Rosazea – dermatologische Hautprobleme betreffen viele Menschen und verlangen nach wirksamen Lösungen. Die Laboratoires Noreva GmbH mit Sitz in Freiburg im Breisgau entwickelt medizinisch fundierte Dermokosmetik…

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Interview mit Jochen Geiger, Geschäftsführer der Geiger Textil GmbH

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Steigende Qualitätsanforderungen, Fachkräftemangel und der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit verändern die textile Dienstleistungsbranche. Gerade Unternehmen aus Industrie und Gesundheitswesen benötigen Partner, auf die sie sich jederzeit verlassen können. Die Geiger…

Das könnte Sie auch interessieren

Der Full Service-Partner für Leiterplatten

Interview mit Florian Walchhofer, CEO der wtronic – electronic production gmbh

Der Full Service-Partner für Leiterplatten

Als familiengeführtes mittelständisches Unternehmen unterstützt wtronic Kunden aus verschiedensten Branchen vom Handel mit Leiterplattenkomponenten bis hin zur Komplettmontage: Durch dieses umfangreiche Leistungsspektrum und seine breiten Marktaktivitäten kann das Unternehmen auch…

Klinische Forschung neu gedacht

Interview mit Dr. Dominique Manu, Geschäftsführer und Group CEO der EvidentIQ Group GmbH

Klinische Forschung neu gedacht

Klinische Studien erzeugen enorme Datenmengen. Ihre Erfassung muss präzise, sicher und regulatorisch einwandfrei erfolgen. Die EvidentIQ Group GmbH entwickelt spezialisierte Softwarelösungen, mit denen Pharmaunternehmen, Forschungsorganisationen und Medizintechnikhersteller ihre Studien effizient…

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Interview mit Dr. Sven Fürth, CEO der netgo group GmbH

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Digitalisierung ist heute weit mehr als Technologie – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die netgo group mit Sitz in Berlin ist darauf spezialisiert, Kunden auf diesem…

TOP