Automobile Werte mit Zukunft

Interview mit Ralf Reller, Gründer und Geschäfts­führer der Reller Automobile GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Reller, Ihre Begeisterung für Automobile begann offenbar schon sehr früh. Wie wurde daraus ein Unternehmen?

Ralf Reller: Oldtimer waren schon als Student mein großes Hobby. Ich habe Fahrzeuge restauriert, geschraubt und gehandelt – zunächst neben dem Studium. 1995 habe ich daraus mein Unternehmen aufgebaut. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf dem Handel mit Unfallfahrzeugen, später kamen Restaurierung und Werkstattbereiche hinzu. Aus der Leidenschaft wurde Schritt für Schritt ein professioneller Betrieb mit heute knapp 40 Mitarbeitern. Inzwischen decken wir vom Fahrzeughandel über Restaurierung und Lackierung bis hin zu Mechanik, Aufbereitung und Gutachten nahezu alles selbst ab.

Wirtschaftsforum: Besonders bekannt sind Sie heute für klassische Mercedes- und Porsche-Modelle. Warum gerade diese Fahrzeuge?

Ralf Reller: Diese Fahrzeuge verbinden Technik, Design und Emotion auf besondere Weise. Ein 300 SL oder ein Porsche 356 ist für mich fast eher ein Kunstwerk als nur ein Auto. Gleichzeitig verschwindet das Know-how für solche Modelle zunehmend. Deshalb haben wir uns bewusst spezialisiert und restaurieren die Fahrzeuge vollständig selbst. Kunden bekommen bei uns nicht nur ein Auto, sondern auch langfristigen Service und einen Ansprechpartner, der die Fahrzeuge wirklich kennt. Genau dieses Vertrauen spielt in diesem Segment eine große Rolle.

Wirtschaftsforum: Ihre Kunden kommen inzwischen aus der ganzen Welt. Wer interessiert sich heute für solche Fahrzeuge?

Ralf Reller: Das reicht vom großen Sammler bis zum jungen Kunden, der sich einen Lebens­traum erfüllt. Viele Menschen suchen heute wieder Fahrzeuge mit Charakter und Individualität. Moderne Autos ähneln sich oft sehr stark, während klassische Fahrzeuge Persönlichkeit und Emotion ausstrahlen. Außerdem verschwinden emotionale Fahrzeuge wie Cabriolets zunehmend aus dem Neuwagenmarkt. Dadurch wächst das Interesse an Oldtimern und Youngtimern weiter. Wir exportieren inzwischen weltweit und sind seit vielen Jahren auf internationalen Messen vertreten, etwa in Stuttgart, Essen oder Salzburg. Dort erleben die Kunden unsere Fahrzeuge und unsere Qualität direkt. 

Wirtschaftsforum: Sie verbinden traditionelles Handwerk mit moderner Technik. Wie sieht das konkret aus?

Ralf Reller: Vieles bleibt bei uns echte Handarbeit – genau das macht hochwertige Restaurierung aus. Gleichzeitig nutzen wir moderne Technologien dort, wo sie sinnvoll unterstützen. Seltene oder nicht mehr verfügbare Teile können wir heute digital rekonstruieren oder nachfertigen. Außerdem arbeiten wir mit modernen Restaurierungs- und Lackierverfahren. Diese Verbindung aus traditionellem Handwerk und moderner Technik macht unsere Arbeit besonders spannend: Wir erhalten automobile Geschichte mit den Möglichkeiten von heute. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in unsere Infrastruktur, moderne Werkstätten und neue Konzepte, damit wir diese Qualität auch langfristig sichern und weiterentwickeln können. 

Wirtschaftsforum: Auch Social Media spielt bei Ihnen inzwischen eine wichtige Rolle.

Ralf Reller: Absolut. Früher wurden Fahrzeuge über Zeitungen verkauft, heute läuft fast alles digital. Wir präsentieren Fahrzeuge auf Plattformen wie mobile.de, aber auch über Instagram oder TikTok. Mit Videos erreichen wir weltweit Menschen, die sich für klassische Automobile begeistern. Gerade bei jüngeren Zielgruppen sehen wir ein großes Interesse – deutlich größer, als oft behauptet wird. Wenn ein Video über einen restaurierten 190 SL innerhalb kurzer Zeit zehntausende Aufrufe erreicht, zeigt das sehr deutlich, dass das Thema emotional nach wie vor stark besetzt ist.

Wirtschaftsforum: Aktuell entsteht bei Ihnen eine neue Werkstatt mit offenem Konzept. Was steckt dahinter?

Ralf Reller: Wir möchten Restaurierung erlebbar machen. Die neue Werkstatt wird wie eine offene Küche funktionieren: Kunden können direkt verfolgen, wie Fahrzeuge restauriert oder montiert werden und welche handwerkliche Arbeit dahintersteckt. Dazu kommen moderne Ausstellungsflächen, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur. Nachhaltigkeit bedeutet für uns vor allem, langfristig und sinnvoll zu arbeiten – und Fahrzeuge möglichst viele Jahrzehnte zu erhalten. Ein hochwertig restaurierter Oldtimer, der über Generationen genutzt wird, ist für mich ebenfalls ein nachhaltiges Produkt. 

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie derzeit die Situation in der Automobilbranche?

Ralf Reller: Der Markt hat sich stark verändert. Fahrzeuge sind knapper geworden, vieles wird teurer und die Branche steht insgesamt unter großem Transformationsdruck. Gerade im Bereich Elektromobilität sehen wir noch viele Unsicherheiten. Wichtig ist aus meiner Sicht, technologisch offen zu bleiben und nicht auf eine einzige Lösung zu setzen. Mobilität wird es immer geben – entscheidend ist, dass Innovation und wirtschaftliche Vernunft zusammenpassen.

Wirtschaftsforum: Was macht Reller Automobile in diesem Umfeld besonders stabil?

Ralf Reller: Unsere breite Aufstellung. Wir kombinieren Oldtimer, moderne Fahrzeuge, Werkstattservice und internationale Aktivitäten. Gleichzeitig können wir fast alle Leistungen im eigenen Haus anbieten und bleiben dadurch unabhängig. Hinzu kommt unsere Lage mitten in Deutschland mit sehr guter Erreichbarkeit in alle Richtungen Europas. Genau diese Kombination aus Spezialisierung, Qualität und echter Begeisterung für Automobile schätzen unsere Kunden sehr. 

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