„Nicht die Zimmer sind das wichtigste Produkt, sondern das Erlebnis des Gastes!“
Interview mit Kathi Metz, Geschäftsführerin der Hotel Valavier GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Metz, wodurch zeichnet sich das Valavier als Vier-Sterne-Superior-Hotel aus Ihrer Sicht besonders aus?
Kathi Metz: In unserem Haus bieten wir insgesamt 60 Zimmer an. Die Dorfbahn liegt direkt gegenüber und der Golfplatz Brand unmittelbar neben dem Hotel. Zudem überzeugen wir mit einem großzügigen Wellnessbereich, unserem Paradiesgarten, einem ganzjährig beheizten Außenpool, einem Erlebnisstall sowie vielfältigen kulinarischen Angeboten und Erlebnissen für Kinder. Aber das ist gar nicht das Entscheidende.
Wirtschaftsforum: Sondern?
Kathi Metz: Aus meiner Sicht sind nicht die Zimmer oder die Verpflegung das wichtigste Produkt, sondern das Erlebnis für unseren Gast: Er muss bei uns direkt das Gefühl haben, angekommen zu sein. Und das geht nur in einem Haus, das einen Charakter, eine klare Identität und eine starke Haltung hat. Schöne Zimmer und Wellnessanlagen sind am Ende austauschbar.
Wirtschaftsforum: Wie entstehen diese Identität und Haltung?
Kathi Metz: Indem man genau weiß, wer man ist und was man will, und indem man ehrlich widerspiegelt, was einen ausmacht. Ich sage oft zu unseren Gästen: Willkommen in meinem Wohnzimmer! Denn wer Menschen in sein Zuhause einlädt, begegnet ihnen mit besonderer Aufmerksamkeit. Wir sind kein anonymes Haus, sondern haben Haltung, Herz und Seele. Dass wir uns mittlerweile als Vier-Sterne-Superior-Hotel bezeichnen dürfen, ist sicherlich ein wichtiger Ausweis unserer Qualität – doch unsere grundlegenden Überzeugungen, die uns seit vielen Jahren bestimmen, sind für unser Tagesgeschäft und unsere langfristige Orientierung viel wichtiger.
Wirtschaftsforum: Hinter Ihrem Haus steht bereits eine lange Geschichte.
Kathi Metz: Wir sind nicht nur ein Hotelbetrieb, sondern ein gewachsenes Familienunternehmen, das immer von einem starken Verantwortungsgefühl und einer persönlichen Handschrift geprägt war. Dabei haben wir uns immer wieder neu erfunden, auch durch verschiedenste Baumaßnahmen, mit denen wir unser Angebot systematisch erweitern konnten, ohne dabei jemals unsere Wurzeln zu verlieren. Die Seele unseres Hauses, unser Gefühl für Gastfreundschaft, unsere Verlässlichkeit und Naturverbundenheit sowie unser starker Familiensinn entstehen nicht durch Konzepte auf dem Papier, sondern durch unsere menschliche Präsenz in unserer täglichen Arbeit.
Wirtschaftsforum: Die Coronakrise war indes eine Zäsur für das gesamte Gastgewerbe. Anschließend sorgte die Inflation für schwindende Budgets bei den Verbrauchern. Wie haben Sie diese Zeit im Hotel Valavier erlebt?
Kathi Metz: Natürlich haben sich die Erwartungen der Gäste wie auch ihr Buchungsverhalten seitdem stark verändert. Denn heute kommen sie vielfach mit dem Anspruch zu uns, sich in drei Tagen so gut erholen zu wollen wie früher vielleicht in einer ganzen Woche. Dieser Haltung müssen wir uns stellen und somit ein noch nachhaltigeres und attraktiveres Gästeerlebnis bieten. Gleichsam hat es selbstverständlich auch einige Zeit gedauert, bis sich unsere Mitarbeiter nach dem Ende der Pandemie wieder in ihrer Tätigkeit eingelebt hatten. Zwar mussten wir auch während der langwierigen Schließung unseres Hauses glücklicherweise niemanden entlassen, doch in einem Hotel, das faktisch seinen Betrieb einstellen musste, kommt man doch bisweilen aus der Routine.
Wirtschaftsforum: Welche Zukunftsthemen beschäftigen Sie derzeit?
Kathi Metz: Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketingbegriff, sondern eine Haltung, die meinem Team und mir besonders im täglichen Umgang mit Lebensmitteln wichtig ist. Dazu besuchen unsere Mitarbeiter seit etlichen Jahren örtliche Landwirte, von denen sie sich zeigen lassen, wie viel Aufwand von der Tieraufzucht bis zur Getreideernte in unsere Nahrungsmittel fließt. So entwickeln sie eine starke Wertschätzung für diese essentielle Wertschöpfung, und das nicht auf belehrende, sondern auf bereichernde Weise. Gleichzeitig wünschen sich unsere Gäste von uns natürlich auch Einrichtungen, die unweigerlich mit einem gewissen Energieaufwand einhergehen: etwa einen beheizten Außenpool, umgeben von unserer malerischen Landschaft. Hier liegt es natürlich in unserer Verantwortung, für einen möglichst energieeffizienten Betrieb zu sorgen.
Wirtschaftsforum: Auch das Thema Digitalisierung spielt im Gastgewerbe inzwischen eine wichtige Rolle.
Kathi Metz: Darauf setzen wir insbesondere bei der weiteren Optimierung unserer Prozesse und der Sichtbarkeit unseres Hauses, wenn der Gast nach attraktiven Aufenthaltsorten sucht. Niemals werden digitale Tools jedoch die zwischenmenschliche Beziehung zu unseren Gästen ersetzen können. Denn davon leben wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch. Wenn ein Gast mir beim Abräumen des Gedecks freudig sagt, das sei gerade das beste Dessert seines Lebens gewesen, ist das für mich auch nach Jahrzehnten das Schönste überhaupt. Mit dieser Haltung wollen wir auch in Zukunft ein sehr emotionales Unternehmen bleiben, denn unsere Gäste verbringen bei uns wertvolle Lebenszeit, die sie uns zur Gestaltung anvertrauen. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?
Kathi Metz: Inzwischen sind auch unsere Kinder in das Familienunternehmen eingetreten, was uns natürlich sehr freut – umso mehr, weil ihnen der Erhalt unserer persönlichen Gastgeberhandschrift genauso am Herzen liegt wie mir. Dieselbe Haltung vermitteln wir auch neuen Kollegen vom ersten Tag an: Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt die Qualität einer echten Begegnung weiter an starker Bedeutung.











