Mut zur Verdoppelung
Interview mit Rudi Lins, Geschäftsführer der Rudi Lins Gesellschaft m.b.H. & Co. KG

Die Automobilbranche befindet sich im Umbruch, doch das Autohaus Rudi Lins schreibt trotz aller Widrigkeiten eine Erfolgsgeschichte. Was 1950 als kleine freie Werkstätte begann, ist heute ein Unternehmen mit 220 Mitarbeitern an fünf Standorten und einem Jahresumsatz von rund 160 Millionen EUR. Das Jubiläumsjahr 2025 markiert nicht nur 75 Jahre Unternehmensgeschichte, sondern auch den vorläufigen Höhepunkt einer bemerkenswerten Entwicklung. Rudi Lins führt das Unternehmen in 3. Generation und hat es geschafft, die klassischen Werte des Familienbetriebs mit modernem Unternehmertum zu verbinden. Die Rennfahrerhistorie seines Vaters, der als Porsche-Werksfahrer unter anderem in Le Mans antrat, führte Anfang der 1970er-Jahre zur Partnerschaft mit Porsche. Seitdem ist das Unternehmen Landeshändler für die Sportwagenmarke in Vorarlberg und hat sein Portfolio kontinuierlich um weitere Marken der Volkswagen-Gruppe erweitert.
Mutiger Schritt in schwierigen Zeiten
Die wohl wichtigste strategische Entscheidung traf Rudi Lins ausgerechnet im Jahr 2022, als die Branche noch unter den Nachwirkungen der Pandemie litt und der Ukrainekrieg begann. Die Übernahme zweier Standorte der Porsche Inter Auto in Dornbirn und Bregenz bedeutete eine Verdoppelung des Unternehmens, sowohl beim Umsatz als auch bei der Mitarbeiterzahl. Eine Entscheidung, die nach gründlicher Überlegung getroffen wurde, wie Rudi Lins betont: „Das war ein großer Schritt, mit allen Konsequenzen für Strukturen und Managementebenen, die nachgezogen werden mussten.“ Doch der Unternehmer war überzeugt, dass diese Expansion notwendig war, um den Vorarlberger Markt für die Konzernmarken flächendeckend bedienen zu können.
Herausforderungen und politische Forderungen
Die Branche kämpft mit strukturellen Problemen, die sich nicht von heute auf morgen lösen lassen. Der österreichische Markt ist von einst 360.000 bis 370.000 Neuzulassungen auf aktuell rund 270.000 Fahrzeuge geschrumpft. Besonders kritisch sieht Rudolph Lins die fehlende Planungssicherheit durch die Politik: „Man macht Vorgaben und zwei Jahre später wirft man alles wieder um. Es werden Beträge investiert, weil es klare Vorgaben gibt, und dann heißt es plötzlich, jetzt überlegen wir uns das doch wieder anders.“ Diese Unberechenbarkeit erschwere langfristige Strategien erheblich. Hinzu komme eine ausufernde Bürokratie, bei der er bislang nur Lippenbekenntnisse zur Verbesserung sehe. Auch widersprüchliche Regelungen wie die kurzfristig angekündigte motorbezogene Steuer für E-Fahrzeuge oder Nova-Befreiungen für Nutzfahrzeuge, die in der Praxis nicht funktionieren, belasten den Handel massiv.
E-Mobilität als Chance begreifen
Trotz aller Herausforderungen ist Rudi Lins ein überzeugter Befürworter der E-Mobilität. Das Unternehmen war von Anfang an dabei, bereits bei den ersten Pilotprojekten mit dem E-Golf. Der Marktanteil rein batteriebetriebener Fahrzeuge liegt mittlerweile bei gut 20% und ist stark steigend. Besonders erfolgreich läuft das Geschäft mit dem Skoda Elroq und Enyaq, dem Cupra Born sowie den neuen E-Modellen von Audi und Porsche. Für das kommende Jahr setzt Rudi Lins große Hoffnungen in die überarbeiteten Modelle von VW, insbesondere den ID Polo, der mit einem Preisniveau zwischen 20.000 und 25.000 EUR endlich auch für Privatkunden relevant werden könnte. Die größere Herausforderung sieht er jedoch im Service-Bereich: E-Autos sind deutlich wartungsärmer, der Fahrzeugbestand wird älter und es kommen weniger Neufahrzeuge nach. Die Strategie des Unternehmens konzentriert sich daher stark auf Kundenloyalisierung, um Fahrzeugbesitzer auch bei älteren Autos im Vertragshändlernetz zu halten.
Regionalität als Erfolgsfaktor
Das Autohaus Lins ist tief verwurzelt in der Region Vorarlberg. Kein Kunde hat länger als 15 bis 20 Minuten Fahrzeit zum nächsten Standort. Diese Nähe kombiniert das Unternehmen mit langjährigen Kundenbeziehungen und hoch qualifizierten Mitarbeitern. Rudi Lins legt großen Wert auf gewachsene Strukturen und persönliche Ansprechpartner: „In der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, dass ich Ansprechpartner habe, die ich kenne, zu denen ich Vertrauen haben kann und wo ich einfach weiß, die sind auch in drei oder vier Jahren noch da.“ Dieses Versprechen von Kontinuität und Verlässlichkeit zahlt sich aus, besonders im Firmenkundengeschäft, das mittlerweile einen Großteil des Neuwagengeschäfts ausmacht. Für die kommenden Jahre geht es um Konsolidierung und die weitere Vereinheitlichung der Unternehmenskultur über alle Standorte hinweg. Der Unternehmer, der von sich sagt, ein grundsätzlich optimistischer Mensch zu sein, sieht die Zukunft positiv: „Es macht einfach Spaß, wenn man motivierte Mitarbeiter hat, die mitziehen, mit denen man gemeinsam Dinge entwickeln kann.“ Diese Begeisterung fürs Geschäft und die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten Chancen zu erkennen, machen das Erfolgsrezept des Autohauses Lins aus – heute genauso wie in den vergangenen 75 Jahren.












