„Ein Apartment auf Rädern“
Interview mit Franz Wieth, Geschäftsführer der PROTEC GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Wieth, Sie sind eigentlich Maschinenbauingenieur und erfolgreicher Unternehmer in verschiedenen Branchen. Wie kam es dazu, dass Sie ausgerechnet den Wohnmobilmarkt bereichern wollten?
Franz Wieth: Es begann – wie so oft – mit einer persönlichen Erfahrung. Ich bin selbst seit langem im Motorsport aktiv und schätze die Flexibilität eines Wohnmobils direkt an der Rennstrecke. Doch bei der Suche nach einem neuen Fahrzeug, insbesondere in den USA, wo Slide-outs ja nahezu die Regel sind – war ich von der gebotenen Qualität enttäuscht. Entweder man fährt riesige „Busse“, die für europäische Campingplätze oft zu groß sind, oder man hat kaum Bewegungsfreiheit. Als Techniker lässt mich so etwas nicht los. Ich wollte ein Fahrzeug unter acht Metern Länge, das man mit dem alten „Dreier“-Führerschein fahren kann und das im Stand trotzdem den Komfort eines Wohnzimmers bietet.
Wirtschaftsforum: Ihr Aushängeschild ist der PROTEC Q18. Was macht dieses Modell im Vergleich zu herkömmlichen Wohnmobilen so einzigartig?
Franz Wieth: Das Herzstück ist unser beidseitiges Slide-out-System. Während andere Hersteller oft nur kleine Bereiche ausfahren, bewegen wir die gesamte Seitenwand. Der Q18 bietet im Stand 18 Quadratmeter Wohnfläche – das ist ein Platzgewinn von etwa 50% gegenüber der Fahrtkonfiguration. Wenn unsere Kunden den Knopf drücken und sich das Fahrzeug weitet, haben sie einen Wohnraum von 3,30 m x 3,30 m und einen gesamten Innenraum von 5,5 x 3,3 m. Es ist ein völlig anderes Lebensgefühl; man muss nicht mehr aneinander vorbeischleichen. Dann sagen sie oft: „Das ist ja ein Apartment!“
Wirtschaftsforum: Sie bieten den Q18 in den Varianten „Classic“ und „Vario“ an. Wo liegen hier die Unterschiede?
Franz Wieth: Der Classic verfügt über ein festes Doppelquerbett im Heck, das über das Fußende zugänglich ist. Der Vario ist, wie der Name sagt, variabler. Er hat zwei separate Zimmer mit Einzelbetten, die durch das Ausfahren der Sliders zu zwei Doppelbetten werden. Einige Kunden nutzen das zweite Zimmer als Büro oder Lager. Das ermöglicht es zum Beispiel Berufstätigen, völlig unabhängig von überall aus zu arbeiten.
Wirtschaftsforum: Wer ist Ihre Zielgruppe?
Franz Wieth: Unsere Kunden kommen überwiegend aus Deutschland und der Schweiz, der Rest größtenteils aus den umliegenden Ländern. Es sind oft Menschen, die Flexibilität eines kleineren Fahrzeuges schätzen, aber Platz, Robustheit und Langlebigkeit erwarten. Wir verwenden für unsere Möbel beispielsweise ausschließlich HPL-Oberflächen, die extrem kratzfest und strapazierfähig sind. Ein PROTEC Wohnmobil ist eine Investition, die über Jahre hinweg wie neu aussieht.
Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen beschäftigen Sie momentan als Hersteller am meisten?
Franz Wieth: Die Zuverlässigkeit der Zulieferer ist ein großes Thema. Ob es um spezielle Sandwichplatten für den Aufbau oder um Mechaniken geht – wir kämpfen oft mit Lieferverzögerungen und Qualitätsmängeln. Das ist bei einem High-End-Produkt besonders ärgerlich. Zudem ist der US-Markt aufgrund bürokratischer Hürden und Abschottung leider schwer zu erschließen, obwohl das Interesse dort riesig wäre.
Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre? Was treibt Sie persönlich weiter an?
Franz Wieth: Ich muss nicht mehr davon leben – mich treibt die technische Herausforderung und die Freude an der Innovation. Ich bin ein Denker, Techniker, Maschinenbauingenieur durch und durch und habe das Glück, dass mein Talent auch mein Beruf geworden ist. Mich lässt es einfach nicht los, wenn ich etwas sehe, das technisch nicht optimal gelöst ist. Dann denke ich darüber nach, wie man es besser machen kann. Wenn wir langfristig 15 bis 20 Fahrzeuge im Jahr bauen und unsere Kunden von unserem Konzept und der Qualität begeistert sind, ist mein Ziel erreicht.
Alle Fotos: FloHagena.com/5sM












