„Wir machen aus einem Hotel ein Erlebnis – nicht umgekehrt“

Interview mit Katharina Wiegert, Geschäftsleitung, und Erik Sanchez, Geschäftsführer der Seehotel Heidehof GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Wiegert, Herr Sanchez, wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?

Katharina Wiegert: Bei mir war das tatsächlich früh angelegt. Meine Eltern haben die Bornmühle 1992 gegründet, ich bin also in der Branche aufgewachsen. Irgendwann war klar: Das ist nicht nur ein Umfeld, das ist mein Weg.

Erik Sanchez: Bei mir kam das Interesse auch früh, aber eher über Praktika und Familie im Hintergrund. Nach dem Studium im Hotelmanagement haben wir uns kennengelernt – und sind direkt in ein Projekt eingestiegen. Das war der Einstieg in die operative Verantwortung.

Wirtschaftsforum: Heute stehen Sie gemeinsam hinter mehreren Hotels. Wofür steht Ihr Unternehmen?

Erik Sanchez: Wir betreiben Hotellerie, aber denken sie konsequent vom Gast aus. Unser Ziel ist nicht einfach eine Übernachtung – wir wollen Erlebnisse schaffen. Das ist der Unterschied.

Katharina Wiegert: Und wir arbeiten sehr datengetrieben. Wir schauen genau, welche Zielgruppen wir erreichen wollen und entwickeln darauf abgestimmte Angebote. Das ist kein Bauchgefühl mehr, sondern ein System.

Wirtschaftsforum: Die Bornmühle gilt als Erfolgsgeschichte. Woran machen Sie das fest?

Erik Sanchez: An Zahlen – und an Resonanz. Die durchschnittliche Auslastung in der Region liegt bei rund 30%, wir liegen bei etwa 75%. Das kommt nicht von ungefähr. Wir haben früh verstanden, dass man mehrere Zielgruppen gleichzeitig bedienen muss.

Katharina Wiegert: Und wir haben uns getraut, Dinge anders zu machen. Highland Games, Gin-Tastings, Events am Feuer – das klingt erstmal ungewöhnlich, funktioniert aber, weil es Emotion erzeugt.

Wirtschaftsforum: Dieses Konzept übertragen Sie nun auf das Seehotel Heidehof?

Katharina Wiegert: Genau. Wir kennen das Haus seit Jahren, jetzt gehört es uns. Die Lage direkt am See ist ein enormes Potenzial – das wollen wir endlich nutzen.

Erik Sanchez: Unser Ansatz ist simpel: Die Natur wird Teil des Produkts. Yoga am Wasser, Stand-up-Paddling, später auch Formate wie Gin-Tastings auf dem See. Der Gast soll das Gefühl haben, wirklich angekommen zu sein.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie von klassischen Hotels?

Erik Sanchez: Wir beobachten Trends sehr genau – und entscheiden dann bewusst, welchen wir folgen. Wir sind oft ein Stück vor dem Markt, aber nie zu früh.

Katharina Wiegert: Und wir denken in Details. Regionalität ist kein Schlagwort, sondern wird gelebt – vom Honig bis zur Marmelade aus eigenen Früchten. Das spürt der Gast.

Wirtschaftsforum: Die Branche steht unter Druck. Wie gehen Sie damit um?

Erik Sanchez: Zwei Themen: Personal und Kosten. Beim Recruiting gehen wir international – wir holen gezielt Fachkräfte, etwa aus Kenia oder Tunesien.

Katharina Wiegert: Gleichzeitig automatisieren wir Prozesse. Künstliche Intelligenz übernimmt repetitive Aufgaben, vom Angebotsversand bis zur Gästekommunikation. Das schafft Freiräume für das, was zählt: den Service.

Wirtschaftsforum: Und intern – was macht Sie als Arbeitgeber aus?

Katharina Wiegert: Wir sind ein Familienunternehmen im echten Sinne. Viele Mitarbeiter sind seit über zehn Jahren bei uns.

Erik Sanchez: Wir geben Verantwortung ab, fördern Entwicklung und binden das Team aktiv ein – etwa bei Wettbewerben oder Messen. Erfolg ist bei uns immer Teamleistung.

Wirtschaftsforum: Ihr Blick nach vorn – wo steht der Heidehof in zwei Jahren?

Erik Sanchez: Als eigenständige Marke. Die Gäste sollen gezielt nach dem Heidehof suchen – nicht nur nach der Region.

Katharina Wiegert: Und als Ort, der zeigt, dass Hotellerie mehr kann. Wenn ein Gast sagt: „Das war nicht einfach ein Aufenthalt, das war ein Erlebnis“, dann haben wir alles richtig gemacht.

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