Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung
Interview mit Bernd Eulitz, Geschäftsführer der Hotel Semlin GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Eulitz, wie hat sich das Unternehmen von seinen Anfängen bis heute entwickelt?
Bernd Eulitz: Gestartet sind wir vor rund 33 Jahren mit einem Golfplatz in Semlin, direkt an einem Landschaftsschutzgebiet und unweit eines Naturschutzgebietes. Damals war es der erste Golfplatz in Brandenburg. Nach einigen Jahren wurde deutlich, dass auch Übernachtungsmöglichkeiten gebraucht wurden. Deshalb entstand ein Hotel mit 72 Zimmern, Banketträumen und 19 privaten Appartements. Später wurde die Golfanlage erweitert. Heute verfügen wir über mehrere Plätze und umfangreiche Trainingsmöglichkeiten. Aus ursprünglich rund 200 eher exklusiven Mitgliedschaften sind inzwischen etwa 1.400 geworden. Der Golfsport ist deutlich breiter geworden und erreicht heute ganz andere Bevölkerungsschichten als früher.
Wirtschaftsforum: Was macht den Standort aus Ihrer Sicht besonders?
Bernd Eulitz: Vor allem die Ruhe und die Großzügigkeit. Unsere Golfanlage umfasst rund 130 ha. So etwas würde man heute wahrscheinlich nicht mehr bauen. Wir liegen mitten in einer geschützten Landschaft, fern von Autobahnlärm, Industrie oder dichter Wohnbebauung. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Gleichzeitig bedeutet diese Lage natürlich auch Verantwortung. Wir müssen die Landschaft pflegen, schützen und mit entsprechenden Auflagen umgehen. Genau diese Verbindung aus Sport, Natur und Ruhe macht den Standort so besonders.
Wirtschaftsforum: Wie groß ist das Unternehmen heute?
Bernd Eulitz: Wir beschäftigen im Hotel rund 54 Mitarbeitende, hinzu kommen sechs Mitarbeitende in der Golfgesellschaft. Außerdem arbeiten etwa acht Personen eines externen Unternehmens im Greenkeeping für uns. Der Umsatz liegt aktuell bei rund 3,5 Millionen EUR. Nach Corona sind wir inzwischen ungefähr wieder auf dem Niveau von 2019. Das war allerdings ein langer Weg, denn Tagungen und Kongresse, die wir zuvor stark ausgebaut hatten, sind während der Pandemie komplett eingebrochen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie heute die größten Wachstumschancen?
Bernd Eulitz: Golf entwickelt sich weiter. Ich würde noch nicht von einem Breitensport sprechen, aber er ist erheblich zugänglicher geworden als vor 10 oder 15 Jahren. Gerade bei jüngeren Menschen sehen wir wieder mehr Interesse. Gleichzeitig nimmt die Internationalisierung zu. Wir haben in Deutschland inzwischen sehr gute Plätze und sehen, dass mehr internationale Turniere hier stattfinden. Deshalb ist es für uns wichtig, breit aufgestellt zu sein. Wir können uns nicht auf einen einzigen Bereich verlassen, sondern müssen mehrere Geschäftsfelder parallel entwickeln.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei die Nachwuchsarbeit?
Bernd Eulitz: Eine sehr wichtige. Wir sind inzwischen Trainingsstandort der PGA und haben enge Kontakte in die professionelle Golfwelt. Dadurch kommen Trainer und Spieler zu uns, die wiederum für zusätzliche Bekanntheit sorgen. Hinzu kommen internationale Jugendturniere wie Global Junior Golf Germany. Dort spielen junge Menschen aus verschiedenen Jahrgängen, teilweise auch deutsche Nachwuchsgolfer, die über Stipendien an Colleges und Universitäten im Ausland trainieren. Solche Veranstaltungen helfen uns, den Golfsport wieder stärker bei jungen Menschen zu verankern.
Wirtschaftsforum: Was hat sich in Ihrer eigenen Aufgabe in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Bernd Eulitz: Sehr viel. Ursprünglich bin ich mit dem Auftrag gekommen, die strategische Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben. Inzwischen nimmt die Personalarbeit einen sehr großen Raum ein. Recruiting ist deutlich schwieriger geworden, gerade in Gastronomie und Hotellerie. Gleichzeitig sind Themen wie Umweltauflagen, Finanzierung und Administration viel umfangreicher geworden. Wir liegen in einem Landschaftsschutzgebiet und müssen zahlreiche regulatorische Anforderungen erfüllen. Dazu kommen die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die sich direkt auf unser Geschäft auswirken.
Wirtschaftsforum: Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang von der Politik?
Bernd Eulitz: Vor allem weniger Administration. Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch und sehe vieles positiver, als es häufig dargestellt wird. Aber die bürokratische Belastung ist inzwischen enorm. Gerade in den Bereichen Personal, Steuern und Verwaltung müssen wir viel Zeit und Geld für Dinge aufwenden, deren Nutzen für uns als operativ arbeitendes Unternehmen kaum nachvollziehbar ist. Diese Ressourcen fehlen dann dort, wo sie eigentlich gebraucht werden, nämlich bei den Gästen und in der Weiterentwicklung des Unternehmens.
Wirtschaftsforum: Was sind für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Hauses wie Semlin?
Bernd Eulitz: Persönliches Engagement steht ganz oben. Dazu kommt das Engagement der Eigentümerfamilie und natürlich die Motivation der Mitarbeitenden. Wir arbeiten heute viel stärker mit Quereinsteigern und angelernten Kräften, weil Fachkräfte fehlen. Das bedeutet, dass wir selbst sehr viel schulen und Wissen vermitteln müssen. Gleichzeitig erwarten Gäste, Mitglieder und Mitarbeitende Präsenz. Ich sehe mich deshalb nicht nur als Geschäftsführer, sondern auch als Gastgeber. Man darf sich trotz aller administrativen Aufgaben nicht ausschließlich hinter dem Schreibtisch wiederfinden.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Preisentwicklung für Ihr Geschäft?
Bernd Eulitz: Eine sehr große. Steigende Personalkosten lassen sich nicht beliebig an den Gast weitergeben. Irgendwann ist die Grenze erreicht. Deshalb müssen wir sehr genau darauf achten, welche Kosten wir tragen können und wie wir gleichzeitig unser Qualitätsniveau halten. Unser Golfbetrieb finanziert sich im Wesentlichen über die Beiträge der rund 1.400 Mitglieder, das Hotel und die Gastronomie. Hinzu kommt das finanzielle Engagement der Eigentümerfamilie.
Wirtschaftsforum: Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?
Bernd Eulitz: Wir arbeiten weiterhin an der Renovierung und daran, das Unternehmen strukturell für die kommenden Jahre aufzustellen. Ein großes Thema ist auch die Nachfolge. Die Eigentümer sind inzwischen älter, deshalb müssen wir Konzepte entwickeln, wie das Unternehmen langfristig weitergeführt werden kann. Das beschäftigt uns aktuell intensiv.
Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich, diesen Weg weiterzugehen?
Bernd Eulitz: Als ich vor zehn Jahren hier angefangen habe, kannte ich die Anlage zunächst kaum. Mit der Zeit habe ich selbst wieder angefangen, Golf zu spielen, mich immer stärker mit der Region verbunden und mich ein Stück weit in diesen Ort verliebt. Ich sehe das Potenzial, das hier vorhanden ist. Dazu kommt das Team. Wenn 54 Menschen auf einen schauen und bei Schwierigkeiten fragen, wie wir gemeinsam wieder herauskommen, dann entsteht Verantwortung. Ich bin inzwischen 66 und könnte längst in Rente sein, aber ich habe der Eigentümerfamilie versprochen, weiterzumachen, solange wir gemeinsam an einer Zukunft arbeiten können. Genau das motiviert mich.












