Ein Start-up mit über 120 Jahren Geschichte
Interview mit Philipp Schmidt, General Manager der HEROS WOODEN TOYS GMBH

Wirtschaftsforum: Herr Schmidt, an Ihrem Standort in Lam in der Oberpfalz wird schon seit dem 14. Jahrhundert Holz verarbeitet.
Philipp Schmidt: Die Marke Heros, unter der wir hochwertiges Holzspielzeug und Spielezubehör herstellen und vertreiben, besteht ebenfalls schon seit über 120 Jahren. Jahrzehntelang trat das Unternehmen eigenständig im Markt auf, bis es eine Zeit lang in der Simba Dickie Group aufging und letztes Jahr schließlich von der finnischen Tactic Games aufgekauft wurde. Das Familienunternehmen aus Finnland ist in den nordischen Ländern Marktführer im Brettspielesegment und möchte nun mit Heros auch in Deutschland, Europas größtem Spielemarkt, zusätzliche Marktanteile gewinnen.
Wirtschaftsforum: Der Zusammenschluss von Heros und Tactic war somit gleich in mehrfacher Hinsicht ein Perfect Fit.
Philipp Schmidt: In der Vergangenheit hat Tactic etliche Zubehörteile aus Fernost zugekauft, die nun einfacher von Heros bezogen werden können – schließlich sind wir vermutlich Europas größter Würfelproduzent und fertigen zudem auch für viele weitere Spieleverlage Holzspielfiguren und ähnliche Komponenten. Doch nicht nur an dieser Stelle sind die Synergien mit Tactic offensichtlich: Denn mit dem Rückenwind unseres finnischen Mutterunternehmens möchten wir nun auch wieder unsere Marke Heros aufbauen, die schon seit vielen Jahren nicht mehr bespielt worden ist. Dabei fangen wir mit bekannten Heritage-Produkten an, die schon lange ein fester Bestandteil unseres Sortiments sind und jetzt eben vielleicht ein bisschen frischer und zeitgemäßer gestaltet werden. Trotz einer über 120 Jahre währenden Firmengeschichte – und sechs Jahrhunderten Tradition in der Holzverarbeitung in unserer Region – fühlt sich unser Unternehmen derzeit oftmals ein bisschen wie ein Start-up an.
Wirtschaftsforum: Wie möchten Sie Heros nun wieder als Marke im Markt etablieren?
Philipp Schmidt: Anfang des Jahres haben wir auf der Nürnberger Spielwarenmesse unser erstes wirklich neues Sortiment präsentiert und dabei bereits erste wichtige Gespräche mit Entscheidern aus der Branche geführt. Dabei ist uns aufs Neue bewusst geworden, dass „Made in Germany“ ein starkes Asset bleibt. Gleichzeitig sind wir auch im Hinblick auf unsere Preisgestaltung, etwa für unsere beliebte Bausteintrommel, nachhaltig konkurrenzfähig. Die starke Präsenz von Tactic in den nordischen Ländern sowie in Frankreich, BeNeLux und Polen eröffnet uns zudem viele spannende Marktchancen bei starken Partnern im Handel – denn mit unserem hochwertigen Sortiment positionieren wir uns klar als Fachhandelsprodukt.
Wirtschaftsforum: Der traditionelle Spielwarenmarkt gerät nicht nur durch Wettbewerber aus Fernost, sondern auch durch verstärkte Konkurrenz aus der digitalen Welt immer stärker unter Druck – was bedeutet das für ein Unternehmen wie Heros?
Philipp Schmidt: Natürlich nimmt die digitale Welt auch im Kinderzimmer immer mehr Raum ein. Doch gerade im Kleinkindbereich fängt jedes Spiel auch heute noch mit Bausteinen an, wie sie etwa aus unserer Produktion stammen. Damit werden dann später erste Figuren, Ritterburgen und vieles mehr gebaut, wo der Fantasie heute wie in der Zukunft keine Grenzen gesetzt sind. Das haptische Erlebnis bleibt an dieser Stelle eben unersetzlich. Gleichzeitig sehen wir im klassischen Gesellschaftsspiel, wo die ganze Familie zusammenkommt, um bewusst Zeit miteinander zu verbringen, auch einen dezidierten Kontrapunkt zum digitalen Spielerlebnis. Dass viele Menschen diese Haltung teilen, erkennt man auch an den Endverbraucher-Spielemessen wie der SPIEL ESSEN, welche in 2025 an allen vier Messetagen mit insgesamt 220.000 Besuchern ausverkauft war.
Wirtschaftsforum: Gleichzeitig bleiben Kindheitserinnerungen ein Leben lang erhalten.
Philipp Schmidt: Auch das gehört zu unserem Tagesgeschäft. Fast im Wochenrhythmus erreichen uns Anfragen von Kanada bis Australien, ob wir für ein Spiel, das Heros vielleicht vor 40 Jahren auf den Markt gebracht hat, noch Ersatzteile liefern könnten, bevor es nun an die Enkel weitergegeben wird, um auch die nächste Generation zu begeistern. Diese Frage können wir fast immer bejahen. Die von uns verwendeten Farben und Lacke bleiben dabei natürlich noch Jahrzehnte später gesundheitlich völlig unbedenklich. Schon in dieser besonderen Langlebigkeit unserer Produkte sehen wir einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Ferner denken wir unseren Werkstoff Holz grundsätzlich aus einer ganzheitlichen Perspektive – im Winter heizen wir unser Werksgelände beispielsweise mit unseren Holzabfällen und verarbeiten zudem den in unserer Produktion anfallenden Holzstaub zu Briketts, die wir anschließend weiterverkaufen.
Wirtschaftsforum: Sie selbst sind nach fast drei Jahrzehnten Erfahrung in der Spielwarenbranche vor rund einem Jahr als General Manager zu Heros gewechselt – was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Philipp Schmidt: Ein Unternehmen wie Heros mit einer solchen Geschichte in die Zukunft zu führen und dabei trotz dieser langen Historie im Grunde wieder bei null anfangen zu können, war eine einmalige Chance, die ich gerne ergriffen habe – nicht zuletzt aus einer großen Zuneigung für unsere Produkte und unsere Werte als gestandenes mittelständisches Unternehmen: Einige unserer Mitarbeiter sind bereits in 3. Generation für uns tätig. Gleichzeitig wollen wir allen Menschen bei Heros nachhaltige Perspektiven für eine starke persönliche und fachliche Weiterentwicklung eröffnen. Darin sehe ich vermutlich die wichtigste Grundlage für unsere künftigen Erfolge.












