„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Vender, Vender Legnami ist ein Familienunternehmen mit langer Geschichte. Wie hat alles begonnen?

Moreno Vender: Die Firma wurde von meinem Vater gegründet, 1961 hier in Mezzocorona. Eigentlich reichen die Anfänge noch etwas weiter zurück, denn mein Vater war schon vorher in einem anderen Ort im Val di Non tätig. Nach Mezzocorona kam er dann 1961 und hat hier den Schwerpunkt der Arbeit aufgebaut. Ich bin seit vielen Jahren im Unternehmen und habe die gleiche Produktion weitergeführt und im Grunde auch die gleiche Einstellung bewahrt, die mein Vater mir mitgegeben hat.

Wirtschaftsforum: Was ist bis heute der Kern Ihres Unternehmens geblieben?

Moreno Vender: Unser Kerngeschäft ist seit jeher das Massivholz. Wir produzieren Balken, Bauholz und Träger für Dächer, vor allem aus Fichte beziehungsweise Tanne und Lärche. Im Laufe der Zeit sind einige Arbeiten dazugekommen, aber das eigentliche Produkt und die Art, wie wir arbeiten, haben sich nicht grundsätzlich verändert. Wir kaufen das Holz direkt ein, hier in Trentino-Südtirol, aber auch im Ausland. Früher, besonders in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren, haben wir viel aus Deutschland bezogen. Das hängt auch mit unserer Lage zusammen: Wir befinden uns an der Brennerachse und haben eine Bahnanbindung, die für den Transport wichtig ist.

Wirtschaftsforum: Wie unterscheidet sich Ihre Produktion von einer klassischen Sägerei?

Moreno Vender: Wir sind keine klassische Sägerei, die vor allem Bretter oder Tafeln herstellt. Wir arbeiten mit Fräsen und produzieren vor allem Träger und Balken für den Bau. Ein typisches Produkt ist der Balken für die traditionelle italienische Bauweise, der aus dem Stamm herausgearbeitet wird und teilweise dessen natürliche Form berücksichtigt. Solche Hölzer werden in vielen Regionen Italiens eingesetzt, etwa bei Restaurierungen von Kirchen, Klöstern oder historischen Gebäuden. Dabei geht es nicht nur um Funktion, sondern auch um Charakter und um eine Bauweise, die zu bestimmten Regionen passt.

Wirtschaftsforum: Was macht Vender Legnami aus Ihrer Sicht besonders?

Moreno Vender: Sicher unsere Geschichte und unsere Erfahrung mit Holz. Dazu kommt der Service. Wir haben ein großes Lager und können Kunden auch kurzfristig bedienen. Das ist heute sehr wichtig, denn viele Kunden halten selbst keine großen Bestände mehr vor. Wenn Material gebraucht wird, muss es schnell verfügbar sein. Genau darauf müssen wir vorbereitet sein. Neben der Qualität ist diese Geschwindigkeit einer unserer wichtigsten Vorteile.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist im Holzbau zentral. Welche Rolle nimmt dieses Thema bei Ihnen im Unternehmen ein?

Moreno Vender: Nachhaltigkeit ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Wir arbeiten mit massivem Holz und verwenden keine komplexen, stark verarbeiteten Systeme. Ein Holzdach sollte wirklich aus Holz bestehen. Das klingt einfach, ist aber heute nicht immer selbstverständlich. Wir merken, dass Kunden und Planer stärker darauf achten, welche Materialien sie einsetzen und welche Geschichte ein Baustoff hat. Außerdem haben wir in Photovoltaik investiert, um Solarenergie für den Eigenverbrauch zu nutzen. Angesichts der hohen Energiekosten war das eine richtige Entscheidung, und wir sehen, dass sie Früchte trägt.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie derzeit am Markt?

Moreno Vender: In unserem Bereich ist die Rohstoffversorgung das größte Thema. Die Wälder sind durch Stürme, Trockenheit, Schädlinge und Krankheiten stark belastet. Das verändert die Verfügbarkeit und treibt die Preise. Gleichzeitig kann der Markt diese Preise nicht immer mitgehen. Dazu kommt, dass sich der Bausektor in Italien im Moment verlangsamt. Die Produktionskosten steigen, die Margen sinken. Man muss heute sehr flexibel reagieren. Früher konnte man länger planen, heute ändern sich Situationen manchmal innerhalb einer Woche oder eines Monats. Deshalb versuchen wir, vorsichtig zu bleiben und Investitionen gut abzuwägen.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das für die Zukunft des Unternehmens?

Moreno Vender: Ich hoffe, dass die nächsten Generationen, meine Familie und meine Kinder, das Unternehmen weiterführen werden. Gleichzeitig glaube ich, dass wir uns verändern müssen. Wenn die primären Rohstoffe knapper werden, müssen wir auch über andere Wege nachdenken. Ein Thema kann sein, Holz aus alten Dächern zurückzugewinnen und wiederzuverwenden. Auch in unserem Sektor brauchen wir mehr Kreislaufwirtschaft. Wir müssen lernen, weniger abhängig vom frischen Rohstoff zu werden, weil er in Zukunft nicht mehr im gleichen Umfang verfügbar sein wird. Tradition bleibt wichtig, aber sie braucht neue Lösungen und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen, wenn sie Zukunft haben soll.

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