Zukunft bauen mit Holz – Handwerk aus Überzeugung
Interview mit Jorne Boysen, Zimmermeister und Co-Geschäftsführer der BOYSEN ZIMMEREI GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Boysen, Sie führen das Unternehmen heute gemeinsam mit Ihrem Vater. Wie ist diese Konstellation entstanden – und was macht sie für den Betrieb so wertvoll?
Jorne Boysen: Die gemeinsame Führung ist für uns eine sehr bewusste Entscheidung. Mein Großvater Christoph Boysen hat das Unternehmen 1953 gegründet, mein Onkel Kai Boysen und mein Vater Jens Boysen haben es über Jahrzehnte weiterentwickelt. 2020 beendete Kai Boysen seine geschäftsführende Tätigkeit in der Firma Boysen Zimmerei, und ich bin seit rund fünf Jahren in der Geschäftsleitung tätig. Uns war wichtig, keinen abrupten Generationswechsel zu vollziehen, sondern Erfahrung und neue Impulse miteinander zu verbinden. Mein Vater bringt enorme Ruhe, Übersicht und handwerkliche Tiefe mit, während ich Themen wie Investitionen, Effizienz und Weiterentwicklung stärker vorantreibe. Diese Kombination gibt dem Betrieb Stabilität und Zukunftsfähigkeit.
Wirtschaftsforum: Die BOYSEN ZIMMEREI ist seit über 70 Jahren eng mit dem Werkstoff Holz verbunden. Wie zeigt sich das heute im Leistungsportfolio?
Jorne Boysen: Holz ist für uns kein traditionelles Relikt, sondern ein moderner, nachhaltiger Baustoff. Wir bieten klassische Zimmererarbeiten, Dachdeckerleistungen, energetische Dachmodernisierungen, Fassadenlösungen sowie Wohnraumerweiterungen und Aufstockungen im Bestand an. Gerade im Bestand spielt Holz seine Vorteile aus: Es ist leicht, flexibel und ideal für individuelle Lösungen. Unsere Kunden schätzen, dass sie bei uns ein breites Leistungsspektrum aus einer Hand erhalten.
Wirtschaftsforum: Ein Schwerpunkt Ihres Unternehmens ist die Vorfertigung. Welche Bedeutung hat sie für Ihre Arbeit?
Jorne Boysen: Die Vorfertigung ist ein zentraler Baustein unserer Effizienzstrategie. Wir planen sehr detailliert, fertigen Bauteile in unserer eigenen Halle vor und liefern sie weitgehend geschlossen auf die Baustelle. Das verkürzt Bauzeiten erheblich, reduziert witterungsbedingte Risiken und sorgt für eine konstant hohe Qualität. Für unsere Kunden bedeutet das mehr Planungssicherheit, weniger Belastung vor Ort und insgesamt einen reibungsloseren Bauablauf.
Wirtschaftsforum: Die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden hat also einen hohen Stellenwert?
Jorne Boysen: Absolut. Wir verstehen uns nicht als reiner Ausführungsbetrieb, sondern als Partner. Viele Kunden kommen mit einer Idee, nicht mit einem fertigen Konzept. Wir beraten umfassend, denken Projekte weiter und prüfen Fördermöglichkeiten sowie zusätzliche Potenziale eines Gebäudes. Dieses partnerschaftliche Vorgehen schafft Mehrwert und ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema im Bauwesen. Wie setzen Sie diesen Anspruch um?
Jorne Boysen: Wo immer möglich, setzen wir auf ökologische Materialien wie Holzfaser oder Holzwolle, die umweltfreundlich sind und zugleich hervorragende Isoliereigenschaften bieten. Natürlich stehen wir dabei im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Kostendruck. Unser Ziel ist es, Kunden von langfristig sinnvollen Lösungen zu überzeugen, auch wenn diese nicht immer die günstigste kurzfristige Variante darstellen.
Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage im Handwerk?
Jorne Boysen: Die Nachfrage ist grundsätzlich vorhanden, gleichzeitig ist die Unsicherheit deutlich gestiegen. Höhere Zinsen, steigende Lohn- und Materialkosten sowie politische Rahmenbedingungen führen dazu, dass Entscheidungsprozesse länger dauern. Hinzu kommt eine zunehmende Bürokratie, etwa durch Genehmigungen, Sondernutzungen oder Halteverbotszonen, die Bauprojekte verzögert und verteuert.
Wirtschaftsforum: Digitalisierung und Automatisierung gelten als Zukunftsthemen. Wie sehen Sie das für Ihren Betrieb?
Jorne Boysen: Digitalisierung gewinnt vor allem im Büro und in der Arbeitsvorbereitung an Bedeutung, etwa bei Planung und Prozessoptimierung. Auf der Baustelle sehen wir dagegen weiterhin Grenzen, insbesondere im individuellen Bauen im Bestand, wo Erfahrung und handwerkliches Können entscheidend bleiben.
Wirtschaftsforum: Der Fachkräftemangel beschäftigt die gesamte Branche. Wie gehen Sie damit um?
Jorne Boysen: Wir bilden aus und investieren viel in unsere Mitarbeitenden. Trotzdem ist es eine Herausforderung, junge Menschen langfristig zu binden. Dabei ist das Handwerk ein sehr erfüllender Beruf: Man arbeitet an der frischen Luft, sieht jeden Tag, was man geschaffen hat, und hat sehr gute Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten. Handwerk ist unverzichtbar und braucht mehr gesellschaftliche Wertschätzung.
Wirtschaftsforum: Wohin soll sich die BOYSEN ZIMMEREI GmbH & Co. KG in Zukunft entwickeln?
Jorne Boysen: Wir wollen weiter investieren, innovativ bleiben und gleichzeitig unseren familiären Charakter bewahren. Stillstand ist keine Option. Unser Ziel ist es, effizienter zu werden, unsere Mitarbeitenden zu entlasten und auch künftig ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu sein.















